Die Tücken bei Bewerbungen ab 40

Mit 40 schon zum alten Eisen gehören und reihenweise Absagen kassieren – das ist keine Seltenheit in der Arbeitswelt. Wir erklären, wie du mit der richtigen Bewerbungsstrategie dennoch Erfolg hast.

© Berwis/ pixelio

Ältere Arbeitnehmer sind häufiger krank als ihre jüngeren Kollegen. Sie sind weniger produktiv, es mangelt ihnen an Flexibilität, Mobilität und Belastbarkeit – so lauten die gängigen Vorurteile. Häufig stimmen diese Annahmen jedoch nicht. Ganz im Gegenteil. Die Generation 40+ verfügt über wichtige Kompetenzen, die die Jungen (noch) nicht haben. Dazu zählen Erfahrungswissen, Zuverlässigkeit, soziale Kompetenz und Krisenbeständigkeit – das bestätigen zahlreiche Studien.

Babyboomer sind besonders engagiert

In unserer Gesellschaft werden die Vorzüge Älterer oft übersehen. Laut der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat jeder fünfte Mensch in Deutschland bereits eine Situation erlebt, in der er wegen seines Alters benachteiligt wurde. Genauso wird in vielen HR-Abteilungen das Potenzial dieser Mitarbeitergruppe noch nicht erkannt. Dabei ist es besonders die Generation der Babyboomer, die häufig eine Loyalität und Wertschätzung ihrer Firma gegenüber zeigt, was sich in einer längeren Betriebszugehörigkeit bemerkbar macht und sich in einem stärkeren Arbeitseinsatz zeigt. Dies unterstreicht auch der Report „Working Better Together“ der dänischen Firma Peakon aus dem Jahr 2018. Demnach sind die Babyboomer nach dreijähriger Betriebszugehörigkeit die am stärksten engagierte Gruppe. Millennials sind durchweg weniger engagiert als Babyboomer und die Generation X.

Demografischen Wandel nutzen

Nicht nur Erfahrungswerte und Loyalität sprechen für die Generation 40+, auch die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt durch den demografischen Wandel machen ältere Mitarbeiter zu einer gebrauchten Spezies. Viele ältere Mitarbeiter gehen in den Ruhestand, während weniger Schulabgänger nachkommen. Das bedeutet: Junge Arbeitskräfte sind nicht mehr so zahlreich verfügbar und Personaler müssen ihr Augenmerk auch auf ältere Bewerber und deren Vorzüge richten. Besonders deutlich zeigt sich der demografische Wandel bei den Arbeitnehmern zwischen 60 und 64 Jahren. Deutlich mehr als jeder Zweite von ihnen ist erwerbstätig, das geht aus dem „Dritten Bericht der Bundesregierung zur Anhebung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre“ hervor. Im Jahr 2000 waren es nur rund 20 Prozent.

Kenne deine Vorzüge

Bevor du dich bewirbst: Lass dich von den zahlreichen Vorurteilen nicht negativ beeinflussen! Wichtig ist, dass du sie kennst und Gegenargumente bringen kannst. Mach dir die genannten Vorteile der Generation 40+ bewusst, wenn du dich bewirbst, damit einem gesunden Selbstbewusstsein in Bezug auf deinen Marktwert nichts im Wege steht. Hast du schon häufig Absagen kassiert, lass dir nichts anmerken. Häufig ist ein gewisser Frust älterer Bewerber in ihren Unterlagen spürbar, der gleichzeitig die Chance auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch schmälert. Um Klischees entgegenzuwirken, achte auf eine Bewerbung, die optisch Modernität ausstrahlt. Besonders beim Layout und beim Foto kannst du hier Pluspunkte sammeln.

Lebenslauf: Modern und ohne Lücken

Auch wenn du über viel Erfahrung aus mehreren Arbeitsstationen verfügst, solltest du alles auf zwei Seiten unterbringen. Mehr wird kein Personaler lesen. Die neuesten Informationen sollten an oberster Stelle sehen, damit unterstreichst du deine wichtigsten und neuesten Leistungen. Genauso wie für jüngere Bewerber gilt für dich auch: Keine Lücken im CV! Jedoch musst du nicht detailreich auflisten, was du vor zehn Jahren gemacht hast. Auch ältere Praktika sind irrelevant. Lasse ein frisches Bewerbungsfoto erstellen. Dazu gehören kräftige Farben und das Ablichten im Halbprofil, um eine jüngere Wirkung zu erzielen.

Weitere Informationen zum Lebenslauf findest du auch hier.

Anschreiben: Glaubwürdigkeit ist wichtig

Thematisiere nie dein Alter, weder im Anschreiben noch im Vorstellungsgespräch. Stattdessen solltest du selbstbewusst deine Erfahrungen und Qualifikationen vermitteln sowie Motivation und Lernbereitschaft signalisieren. Wichtig ist auch, die beschriebenen Punkte glaubwürdig durch entsprechende Dokumente wie Zeugnisse, Weiterbildungen und Auslandsaufenthalte zu belegen.

Zeugnisse: Weniger kann mehr sein

Wenn du bereits seit Jahrzehnten berufstätig bist, kannst du dir Schulzeugnisse sparen. Sollte der Zeugnis-Anhang zu groß werden, dann kürze ihn. Wichtig sind Zeugnisse, die für die Stelle relevant sind sowie solche von langjährigen Arbeitgebern.

Fachkenntnisse: Möglichst aktuell halten

Du kannst zwar mit langjähriger Berufserfahrung punkten, aber wie sieht es mit deinen Fachkenntnissen aus? Die solltest du auf dem neuesten Stand halten und mit Hilfe von konkreten Beispielen deutlich machen können. Regelmäßiges Teilnehmen an Seminaren kann dazugehören, genauso wie das kontinuierliche Verfolgen aktueller Entwicklungen in deiner Branche. Zudem kannst du Fachmessen und Kongresse besuchen und einschlägige Online-Magazine lesen.

Gehaltsvorstellungen: Hinterfragen und korrigieren

Das Gehalt ist besonders bei älteren Bewerbern ein heikles Thema. Einerseits möchtest du für deine vorhandenen Skills entsprechend entlohnt werden, andererseits musst du bedenken, dass die jüngere Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt meist günstiger zu haben ist. Frage dich daher, ob deine Gehaltsvorstellungen realistisch sind.

Netzwerke: Real und digitale nutzen

Ein letzter Tipp: Wenn du im Laufe deiner bisherigen Karriere ein Netzwerk aufgebaut hast, dann nutze es für deine Bewerbung 40+. Sprich ehemalige Kollegen auf deine Jobsuche an und höre dich um. Mit etwas Glück wird dir sogar eine freie Stelle angeboten. Zwei Drittel aller vakanten Stellen werden hierzulande unter der Hand vergeben, sagt man. Setze bei der Jobsuche auch auf Karriere-Netzwerke wie XING oder LinkedIn oder andere Social Media.

Über Viola Klingspohn

Viola Klingspohn ist ausgebildete Redakteurin (Volontariat) und Diplom-Designerin (FH). Sie hat in Zeitungsredaktionen gearbeitet und ein Familienmagazin redaktionell betreut. Seit 2011 ist sie freiberuflich tätig in den Bereichen Grafikdesign und Textkommunikation.

Viola Klingspohn

Ein Gedanke zu „Die Tücken bei Bewerbungen ab 40

  1. Christian

    Tja, also ich bin über 50 und körperlich topfit. Ich habe es gewagt vor ca. 10 Jahre zur Onlinewelt als Projektmanager zu wechseln. Davor hing ich in einem tolles Job als Leiter einer Printabteilung ohne Zukunft fest. Nun suche ich jetzt etwas Neues. Mein letzter Arbeitgeber war nicht nett. Tolle Projekte, schlechte Führung und dementsprechend schlechte Finanzen. Nun nach 160 Bewerbungen, zig sehr freundlichen Gespräch habe ich seit 8 Monaten immer noch kein Job. Es kann nur an meiner Jahreszahl liegen. Da helfen mir diese „alte“ Tipps nicht. Irgendwelche Vorschläge?

    Antworten

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