Trödeln auf der Arbeit: Eine ungewöhnliche Antwort auf ein aktuelles Problem

Arbeitstage sollen verkürzt werden, doch die Gehälter gleichbleiben. Eine potentielle Beihilfe zur Work-Life-Balance, die vergisst, wie schön trödeln ist.

© Gaetan Boutet - Unsplash

Trödeln ist etwas Wunderbares, zumindest im richtigen Maße. Die Frage zur Umgestaltung des Arbeitstages wird aktuell wieder heiß diskutiert und verschiedenste Ideen werden implementiert, um diese durchzuführen, wie kürzlich auch die Süddeutsche Zeitung berichtete. Sechsstündige Arbeitstage werden eingeführt, damit Arbeitnehmer ein besseres Gleichgewicht zwischen Arbeitstag und Freizeit haben, doch verbirgt sich hierin ein relativ einfaches Problem: Leistungsdruck. Ein Problem, das mit dem Trödeln nicht auftritt – und vielleicht brauchen wir gar nicht weniger Arbeitszeit, sondern einfach nur entspanntere.

Weniger Zeit, mehr Stress

Nur die wenigsten Leute können tatsächlich acht Stunden am Stück konzentriert arbeiten. Dazu gibt es zahlreiche Studien, das ist ein erwiesener Fakt und lässt sich auch nicht wirklich ändern. Ich für meinen Teil werde bereits hibbelig, wenn ich mehr als nur zwei Stunden an derselben Sache arbeiten muss. Zu sagen, man solle dann nur sechs Stunden konzentriert am Stück arbeiten für dieselbe Bezahlung, ist auf dem Papier natürlich keine schlechte Idee, bringt jedoch das ganz einfache Problem mit sich, dass in diesen sechs Stunden dafür noch mehr Konzentration abverlangt wird. In diesem Zeitraum muss immerhin dieselbe Leistung erfolgen wie zuvor in acht Stunden, wobei diese Rechnung natürlich etwas vereinfacht ist, damit die weiterhin gleiche Bezahlung auch gewährleistet werden kann – und das resultiert im Stress auf der Arbeit.

Stress auf der Arbeit und/oder Stress im Privatleben sind zwei der wohl unschönsten Dinge im Alltag eines Jeden, da dies die beiden maßgeblichen Teile unseres Alltages sind. Und wer sagt, er oder sie habe jetzt bereits mit Stress auf der Arbeit zu kämpfen, wird sich über zwei Stunden weniger Arbeit am Tag wohl nicht allzu sehr freuen, denn diese holen einen ein. Heißt, dass die Work-Life-Balance doch gar nicht zum Besseren hierdurch gewendet werden würde. Dieses neue Modell scheint solch einer Logik entsprechend also wenig eindrucksvoll. Eine Ausbesserung des aktuellen könnte jedoch eventuell helfen.

Das wunderbare Trödeln

Die unrealistische Haltung, man müsse acht Stunden konzentriert sein, gehört eigentlich abgeschafft. Schließlich wissen wir mittlerweile, dass das nicht wirklich ist. Statt acht Stunden zu arbeiten, ist man oftmals viel eher acht Stunden auf der Arbeit mit kleinen Pausen zwischendurch. Diese Form des Trödelns, in der man zwischendurch mal Instagram öffnet, ein Kaffeepäuschen einlegt, mit einem Kollegen auf dem Flur schnackt etc. entzieht einem unfassbar viel Stress. Es bietet Abwechslung und Abwechslung entspannt – und wer entspannt ist, kann auch produktiver und mit frischer Energie seiner aktuellen Aufgabe nachkommen.

Des Weiteren erfüllt das Trödeln einen sozialen Aspekt, wie beschrieben unter anderem in Form des Flurschnacks, welcher beim sechsstündigen Tag größtenteils ausfällt, da schlichtweg die Zeit fehlt. Und das soziale Miteinander auf der Arbeit ist wichtig, denn der Arbeitsplatz an sich ist ein sozialer Ort, sofern andere Menschen anwesend sind. Mit anderen auf der Arbeit sozialisieren zu können, macht die Arbeit ebenso spaßiger und wer Spaß an seiner Arbeit hat, fühlt sich nicht genötigt zu arbeiten, ist dabei aber auch gleichermaßen produktiv. Vielleicht ist es also der falsche Ansatz die Tage zu verkürzen, sondern viel richtiger die kleinen Pausen zwischendrin zu normalisieren. Nach Hause gehen und sagen zu können: „Ich habe heute viel geschafft, gestresst war ich dabei aber nicht“, ist für die Work-Life-Balance eventuell sogar wichtiger, denn wer gar nicht erst wirklich angestrengt nach Hause kommt, braucht auch nicht ewig, um wieder zur Ruhe zu finden.

Über Toni Gau

Toni Gau

Toni Gau ist freischaffender Blogger, wobei sein Augenmerk auf Popkultur, Literatur und Storytelling liegt, mit eigens geschriebenen Geschichten zwischendrin. Nach dazugehörigem Studium setzt er hier nun seine Arbeit fort und schreibt seit März 2019 für OnlineMarketing.de

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