Studie: Diese Länder haben die ausgewogenste Work-Life-Balance

Das richtige Verhältnis von Arbeit und Freizeit ist wichtig für Gesundheit und Zufriedenheit. Nun wurde ermittelt, in welchem Land es sich am besten arbeiten und leben lässt.

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Dass eine ausgewogene Work-Life-Balance wichtig für das eigene Wohlbefinden ist, steht außer Frage. Arbeitnehmern wird es immer wichtiger, sich neben der Arbeit auch persönlich entfalten zu können und eine ausreichende Freizeit ist der Schlüssel dafür. Neben Hobbys ist es jedoch bei vielen die Familienzeit, die ausgeweitet werden soll. Eltern möchten die Entwicklung ihrer Kinder beobachten können und aktiv mitgestalten. Dies ist jedoch schwer, wenn die Arbeit einen Großteil der Zeit frisst und man die Kleinen nur nach dem Aufstehen und zum ins Bett bringen sieht. Daher hat die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) eine Studie veröffentlicht, die zeigt, in welchen Ländern die Work-Life-Balance am besten ist.

Über zwölf Prozent arbeiten 50 Stunden pro Woche

Das Ranking erfolgt anhand des Better Life Index. Hierbei werden die Länder nach bestimmten Faktoren wie Arbeitszeit und Freizeit bewertet und auf einer Skala von eins bis zehn eingeordnet. Unter den 38 untersuchten Ländern befinden sich OECD Mitglieder und Partnerländer wie Russland. Allgemein wurde festgestellt, das insgesamt 12,5 Prozent aller Beschäftigten länger als 50 Stunden pro Woche arbeiten müssen. Dabei ist die Zahl der Männer mit 16 Prozent doppelt so groß wie die der Frauen. Freizeit hat der Durchschnittsbürger 14,9 Stunden pro Tag. Das klingt zunächst gar nicht schlecht. Jedoch muss bedacht werden, dass darunter nicht nur Freizeitaktivitäten (Hobbys, Familienzeit, Netflix) fallen, sondern auch das Stillen der Basisbedürfnisse wie Essen und Schlaf. Übrigens haben Frauen in den meisten Fällen genauso wenig Freizeit wie Männer, auch wenn sie weniger Stunden arbeiten.

Infografik: Länder mit der besten Work-Life Balance | Statista

Die Niederlande auf Platz 1

Platz 1 des Rankings belegen die Niederlande, dicht gefolgt von Dänemark und Frankreich. Gerade einmal 0,5 Prozent der Beschäftigen dort arbeitet mehr als 50 Stunden die Woche und mit 15,9 Stunden Freizeit pro Tag liegt auch dieser Wert klar über dem Durchschnitt. Das Glück der Niederländer beginnt schon in der Kindheit. Sehr gute Lesekenntnisse der Kinder zeugen von einem guten Bildungssystem. Zudem erleben sie seltener Einkommensarmut bei den Eltern als in anderen Vergleichsländern. Innerhalb der Familien herrscht ein gleichberechtigtes Verhältnis von Mann und Frau. 69,9 Prozent der Frauen sind berufstätig, darunter viele Mütter in Teilzeit.

Kanal in Amsterdam © Jace Grandinetti – Unsplash

Das stellt eine enorme Veränderung dar, denn noch vor 30 Jahren lag die Beschäftigungsquote von Niederländerinnen bei nur 35 Prozent. Der Boom basiert vor allem auf den vielen Teilzeitbeschäftigten. Einerseits erfreulich, muss auch hier erwähnt werden, dass Teilzeit die Frauen oft in ihrem beruflichen Werdegang aufhält. Jedoch glänzen vor allem junge Niederländerinnen mit einer hervorragenden Bildung. Im Vergleich sind sie gebildeter als junge Frauen in Vergleichsländern und auch als junge Niederländer. Allgemein herrschen nur geringe Genderdifferenzen in den Niederlanden.

Die Türkei bleibt weit abgeschlagen

Das Schlusslicht bildet mit großem Abstand die Türkei hinter Mexiko und Israel. Ganze 33,8 Prozent der Beschäftigten arbeiten mehr als 50 Stunden pro Woche und die tägliche Freizeit beträgt nur 12,6 Stunden. Arbeitsverhältnisse wie diese können sowohl psychische als auch physische Krankheiten auslösen und das Sozial- und Familienleben erheblich stören. Glücklicherweise wird aber bereits nach Lösungen gesucht, denn zufriedene Arbeitskräfte verrichten ihre Arbeit meist effizienter und gewissenhafter.

Ein Ansatz ist das elektronische Dokumentsystem ZAMBAK. Dieses ermöglicht Mitarbeitern im öffentlichen Dienst die Arbeit im Home Office, wobei die Chefs gleichzeitig die tatsächliche Arbeitsleistung ihrer Mitarbeiter nachvollziehen können. Eingeführt wurde das Ganze von der Kommune Yalova. Dort funktioniert das neue System prächtig und es konnten Einsparungen in der Verwaltung von Arbeitsräumen gemacht werden, da die Beschäftigten ihren Arbeitsplatz nun frei wählen können. Inzwischen kooperiert Yalova mit anderen Gemeinden, aber auch Arbeitgebern in der gesamten Türkei. Ziel ist es Arbeit effizienter zu gestalten.

Und wo steht Deutschland?

Mit einem Index von 8,3 steht Deutschland auf dem 8. Platz des Rankings, was eine gute Position darstellt. Obwohl das häufigste Arbeitsmodell hier wohl die 40 Stunden Woche ist, sind es immer noch 4,6 Prozent der Beschäftigten, die länger als 50 Stunden arbeiten müssen. Dafür ist unsere Freizeit mit 15,6 Stunden aber fast vergleichbar mit der in den Niederlanden. Für die Arbeitnehmer in Deutschland wird es immer wichtiger, Freizeit und Beruf vereinen zu können, worauf Arbeitgeber und Politik inzwischen reagiert haben.

Infografik: Erschöpfung erschwert Vereinbarkeit von Familie und Beruf | Statista

Zum Beispiel werden stetig neue Arbeitsmodelle, wie die 25 Wochen Stunde, getestet. Die Politik ist vor allem darin bemüht, Arbeit und Familie zu vereinen. Mütter und Väter sollen gleich beteiligt an Einkommen und Kindererziehung sein. Daher wird mit verschiedenen Teilzeitmodellen experimentiert, die beide Partner ansprechen sollen. Bevor diese aber einwandfrei funktionieren können, muss für eine gute und bezahlbare Kinderbetreuung gesorgt werden, was angesichts des derzeitigen Platzmangels in den Kitas noch ein langer Weg ist.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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