Studie: Aktueller Überblick der Digitalisierung der Arbeitswelt

Digital Workplace: Ist Homeoffice selbstverständlich? Welche Geräte erhalten Berufstätige von ihrem Arbeitgeber und wie wird sich neues digitales Wissen angeeignet?

© Kevin Bhagat - Unsplash

Welche Geräte, Systeme und Medien stellen Arbeitgeber ihren Angestellten zur Verfügung und wann erlauben deutsche Arbeitgeber mobiles Arbeiten? Wie steht es um die aktuelle Lage der digitalen Arbeitswelt in Deutschland? Auf diese Fragen wird in dem „D21 Digital Index 2018/2019“ eine Antwort gegeben. Die Studie liefert seit 2013 jährlich ein Lagebild der Digitalen Gesellschaft in Deutschland und wird unter anderem durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.Das Ziel des jährlichen Digitalen Index wird wie folgt formuliert: „Sie ermöglicht ein besseres Verständnis der Digitalen Gesellschaft und dient als Grundlage, um aktuelle und zukünftige Entwicklungen abzuschätzen, Fortschritte in der Gesellschaft zu identifizieren und entsprechendes Handeln abzuleiten“.

Die Studie unterteilt sich in vier verschiedene Einheiten. Zunächst wird der Digitalisierungsgrad der deutschen Gesellschaft ermittelt. Wer hat Zugang, wie sieht das Nutzungsverhalten aus, wie offen und kompetent sind die Bürger? Zweitens werden die Gruppen und Nutzertypen analysiert und an dritter Stelle wird unter der Überschrift „Vernetze Lebenswelten“ die Verwendung von Smart Home-Gadgets und E-Health-Anwendungen genauer betrachtet. Zu guter letzt wird ein Blick auf die für diesen Artikel interessante Arbeitswelt geworfen. Mit der Frage welche Rolle Digitalisierung in diesem Bereich spiele, soll die Nutzung von Telearbeit, Homeoffice und mobilem Arbeiten herausgestellt werden.

Um Ergebnisse zu erhalten, wurde die deutsche Bevölkerung ab 14 Jahren in Privathaushalten mittels computergestützten persönlich-mündlichen Interviews (CAPI) stichprobenartig befragt. Die Erhebung der Daten erfolgte innerhalb einer sogenannten Strukturbefragung von August 2017 bis August 2018 mit 20.406 Interviews und in einer Vertiefungsbefragung im Juli letzten Jahres mit 2.052 Befragten.

Ein Überblick: Die Rolle der Digitalisierung in der Arbeitswelt

Trotz des schnellen Voranschreitens der Digitalisierung hat das mobile Arbeiten im Vergleich zum Vorjahr nicht an Zuwachs gewonnen. So arbeitet nach wie vor ungefähr ein Sechstel aller Berufstätigen hierzulande von unterwegs oder zuhause aus. Allerdings geben auch über die Hälfte an, dass dies berufsbedingt gar keine Option darstelle. Interessant zu beobachten ist, dass über ein Viertel aller Angestellten gar kein Interesse an Möglichkeiten wie Homeoffice haben. Dieses Desinteresse ist im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent gestiegen.

Besonders bei Bürotätigkeiten nutzen Angestellte digitale Optionen, um die Arbeit zu bewältigen.

Männer bekommen mehr Medien und Geräte zur Verfügung gestellt

Die Studienteilnehmenden wurden auch danach befragt, welche Systeme, Medien und Geräte sie von ihrem Arbeitgeber unentgeltlich zur Verfügung gestellt bekommen. Deutlich wird, dass knapp der Hälfte ein Laptop oder ein Notebook zusteht und durchschnittlich ein Viertel aller deutschen Berufstätigen auch ein Smartphone im Rahmen ihres Jobs erhalten, dabei ist die Tendenz steigend. Aber eben nur durchschnittlich, denn bei genauerem Hinsehen zeigt die folgende Grafik in Bezug auf die Geschlechter drastische Unterschiede. Während über die Hälfte aller Männer einen Laptop zur Verfügung gestellt bekommen, sind es bei den Frauen nur ein Drittel. Beim Smartphone sieht es ähnlich aus: Ein Drittel aller Männer zählen das Smartphone zu ihrem Arbeitsgerät, während nicht einmal ein Fünftel aller Frauen dem folgen kann.

Die VPN-Zugänge halbieren sich im Vergleich zum Vorjahr, allerdings könnte dieser Rückgang auf die Arbeit mit Clouds oder anderen Online-Austauschplattformen liegen, die Fernzugänge überflüssig machen. Zum Schluss lässt sich noch festhalten, dass 35 Prozent aller deutschen Berufstätigen ohne digitale Systeme, Geräte und Medien auskommen.

Laptop und Notebooks sind die gängigsten zur unentgeltlichen Verfügung gestellten Geräte.

Doch nach welchen Kriterien werden Angestellte mit mobilen Geräten ausgestattet?

Diese Frage stellt sich unweigerlich nach dem Begutachten der zuvor angebrachten Grafik. Weshalb werden Männer von ihren Arbeitgebern digital deutlich besser ausgestattet als Frauen? Auch dieser Frage ist der Digital Index nachgegangen. Vor allem die Art der Tätigkeit, die Position des Angestellten und auch der Beschäftigungsgrad entscheiden darüber, wer welche Medien zur Verfügung gestellt bekommt. Über ein Drittel geben allerdings auch an, dass sie in ihrem Unternehmen kein erkennbares System ausmachen können. Dr. Ole Wintermann, Senior Project Manager der Bertelsmann Stiftung, hebt die Chancen des digitalen Arbeitens folgendermaßen hervor:

Pendlerwahnsinn, Feinstaubdebatten, die digital bedingte Verdichtung der Arbeit, mangelnde Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben; all diese Themen könnten ganz einfach dadurch angegangen werden, indem man den Menschen die Möglichkeit bietet, den Arbeitsort und die Arbeitszeit – soweit die Tätigkeit dies zulässt – frei und selbstbestimmt zu wählen. Bei etwas mehr als der Hälfte der befragten Berufs- tätigen ist (zumindest theoretisch) mobiles Arbeiten möglich. Nur jeder sechste Beschäftigte nutzt dies aber auch. Hier stehen die Arbeitgeber in der Pflicht.

Vor allem jobbezogene Gründe entscheiden darüber, ob Arbeiternehmer mit digitalen Mitteln ausgestattet werden.

Digitalisierung erfordert neue Wissensaneignung – aber wie?

Digitalisierung bedeutet auch Veränderung. Knapp die Hälfte aller Berufstätigen geht deshalb auch davon aus, dass dieser Faktor sich zukünftig spürbar auf den eigenen Beruf auswirken wird. Deshalb sind sich 84 Prozent sicher: Beruflicher Erfolg setzt lebenslanges Lernen voraus. Um aber schon ein Basiswissen zu erlangen, verlangen 68 Prozent, dass die Digitalisierung im Studium oder in der beruflichen Ausbildung stärker eingesetzt und vermittelt werden sollte.

Doch wie lernen die deutschen Arbeitnehmer, wenn sie sich neues digitales Wissen aneignen wollen? Es zeigt sich, dass Personen vor allem autodidaktisch Neues erlernen. Angestellte, die im Büro arbeiten, erhalten zu 46 Prozent Schulungen und Weiterbildungen, die von ihrem Arbeitgeber bezahlt werden.

Ausprobieren, Freunde und Bekannte fragen, sich an die Familie wenden oder das Internet zur Hilfe ziehen – so eignen sich deutsche Arbeitnehmer neues digitales Wissen an.

Die Arbeitswelt – nicht so digital wie angenommen?

Wir schreiben das Jahr 2019, das Wort Digitalisierung ist in aller Munde, Smartphones sind unser täglicher Begleiter und auch auf der Arbeit kommen wir ohne Technik und digitale Neuerungen nicht mehr aus. Aber stimmt diese Annahme wirklich? Nach den Zahlen dieser Studie nicht unbedingt. Denn schließlich nutzen nur 16 Prozent aller deutschen Arbeitnehmer, die Möglichkeit mobil oder im Homeoffice zu arbeiten. Dabei haben über ein Drittel gar kein Interesse an solchen Optionen. Außerdem bekommen lediglich 44 Prozent der Berufstätigen unentgeltlich einen Laptop bei der Arbeit zur Verfügung gestellt. Steckt die digitale Arbeitswelt noch in den Kinderschuhen?

Die Technik wird künftig weitere Fortschritte mit sich bringen und auch vor der Arbeitswelt keinen Halt machen. Die Studie zeigt aber, dass Angestellte sich dessen bewusst sind und verlangen, dass Digitalisierung auch Einzug in Berufsausbildung und Studium erhält. Oliver Schorer, Mitglied des Vorstands und Chief Information Officer der CHG-MERIDIAN AG hält abschließend fest:

Der Digital Workplace bleibt für Unternehmen weiterhin eine Herausforderung: Immer mehr Berufstätige in Deutschland wollen zeitlich und räumlich flexibel arbeiten – und das mit digitalen Technologien, die im privaten Umfeld längst angekommen sind. Arbeitgeber müssen deshalb deutlich attraktivere Rahmenbedingungen schaffen und den Digital Workplace ent- lang der User Journey denken.

Über Maja Hansen

Maja Hansen

Seit 2017 unterstützt Maja die Redaktion von OnlineMarketing.de. Dabei widmet sie sich primär dem Karrieremagazin mit den Themenfeldern rund um Jobs und Karriere, schreibt aber auch über digitales Marketinggeschehen.

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