Streitthema: Smartphone-Nutzung während der Arbeitszeit

Du nutzt dein Handy regelmäßig am Arbeitsplatz? Vorsicht: Konzentration und Produktivität können darunter leider. Im schlimmsten Fall droht dir eine fristlose Kündigung.

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Schnell noch den Facebook-Feed aufrufen, eine WhatsApp-Nachricht an die beste Freundin schicken und einer Ebay-Versteigerung folgen? Digitale Verlockungen während der Arbeitszeit gibt es viele. Oft duldet der Arbeitgeber die private Smartphone-Nutzung, obwohl sie sich negativ auf die Arbeitsleistung auswirken kann.

Studie: Smartphone-Nutzung zeigt negative Auswirkungen

Konzentriertes und produktives Arbeiten sind häufig nicht in der Form möglich, wie bei Mitarbeitern ohne Smartphone-Konsum. Hinzu kommt ein weiterer negativer Punkt: Menschen, die ihr Mobilgerät auch in der Freizeit häufig nutzten, waren im Job schneller ablenkbar. Beides bestätigt eine Studie der Universität Ulm um den Psychologieprofessor Christian Montag. Zeigten sich die Studienteilnehmer zudem von einer Smartphone-Abhängigkeit gefährdet, waren negative Auswirkungen auf die gesamte Tagesleistung nachzuweisen. Für die Untersuchung, die in der Fachzeitschrift „Addictive Behaviors Reports“ erschienen ist, haben die Autoren die Mobiltelefon-Nutzung von 262 Studienteilnehmern erhoben. Warum greifen Arbeitnehmer so häufig zum Smartphone? Die Studie legt nahe, dass sie dies nicht nur tun, wenn sie sich unwohl fühlen oder sich außerstande sehen, effizient zu arbeiten, sondern sie versuchen möglicherweise auch Stress und Überforderung zu kompensieren. Gründe können dabei die Unterstützung durch Freunde via WhatsApp sein oder die Ablenkung durch digitale Spiele. Allerdings seien laut Christian Montag noch weitere Forschungen in dieser Richtung nötig.

Schnelles Antworten wird vorausgesetzt

Ein weiterer Grund kann in der schnelllebigen Zeit gesucht werden. Bei manchen Kollegen rattert, blinkt und klingelt es minütlich. Und wenn man das Handy schon in der Hand hält, kann man gleich noch die neuesten Nachrichten beantworten. Schnelles Reagieren wird oft vorausgesetzt. 57 Prozent der Nutzer erwarten von ihren Freunden und ihrer Familie auf Nachrichten eine sofortige Reaktion oder zumindest eine Antwort innerhalb weniger Minuten, das geht aus einer Studie von B2X , die in Kooperation mit Prof. Dr. Anton Meyer vom Institut für Marketing und Prof. Dr. Thomas Hess vom Institut für Neue Medien an der Ludwig-Maximilians-Universität München entstand, hervor.

Mit dem Smartphone die Produktivität steigern

Nicht jede Form der Smartphone-Nutzung reduziert die Produktivität. Wird das Gerät sinnvoll im Berufsalltag genutzt, kann es die Leistungsfähigkeit sogar steigern. So kann sich die ständige und schnelle Verfügbarkeit von Informationen positiv auf die Schaffenskraft auswirken. Zudem helfen ausgewählte Apps beim Zeitsparen. Eine authentische Abbildung der aktuellen Verkehrslage gelingt zum Beispiel mit Navi-Apps. Mitarbeiter gelangen schnell und möglichst staufrei mit dem Firmenwagen zum Kunden. Ihre Strecke können sie danach mit Fahrtenbuch-Apps digital dokumentieren.

Komplettes Handyverbot ist meist ausgeschlossen

Die betrieblichen Regelungen zur Handynutzung können oft unterschiedlich geregelt sein. Hier empfiehlt sich ein Blick in den Arbeitsvertrag oder in die Firmenrichtlinie. Hat sich dein Arbeitgeber zu einem privaten Gebrauch nicht geäußert und keine Weisungen erteilt, ist die Handynutzung generell erst einmal erlaubt. Wichtig ist dennoch, dass du eine Sensibilität für die Verwendung während des Jobs entwickelst. Denn bei intensiver Nutzung, die die Arbeitsleistung beeinträchtigen kann, riskierst du Abmahnungen oder in Extremfällen sogar eine Kündigung. Aufpassen musst du auch bei Diensthandys. Sie dürfen privat genutzt werden, wenn dein Arbeitgeber das erlaubt oder duldet. Eine intensive private Nutzung ist auch damit am Arbeitsplatz nicht gestattet.

Wichtig: Arbeitgeber dürfen dir das Smartphone innerhalb der Firma nicht komplett verbieten. Du hast als Beschäftigter ein berechtigtes Interesse daran, das Gerät in der Pause zu nutzen. Ausnahmen gibt es jedoch, wenn das Mobiltelefon Produktionsabläufe stört oder auf Geräte trifft, die auf Handystrahlung empfindlich reagieren. Es kann auch sein, dass dein Chef weniger tolerant ist und die Smartphone-Nutzung während der Arbeitszeit auf ein Höchstmaß limitiert. Rechtlich gesehen hat er nämlich ein berechtigtes Interesse daran, dass die Arbeitsleistung nicht beeinträchtigt wird. Nutzt du das Handy ausschließlich in der Pause, bist du fast immer auf der richtigen Seite.

So haben Abmahnungen keine Chance

Laut Untersuchungen entsperrt der durchschnittliche Nutzer sein Gerät pro Tag bis zu 80 Mal – im Höchstfall bedeutet das alle zwölf Minuten. Doch wie entkommst du dem Smartphone-Zwang und machst dich nicht unbeliebt bei deinem Chef? Die einfachste Lösung ist, das Gerät vom Bürotisch zu verbannen. Wenn du nicht die Finger davon lassen kannst und es dich immer wieder von der Arbeit abhältst, verstaue es an einem schwer zugänglichen Ort – zum Beispiel auf einem Aktenschrank. Experten sagen, dass man den Automatismen nicht hilflos ausgeliefert ist. „Digital Detox“ lautet das Zauberwort. Weniger mit dem Smartphone daddeln, dafür mehr Zeit in der Realität und mit echten Freunden verbringen. Die digitale Entgiftung ist langfristig nur möglich, wenn du deine Gewohnheiten änderst und Funktionen auslagerst. Wieder eine klassische Armbanduhr tragen, einen herkömmlichen Wecker stellen, eine Adresse auf der guten alten Landkarte suchen. Möglichkeiten gibt es viele. Du wirst sehen, dass sich die private Umstellung auch auf dein berufliches Leben auswirken wird. Sollten dir die genannten Tipps nicht helfen, dann installiere eine App wie „Stay Focused“. Damit kannst du soziale Medien, E-Mails und Games während eines eingestellten Zeitraums sperren und weiter konzentriert arbeiten. Abmahnungen aufgrund von exzessivem Smartphone-Konsum rücken somit in weite Ferne.

Über Viola Klingspohn

Viola Klingspohn ist ausgebildete Redakteurin (Volontariat) und Diplom-Designerin (FH). Sie hat in Zeitungsredaktionen gearbeitet und ein Familienmagazin redaktionell betreut. Seit 2011 ist sie freiberuflich tätig in den Bereichen Grafikdesign und Textkommunikation.

Viola Klingspohn

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