Schweigen ist Gold: Wieso du deine großen Ziele besser nicht ausplaudern solltest

Wer wichtige Pläne für Karriere oder Leben hat, wird oft gelobt. Doch genau dieses Lob kann deiner Produktivität schaden – und das Erreichen deiner Ziele verhindern.

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Es ist wichtig, eine klare Zielsetzung zu haben, egal ob im Arbeits- oder Privatleben. Doch wie steht es mit den ganz großen Zielen? Sollten wir diese mit anderen teilen? Drücken wir dadurch tatsächlich Selbstbewusstsein aus, oder wirken wir vielleicht arrogant? Gründer Aytekin Tank hat eine klare Meinung dazu: Wir sollten unsere Ziele für uns behalten. Teilen wir sie, werden wir sie vermutlich nie erreichen. Wie er auf diese These kommt und ob sie wirklich zutreffend ist, soll im Folgenden untersucht werden.

Wer früh gelobt wird, leistet weniger

Stell dir folgende Situation vor: Wie immer am Anfang des neuen Jahres nimmst du dir vor, regelmäßig Sport zu treiben. Wie immer, erzählst du Freunden davon und sie loben dich für deine Motivation. Und wie immer, warst du nach Abschluss eines Vertrags im Fitnessstudio nur zweimal dort. Kommt dir das bekannt vor? Gut, denn dann wirst du verstehen, wieso es kontraproduktiv ist, deine Ziele zu früh mit Anderen zu teilen. In einer Studie untersuchte der Sozial- und Motivationspsychologe Peter Gollwitzer, ob Wissenschaftler ihre Forschung wirklich vorantreiben, nachdem sie Kollegen von ihren Zielen erzählt haben. Das Ergebnis? Ernüchternd. Ein Großteil der wissenschaftlichen Abhandlungen kam nie zustande. Doch wieso? Auch Derek Sivers beschäftigte sich mit diesem Problem und sprach darüber in einem TED Talk:

Tank fasst die Erkenntnisse von Gollwitz und Sivers zusammen. So erklärt er, dass das Problem im Lob der anderen steckt. Gerade unsere beruflichen Ziele sind auf einem persönlichen Level eng mit uns verbunden. Erhalten wir schon vor Beginn der Arbeit viel Lob dafür, wird unser Bewusstsein ausgetrickst. In uns macht sich ein Gefühl breit, das uns suggeriert, dass wir bereits einen großen Erfolg gelandet haben. Dadurch vernachlässigen wir jedoch das eigentliche Ziel und verlieren die Motivation, es zu erreichen. Wieso auch? Schließlich fühlt es sich bereits so an, als wenn wir es geschafft hätten. Doch genau diese Irreführung ist es, die die Umsetzung großartiger Ideen und Projekte verhindert.

Trotzdem ist es wichtig, dir hohe Ziele zu setzen

Natürlich gibt es Menschen, die trotz frühzeitigem Lob ihre Projekte zu Ende bringen, weil das Loben eine besondere Motivation für sie darstellt. Außerdem kann es auch ein nötiger Druck sein: Man hat hohe Töne gespuckt, also muss jetzt auch abgeliefert werden. Nichtsdestotrotz werden die Meisten von uns Situationen kennen, in denen sie ein Ziel ausgeplaudert und es danach nicht mehr vollendet haben. Deshalb möchten wir zwei Wege aufzeigen, die dir bei der Umsetzung deiner Pläne helfen:

Definiere Ängste anstelle von Zielen

Eine häufige Blockade für uns ist, dass wir uns von Ängsten und Risiken ausbremsen lassen. Um dies zu vermeiden, gibt es eine Methode namens fear-setting (Anlehnung an das Wort goal-setting), eingeführt von Entrepreneur Tim Ferriss. Das bedeutet, dass du dir zunächst eine Liste anfertigen solltest mit allen Ängsten, die in direkter Verbindung mit deinem Ziel stehen, wie beispielsweise die Furcht dich zu blamieren oder vor dem finanziellen Ruin. Hast du deine Angstliste, kannst du mit ihr arbeiten. Gehe Angst für Angst durch und überlege, was du tun kannst, um das Eintreten der Risiken zu verhindern. Wenn du eine Lösung für alles gefunden hast, wird die Last von deinen Schultern fallen und dein Fortschritt wird nicht mehr durch Ängste blockiert. Eine detaillierte Erklärung findest du in Ferriss‘ TED Talk:

Stelle dich der Konkurrenz

Konkurrenzverhalten kann förderlich für die Erreichung deiner Ziele sein, solange es keine ungesunden Maße annimmt. Es gibt zwei Wege, für einen friedlichen Konkurrenzkampf. Nummer 1: Du redest über dein Ziel mit einem Kollegen, der ähnliche Pläne hat. Wichtig dabei ist es, dass ihr eure potentielle Konkurrenz zum gegenseitigen Antrieb nutzt. Die Gefahr bei dieser Variante ist jedoch, dass aus Frieden schnell Krieg werden kann. Und leider gibt es immer wieder Menschen, die dabei auch zu unlauteren Mitteln greifen. Deshalb hier die sicherere zweite Variante: Stelle dich einem imaginären Konkurrenzkampf. Du musst nicht zwingend mit jemandem über deine Ziele reden. Oft ist es schon Anreiz genug, dir bewusst zu machen, dass jemand anderes Konkurrenz für dich sein könnte. Tank erklärt es wie folgt:

You don’t have to share your goals with even friendly competitors. There’s no need to tell the people in your mastermind group, spin class or softball league that you’re writing a book. Simply by placing yourself in a competitive environment, you’re more likely to push harder and show up regularly, which are two factors that can contribute to real (versus social reality) success.

Verfolge deine Ziele – egal was Andere sagen

Hast du dir also ein bestimmtes Ziel gesetzt, solltest du dich auch bemühen, dieses zu erreichen. Redest du über deine Pläne und Zielsetzungen, kann es durchaus geschehen, dass du durch frühzeitiges Lob die Motivation verlierst. Doch gleichzeitig kann es auch passieren, dass du für deine Vorstellungen belächelt wirst. Es wird immer Leute geben, die dir erzählen, du könntest etwas nicht erreichen. Lass dich davon nicht beeinflussen – Gerade dann solltest du diesen Personen zeigen, dass du es schaffst. Und allein dieser Gedanke sollte Motivation genug sein, auch wirklich für dein Ziel zu kämpfen.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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