Das grobe Missverständnis zur Unerreichbarkeit von Millennials und der Generation Z

Bis dato haben diverse Marken Probleme damit, Millennials anzusprechen – doch basiert dies nicht auf Unerreichbarkeit, sondern einem Missverständnis der Generation.

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Kürzlich machte IBM Schlagzeilen, als das IT- und Beratungsunternehmen etwa 100.000 ältere Angestellte entließ, um diese durch Millennials zu ersetzen. Die Grundidee sei, dass der frische Geist der jüngeren Generation dem Unternehmen nicht nur aus seiner momentanen Krise helfen, sondern auch dadurch für jüngere Generationen attraktiver werden kann. Die Maßnahmen, welche IBM hierbei vollzog, standen stark in der Kritik, denn nicht nur haben dadurch vielerlei seit Jahren angestellte Mitarbeiter ihren Job verloren, auch die Idee zur Ansprache jüngerer Generationen ist fragwürdig. Zwar mögen jüngere Mitarbeiter das Unternehmen für Millennials zu einem gewissen Grad ansprechender machen, doch ändern sie eines nicht: das Image – und hierin liegt nur eines der vielen Probleme und Missverständnisse, welche Unternehmen, die sich bei der Verjüngung schwer tun, immer wieder an den Tag legen.

Die einfachen Schritte: Was spricht Millennials an?

Mittlerweile gibt es grundsätzlich genug gelistete Aspekte, welche Millennials und die nachfolgenden Generationen anzusprechen scheinen und auch in der Arbeit ihren Platz finden sollten. So sind die jüngeren Generationen oftmals sehr idealistisch veranlagt und streben einen Beruf mit Mehrwert an, der die Möglichkeit bietet, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, Leute zum Denken anzuregen, sich für Dinge von persönlicher, aber oftmals auch politischer Wichtigkeit einzusetzen und dergleichen. Generell gilt mittlerweile oftmals der Maßstab: Ein Job, der mich glücklich macht, ist mir wichtiger als ein Job, bei dem ich sehr viel Geld verdiene. Dementsprechend viel Wert wird auch auf die Work-Life-Balance gelegt, welche mittlerweile schon nahezu allgegenwärtig scheint.

Die Auswahl an Aspekten, welche jüngere Generationen in ihrem Unternehmen sehen möchten, ist groß: Toleranz, Umweltbewusstsein, Inklusion, Humanität, Gleichberechtigung und Ähnliches. Die Liste scheint lang, wenn man jedoch jüngere Gruppen ansprechen möchte, ob als potentieller Arbeitgeber oder schlichtweg als Marke, ist dies nahezu unausweichlich. Das Wunderbare dabei ist jedoch Folgendes: es ist nicht schwer umzusetzen. Es scheint, dass Unternehmen teils Probleme damit haben, diesem Anspruch gerecht zu werden und daran mitunter auch gar kein Interesse haben. Die Idee der Millennials dahinter ist jedoch leicht nachvollziehbar und auch logisch schlüssig: Wenn Arbeitgeber Ansprüche an ihre Arbeitnehmer haben, darf man als Arbeitnehmer das Recht auf Ansprüche genauso erwidern. Denn, wie gesagt, Geld mag wichtig sein, doch ist dies ausschließlich oftmals kein ausreichendes Argument für jüngere Generationen. Wer sich der Idee vom Anspruch verweigert, blockiert damit lediglich seinen eigenen Zugang zu den jüngeren Generationen und dementsprechend neuen Möglichkeiten. Viele Unternehmen arbeiten bereits das eigene Image auf, indem sie sich umweltbewusster geben und beispielsweise für LGBTQ+ engagieren, was seitens der Millennials auf weitestgehend positive Resonanz trifft.

Die schwierigen Schritte: Wie spricht man mit Millennials?

In der Theorie sind Gespräche eigentlich überaus einfach: Wir sind allesamt Menschen, wir können miteinander kommunizieren. Wie komplex Kommunikation am Ende jedoch verlaufen kann, merkt man spätestens, wenn man zu zweit an einem Tisch sitzt, zwanghaft versucht ein Gesprächsthema zu finden und sich letzten Endes nur unangenehm anschweigt. Zwischen den jüngeren und älteren Generationen scheint sich hier eine ganz besondere kommunikative Distanz aufgebaut zu haben, denn beide haben offenbar ein vollkommen eigenes Verständnis von Sprache, wobei vor allem das der Millennials sehr ungreifbar scheint, sofern man diesen nicht selbst angehört. Das hierfür wohl beste Beispiel sind meines Erachtens nach Memes. Inwiefern Memes ein gesamter Diskurs für sich sind und eine perfekte Methode, um jüngere Generationen anzusprechen, haben wir bereits in einem Artikel thematisiert. Was augenscheinlich wie ein humoristisches Bildformat scheinen mag, ist viel eher der wohl größte Inside Joke, welchen das Internet zu bieten hat, da sich oftmals älteren Generationen der Kontext entzieht. Als Beispiel:

Seit seinem Auftritt auf der E3 erfreut sich Schauspieler Keanu Reeves großer Beliebtheit.

Wenn ich dieses Bild sehe, denke ich an die Übertragung der E3 zurück, bei welcher Keanu Reeves das angekündigte Spiel Cyberpunk 2077 bewerben sollte, als plötzlich einer der Zuschauer „You’re breathtaking!“ aus der Menge schrie, woraufhin der Schauspieler kurz schmunzeln musste und selbiges erwiderte. Kontext, der beispielsweise meinen Eltern fehlen würde. Diese würden natürlich schlussfolgern können, dass Keanu Reeves sich wohl großer Popularität im Internet erfreut, wissen jedoch nicht warum, weshalb sich ihnen wohl eher die Frage stellt, seit wann der Typ aus Matrix denn so lange Haare hat. Obwohl wir also allesamt dasselbe Bild sehen, erschließt sich uns ein ganz anderes Verständnis, das sich den jeweiligen Generationen oftmals different darstellt.

Memes sind hierfür ein Paradebeispiel, doch lässt sich dieses auch im allgemeinen Sprachgebrauch finden. So legen viele Millennials, wenn auch nicht alle, Wert auf gendergerechte Sprache und einen nicht-diskriminierenden Gebrauch dieser; dass man dabei empathisch und sensibel bleibt, ist keine Frage. Das ist ein Standpunkt, den wohl auch viele Leute älterer Generationen teilen würden, doch sind hierbei die Maßstäbe gänzlich unterschiedlich ist. Was für jemanden womöglich ein harmloser Witz sein mag, der sich beispielsweise des Frau in der Küche-Klischees bedient, ist für viele Millennials bereits enorm sexistisch, da wir als Gesellschaft weiter sind als in diesem Klischee dargestellt. Ältere Generationen werten das oftmals als sensibel, jüngere hingegen werten derartige Witze als unsensibel. Es ist schwer hierbei auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen – jedoch sind solche Feinheiten nicht zu missachten für effektive Kommunikation mit den jüngeren Generationen.

Effektives Umsetzen

Das mag alles oftmals ein bisschen ungreifbar sein, doch ist es in der Praxis gar nicht mal so schwierig, Millennials anzusprechen und zu erreichen. Ein hierfür sehr gut geeignetes Beispiel ist der Twitter Account von SparkNotes. Ein Studienratgeber, der diverse Zusammenfassungen für Literatur, Philosophie, Film und Derartiges bereithält. Auf Twitter nutzt die Internetseite oftmals ebenfalls das Meme-Format für sich, um jüngere Generationen anzusprechen. Diese setzt es dabei in Verbindung mit klassischer Literatur und die dabei entstehenden Resultate erfreuen sich häufig großer Beliebtheit.

Damit Unternehmen Millennials effektiver ansprechen können, ist es ebenso sinnvoll Arbeitnehmer, welche Teil dieser Generation sind, im Marketing aktiv zu implementieren, denn niemand weiß besser die eigene Generation anzusprechen, als Mitglieder dieser. Dementsprechend häufig werden auch Social Media Accounts von jüngeren Arbeitnehmern geleitet. Nicht nur, weil diese mit derartigem technischen Fortschritt aufgewachsen sind und somit intuitiv damit umzugehen wissen, sondern auch, weil sie ein besseres Verständnis dafür haben, was die jüngeren Generationen begeistert. Letzten Endes sind mehr als genug Möglichkeiten gegeben und immer mehr Unternehmen machen es vor, sofern gut verpackt – und es ist keineswegs schwierig. Eine Werbekampagne, in dem kein heterosexuelles, sondern LGBTQ+-Pärchen vorkommt, eine, welche sich für die gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen bemüht, eine, die Umweltschutz bewirbt, etc. – die Möglichkeiten, um das eigene Image zu modernisieren, sind endlos lang und so einfach ist es letztendlich manchmal, Millennials anzusprechen – denn hier ist eine Generation, die sich für vielerlei einsetzt, begeistert und interessiert, wenn auch diese mit einer nihilistischen Ader versehen sein mag. Darin liegt ebenfalls ein Missverständnis. Millennials sind keineswegs unerreichbar. Zu viele Unternehmen wissen lediglich nicht, wie man sie erreichen kann.

Über Toni Gau

Toni Gau

Toni Gau ist freischaffender Blogger, wobei sein Augenmerk auf Popkultur, Literatur und Storytelling liegt, mit eigens geschriebenen Geschichten zwischendrin. Nach dazugehörigem Studium setzt er hier nun seine Arbeit fort und schreibt seit März 2019 für OnlineMarketing.de

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