Körpersprache: Stille Kommunikation als mächtiges Instrument im Job

Die Körpersprache wird im Bereich Job und Karriere häufig unterschätzt – und spielt doch so eine wichtige Rolle. Wie du sie richtig einsetzt.

© Adi Goldstein - Unsplash

Um heute in der Karriere voranzukommen, ist eine Fremdsprache Pflicht – zwei sind besser, drei und mehr das Optimum. Englisch, Französisch, Russisch, Japanisch… die Liste der in Stellenausschreibungen gewünschten Sprachen ist schier endlos. Doch wie steht es eigentlich mit der stillen Sprache? Die, welche länderübergreifend nur so geringen Schwankungen unterlegen ist, dass sie von jedem verstanden wird, oft ganz unbewusst und unabhängig von Alter und Bildungsgrad?

Die Körpersprache findet kaum Erwähnung und ist doch eines der wichtigsten Mittel unserer Kommunikation, weiß auch die amerikanische Sozialpsychologin Amy Cuddy, die zu diesem Thema regelmäßig Vorträge vor einem breiten Publikum hält. Welchen Einfluss hat aber die Körpersprache auf uns und unsere Karriere?

Körpersprache im Vorstellungsgespräch

Der erste Eindruck zählt – und besteht nicht aus der verbalen Begrüßung, sondern aus dem Eintreten in einen Raum. Mancher Personalchef wird die Körpersprache seines Gegenübers bewusst lesen, vielen wird sie ihre Botschaft jedoch eher unterbewusst vermitteln, in Sekundenbruchteilen und erstaunlich nachhaltig.

Ist der Händedruck nur lasch? Das kann schnell als Zeichen mangelnden Respekts gedeutet werden, in Kombination mit leicht hochgezogenen Schultern lässt es jedoch eher Unsicherheit vermuten. Wer hingegen zu fest zudrückt, der übermittelt Dominanz und verstärkt diesen Eindruck noch, wenn er sich während des Gesprächs allzu sehr über den Tisch lehnt, seinem Gesprächspartner entgegen. Schnell entsteht so eine Diskrepanz zwischen Jobinteressenten und Personalchef, die sich dann nicht selten auch in der verbalen Kommunikation widerspiegelt. Die Fragen werden kritischer, die richtige Antwort zu finden schwierig und im schlimmsten Fall begibt man sich nun von einem Fettnäpfchen ins nächste.

Beobachtest du deine eigene Körpersprache, so sollte es dein Ziel sein, mit deinem Gesprächspartner im wahrsten Sinne des Wortes auf einer Wellenlänge zu sein. Beobachtungen zeigen, dass uns unser Gegenüber dann besonders sympathisch ist, wenn es eine ähnliche Körpersprache wie wir selbst zeigt, zum Beispiel: ein Bein auf den Schenkel legen, wenn wir dies tun, den Körper seitwärts richten, wenn wir ebenfalls eine solche Position eingenommen haben. Doch Vorsicht! Wer sich zu sehr auf das Spiegeln konzentriert, riskiert Irritation hervorzurufen.

Mit Körpersprache uns selbst beeinflussen

Amy Cuddy während ihres Vortrags bei TED, © TED

Amy Cuddy während ihres Vortrags bei TED, © TED

Hast du schon einmal versucht, dich mit einem prägnanten Satz wie: „Du schaffst das!“ selbst zu motivieren? Was die verbale Kommunikation vermag, gilt für die Körpersprache gleichermaßen. Ebenso, wie wir unser Denken beeinflussen können, wenn wir uns nur bewusst mit ihm auseinandersetzen, kann uns die Körpersprache dabei helfen, uns im positiven Sinne selbst zu belügen.

Fehlt uns zum Beispiel das Selbstbewusstsein und fühlen wir uns klein, so kann es nach Experimenten von Amy Cuddy und ihren Kollegen helfen, sich ein gesteigertes Selbstwertgefühl durch die Einnahme einer selbstbewussten Pose für etwa zwei Minuten anzueignen. Stemmten sie beispielsweise die Hände in die Hüften und stellten sich breitbeinig hin, traten fast alle Probanden danach tatsächlich selbstbewusster auf und die Wissenschaftler konnten entsprechende Veränderungen in den Hormonwerten vorweisen. Und was als kleine Lüge gegenüber dem eigenen Körper begann, wurde schließlich zu einer verinnerlichten Überzeugung, die auch das Vorankommen im Job positiv beeinflusst.

Falls dein Interesse geweckt wurde – der Vortrag von Amy Cuddy ist auf jeden Fall einen Blick wert: Amy Cuddy: Your body language shapes who you are.

Über Linda Ewaldt

Linda Ewaldt

Linda Ewaldt hat in Hamburg Germanistik und Psychologie studiert und danach Redaktionsluft in kleinen Startups und großen Unternehmen geschnuppert. Seither ist sie freiberuflich tätig und ihre Spezialgebiete sind Karriere und Gesundheit. Am liebsten schreibt sie für OnlineMarketing.de Artikel, die beides miteinander verbinden.

Ein Gedanke zu „Körpersprache: Stille Kommunikation als mächtiges Instrument im Job

  1. Alexandra Köhler

    Hallo Frau Ewaldt,
    ich bin ein großer Fan von Amy Cuddy, hatten Sie schon die Möglichkeit, Amy persönlich kennenzulernen oder an einem ihrer Vorträge anwesend zu sein? Ich habe vor kurzer Zeit einen interessanten Artikel http://www.bigkarriere.de/ratgeber/bewerbung-vorstellungsgesprach/korpersprache-im-vorstellungsgesprach gefunden, der auch viele Parallelen zu Amys Vorträgen aufweist. Ich bin fest davon überzeugt, dass z.B. auch in Vorstellungsgesprächen der Auftritt und die Körperhaltung ein großer Entscheidungsfaktor sind!

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