So klappt es mit dem neuen Job – auch ohne alle Anforderungen zu erfüllen

Ist eine Stellenanzeige überladen mit Ansprüchen, schrecken viele Bewerber zurück. Doch diese sind meist nur Wunschdenken des Arbeitgebers. Worauf es wirklich ankommt, sind deine Kernkompetenzen.

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Viele kennen es: Man sieht den perfekten Job, schaut in die Beschreibung und gibt sofort auf, weil man bestimmte Anforderungen nicht erfüllt. Gerade Berufseinsteiger stehen oft vor dem Problem, dass Arbeitgeber Absolventen suchen, die am besten schon 30 Jahre Berufserfahrung mitbringen. Die eierlegende Wollmilchsau quasi. Aber selbst wenn man schon seit Jahren in einer Branche tätig ist, kann man beim Jobwechsel plötzlich neuen Anforderungen gegenüberstehen. Solltest du in diesen Fällen sofort die Hoffnung aufgeben? Nein, denn es gibt trotzdem Wege an die gewünschte Stelle zu kommen.

Frauen sind oft unsicherer darüber, ob eine Bewerbung sich lohnt

Kimberly Cassady, Chief Talent Director bei Cornerstone OnDemand, beobachtet selbst oft, wie potentielle Bewerber einen Rückzieher machen. Selbst wenn es um Beförderungen innerhalb eines Unternehmens geht, schrecken viele auf Grund hoher Anforderungen zurück. Laut Cassady sind besonders Frauen von diesem Phänomen betroffen. Diese denken oft, dass sie sich nur bewerben könnten, wenn alle Anforderungen zu 100 Prozent passen, oder jemand sie für eine höhere Stelle empfiehlt. Dabei wird von Chefs erwartet, dass man selbst Initiative ergreift.

We expect someone to ask us to take the role rather than pursuing the role ourselves.

Um allen Unsicherheiten zu entgehen, empfiehlt Cassady sich auf die Kernkompetenzen eines Jobs zu konzentrieren. Die aufgelisteten Anforderungen sind nämlich häufig nur ein unrealistischer Wunschzettel des Arbeitgebers. Folgende fünf Methoden helfen dir dabei herauszufinden, ob du dich auf einen Job bewerben solltest und welche Kompetenzen er erfordert.

1. Sprich mit Personen aus der Branche

Ein Gespräch mit Leuten, die bereits im angestrebten Berufsfeld tätig sind, kann eine enorme Hilfe darstellen. Dabei darfst du ruhig neugierig sein und fragen, was dir in den Sinn kommt. Wie sieht der Arbeitsalltag aus? Welchen Aufgaben steht man gegenüber? Welche Skills sind unabdingbar? Ebenso interessant kann es sein, dir den beruflichen Werdegang deines Gegenübers anzuhören. So oder so wirst du Insights erhalten, an die du nur schwer auf anderem Wege gelangst.

2. Übe das Bewerbungsgespräch

Bleiben wir direkt bei der Hilfe von Personen aus der Branche. Ein weiter Vorschlag Cassadys lautet nämlich, mit so jemandem ein Bewerbungsgespräch zu proben. Dabei soll der Interviewer die Fragen so realitätsnah wir möglich formulieren und deine Kompetenzen einschätzen. Anschließend folgt ein ehrliches Feedback darüber, ob du es im gewünschten Berufsfeld schaffen könntest oder nicht. Doch selbst wenn dieses negativ ausfällt, musst du nicht aufgeben. Lasse dir genau erklären, woran es hapert und arbeite an dir und deinen Skills.

3. Stelle Fähigkeiten über Erfahrung

Wenn du dein Anschreiben gestaltest, solltest du nicht deine Berufserfahrung in den Fokus stellen, sondern deine Kernkompetenzen. Das bedeutet, dass du diese nennst und erklärst, wie sie dir bei der Ausübung des angestrebten Jobs helfen. Außerdem ist es hilfreich, über vergangene Erfolge zu reden. Wie hast du sie erreicht? Welche Fähigkeiten musstest du dabei unter Beweis stellen? Besonders Berufseinsteiger können so über mangelnde Erfahrung hinwegspielen.

4. Zeige, dass du lernwillig bist

Sich kontinuierlich weiterzubilden ist unerlässlich, selbst wenn du seit Jahren im selben Berufsfeld tätig bist. Zeige also auf, welche Maßnahmen du ergreifst, um auf dem neusten Stand zu bleiben. Sollte es sich um Kompetenzen handeln, die du bisher noch nicht erworben hast, musst du Lernbereitschaft beweisen. Erkläre, dass du gern eine Weiterbildung besuchen würdest. Oder im besten Fall, machst/planst du zum Zeitpunkt der Bewerbung schon eine, um fehlende Kenntnisse zu ergänzen. In jedem Fall hinterlässt du damit einen positiven Eindruck beim Arbeitgeber.

5. Gestehe dir ein, wann sich eine Bewerbung nicht lohnt

An wichtigsten, so Cassady, ist es dir einzugestehen, wann eine Bewerbung zwecklos ist. Du siehst eine Ausschreibung deines Traumarbeitgebers, aber eine der Kernkompetenzen spricht dich nicht an? Oder bestimmte Tätigkeiten bereiten dir keinen Spaß? Dann lass es sein. Das Gleiche gilt auch dann, wenn dir technische Fähigkeiten, Zeugnisse oder andere Qualitäten fehlen, die für den Job unerlässlich sind. Heißt, egal wie gern du Emergency Room schaust und wie fürsorglich du bist, ohne Medizinstudium wirst du kein Arzt.

Nichtsdestotrotz solltest du dich von den hohen Anforderungen in einer Stellenausschreibung nicht abschrecken lassen. Solange du die Kernkompetenzen erfüllst, hast du eine reelle Chance auf den Job.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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