Müde im Büro? Japan will erschöpfte Angestellte jetzt künstlich wachhalten

Überarbeitung und die daraus folgende Übermüdung sind in Japan ein bekanntes Problem. Zwei Firmen wollen Angestellte nun mit kalter Luft wachhalten.

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In Japan sind Angestellte oft überarbeitet und dementsprechend auch übermüdet. So passiert es häufiger, dass Japaner in der Öffentlichkeit einschlafen. Dafür gibt es sogar ein eigenes Wort auf japanisch. „Inemuri“ bezeichnet das Schlafen am Arbeitsplatz oder in der Bahn und bedeutet übersetzt so viel wie „anwesend während man schläft“.

Dieses Schlafen während der Arbeitszeit ist für Firmenchefs nichts Erfreuliches. In einer Zusammenarbeit zweier lokaler Unternehmen wurde nun ein System entwickelt, das die wegtretenden Angestellten bei Bewusstsein halten soll, so dass ein Nap nach dem Mittagessen ausfallen soll: Wie World Economic Forum berichtet, sollen müde Angestellte mit kalter Luft wach gehalten werden.

Klimaanlage soll Angestellte vom Schlafen abhalten

Das Kälteunternehmen Daikin und der Elektrogigant NEC entwickelten Kameras, die an die Bildschirme von Angestellten befestigt werden. Diese beobachten die Bewegungen der Augen. Wenn Zeichen von Müdigkeit erkannt werden, verringert das System die Raumtemperatur.

Dieses System wurde entwickelt, nachdem eine Studie herausfand, dass Kälte der effektivste Faktor dafür sei, Menschen wachzuhalten. Innerhalb der Untersuchung wurden den Teilnehmenden verschiedene Rechenaufgaben unter unterschiedlichen Bedingungen gestellt. Einmal wurde die Helligkeit im Raum variiert, ein anderes Mal die Temperatur und auch die Auswirkung von Düften wurde ausgetestet.

Ab 2020 wollen NEC und Daikin das System in Serie bringen und so der breiten Masse zugänglich machen. Außerdem planen sie, das Programm dahingehend zu erweitern, dass speziell auf die einschlafenden Mitarbeitenden kalte Luft gepustet wird.

System bekämpft Symptome, aber keine Ursachen

Doch greift das entwickelte System der beiden Firmen an der richtigen Stelle? Schließlich bekämpft es ausschließlich die Symptome des Schlafens am Arbeitsplatz, aber nicht die Ursachen. Diese zu erkennen und umzugestalten wäre um einiges wertvoller. Wertvoller für die Gesundheit der Angestellten und so auch wertvoller für die Zufriedenheit.

Doch leider ist Japan von so einer Auffassung weit entfernt. Jedes Jahr sterben in dem asiatischen Land mehrere Menschen aufgrund von Überarbeitung. Deshalb gibt es wie beim Schlafen in der Öffentlichkeit auch ein Wort für den Tod durch Arbeit. „Karoshi“ heißt diese Art zu sterben. Ob den Entwicklern wirklich etwas an dem Wohl der Angestellten liegt, indem sie diese wachhalten, bleibt fraglich. Um die Ursachen zu bekämpfen, müsste eher ein Umdenken in der Arbeitskultur und -mentalität Japans erfolgen.

Über Maja Hansen

Maja Hansen

Seit 2017 unterstützt Maja die Redaktion von OnlineMarketing.de. Dabei widmet sie sich primär dem Karrieremagazin mit den Themenfeldern rund um Jobs und Karriere, schreibt aber auch über digitales Marketinggeschehen.

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