Innovation: So bewahrst du gute Ideen vor Killer-Phrasen

Gute Ideen und keiner hört zu? Oder redet jeden Vorschlag nieder? Wir erklären, wie du dich gegen Killer-Phrasen zur Wehr setzt und ab wann die Innovationskultur eines Unternehmens überdacht werden sollte.

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Viele von euch kennen die Situation: Du bringst frischen Wind von außen in ein Team oder hörst genau hin, was eure Kunden sagen. Daraus entwickelst du eine tolle Idee. Ein neues Produkt, eine Verbesserung für die Kunden oder ein Tool, das eure Prozesse beschleunigt. Du stellst sie deinem Chef oder der Chefin vor – und die Reaktion ist mehr als lau. Was für ein Frust! Hier findest du ein paar Überlegungen, warum das so häufig passiert und was du dagegen tun kannst.

Mittleres Management als Status-Quo-Wächter

In vielen Unternehmen ist die Skepsis gegenüber neuen Ideen fest verankert. Manager und Managerinnen aus der mittleren Ebene verstehen sich oftmals als Status-Quo-WächterInnen. Mögliche Misserfolge im eigenen Bereich sind sie für sie ein rotes Tuch, und das ist verständlich. Denn ein erfolgreiches Produkt oder eine interne Verbesserung wird gerne allen zugeordnet („der Erfolg hat viele Väter“), dagegen macht das Scheitern einer Innovation einsam. Nichtstun ist daher aus ihrer Sicht oft die sichere Alternative.

Diese risiko-averse Haltung wird teilweise vom Controlling gefördert, wie Clayton M. Christiansen zeigt. Wird beispielsweise eine Investition mit dem Status Quo verglichen, erscheinen die Kosten oft hoch. Verschiedene Wirtschaftlichkeitsrechnungen berücksichtigen aber nicht, dass auch das Nichtstun einen Preis hat – wenn etwa Marktanteile verloren gehen, weil die Konkurrenz schneller ist.

Ein innovationsfeindliches Umfeld tritt in vielen Unternehmen nicht offen zutage, sondern drückt sich in Killer-Phrasen aus, die dich möglicherweise unvorbereitet erwischen – schließlich schätzt du dein Unternehmen für die beschworene Innovationskultur oder den Start-up-Spirit.

Innovationsfeindliche Killer-Phrasen

Der Unternehmensberater Tendayi Viki hat Ausreden zusammengestellt, die ihm in Führungsetagen von Konzernen ständig begegnen, wenn es um die Stärkung der Innovationstätigkeit geht. Auch in mittelständigen Unternehmen, Start-ups und in einzelnen Teams gibt es diese Ablehnung von Innovationen mithilfe von einfachen Killer-Phrasen viel zu oft.

„Woher sollen wir wissen, ob das klappt?“

Für eine Investition gibt es keine Erfolgsgarantie: Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt. Dennoch ist dieses typische Totschlagargument nicht leicht zu entkräften. Wenn dein Chef oder deine Chefin so antwortet, kannst du überlegen, was hinter der Ablehnung steht. Hat das Management Sorge vor einem Misserfolg? Wie sehr unterstützt das Top-Management Innovationen? Gab es in der Vergangenheit teure Investitionen, die fehlgeschlagen sind, und wie wurde damit umgegangen?

Für die Innovation spricht in solchen Fällen, dass auch Nichtstun ein Risiko beinhaltet. Falls dein Chef oder deine Chefin aber trotz aller guten Argumente aus Risikgründen besonders vorsichtig agiert – nimm es nicht persönlich. Bleib am Ball und schlage das Projekt nach einiger Zeit wieder vor, bis dahin haben sich die Rahmenbedingungen womöglich geändert.

Das gibt es längst!“

Andere Innovations-Killer zielen darauf, ob der Vorschlag sinnvoll und machbar ist. Diese Phrasen rufen nach Fakten und praktischen Lösungsvorschlägen. Besonders beliebt ist das Argument: „Das gibt es doch schon längst!“. Als Antwort auf diese Phrase zeigst du, was genau das Neuartige und Besondere an deinem Vorschlag ist und wie deine Idee bisherige Lösungen übertrifft.

„Das brauchen wir nicht!“

Beliebt ist auch die Einschätzung, dass der Vorschlag im Prinzip zwar nicht verkehrt, für das eigene Unternehmen aber nicht relevant ist. Der Phrase „Das brauchen wir nicht“ begegnest du mit Argumenten, wie beispielsweise für die Kunden ein echter Mehrwert entsteht oder wo die Konkurrenz ähnliche Lösungen bereits einsetzt.

„Dafür haben wir keine Ressourcen!“

In den meisten Unternehmen sind Ressourcen knapp, dem Management stehen eben keine zusätzlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zur Verfügung. Manchmal jedoch wird dieses Argument nur vorgeschoben, um sich nicht weiter mit der neuen Idee befassen zu müssen. Dann kannst du vorschlagen, einen Business-Plan auszuarbeiten – oft lohnt es sich, für eine gute Idee in zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu investieren.

„Uns fehlt das Know-how!“

Wenn für eine gute Idee kein neues Team nötig ist, kommt oft ein anderes Pauschalurteil ins Spiel: „So etwas können wir mit unseren Leuten doch gar nicht umsetzen.“ Auch diese Aussage kannst du hinterfragen. Du stärkst deinen Vorschlag, indem du zeigst, welche Art von Know-how konkret für die Innovation nötig ist, wo im Unternehmen bereits entsprechende Qualifikationen vorhanden sind, welche Weiterbildungen es gibt oder welche Dienstleister fehlendes Know-how beisteuern könnten.

So erkennst du eine gesunde Innovationskultur

Zu einer echten Innovationskultur gehört die Bereitschaft, die eigenen Prozesse, Produkte und Dienstleistungen ständig zu hinterfragen. Werden Ideen zu früh „gekillt“ und Impulse von den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht aufgenommen, kommt es zum Stillstand – und das betrifft nicht nur Konzerne und mittelständische Unternehmen, sondern auch Start-ups, die zu lange an einer einmal gefundenen Lösung festhalten. Wenn dir die Killer-Phrasen zu oft begegnen, sollten daher die Alarmglocken schrillen.

Über Eli Reise

Elli Reise ist eine langjährige Wirtschaftsjournalistin. Sie begeistert sich für Märkte, Unternehmensführung und Change Management.“

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