Gender Roles ade? Schulabgänger orientieren sich immer noch an Geschlechterbildern

Eine neue Auswertung zeigt, dass die Berufswahl stark von Geschlechterrollen geprägt wird. Gleichzeitig geht der Trend langsam in die andere Richtung.

© Sandy Millar - Unsplash

Girl’s Day und Boy’s Day sollen eigentlich dafür sorgen, dass der nächsten Generation von Arbeitskräften ihre Chancen und Möglichkeiten aufgezeigt werden – fernab von klassischen Geschlechterbildern. Dennoch zeigt eine neue Auswertung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, dass viele Schulabgänger sich immer noch von traditionellen Rollenbildern bei der Berufswahl beeinflussen lassen. Doch gleichzeitig zeigt sich langsam auch ein Wandel.

Schulabgänger kennen ihre Möglichkeiten oft nicht

Ein Grund dafür, dass die Berufswahl von Mädchen und Jungen weiterhin so traditionell ausfällt, ist, dass sie lediglich die Top Ten der Ausbildungsberufe kennen. Eben jene, die besonders beliebt und oft angefragt werden. Bei den Mädchen wird die Liste angeführt von der Kauffrau für Büromanagement, gefolgt von der medizinischen, beziehungsweise zahnmedizinischen Fachangestellten. Bei den Jungs führt wenig überraschend der Kraftfahrzeugmechatroniker, gefolgt von Industriemechaniker und Elektriker.

Jedoch gibt es mannigfaltige Möglichkeiten für Schulabgänger, die aber nicht ausreichend kommuniziert werden. So zeigen Berufsorientierungs-Tests, die viele Schüler machen, meist nur 0815-Lösungen an und empfehlen dementsprechend auch nur die bekannten Ausbildungsberufe. Hinzu kommt, dass geglaubt wird, einige Berufsfelder seien nur durch ein Studium zu erreichen. Eine Ausbildung in der jeweiligen Branche kann jedoch auch Gold wert sein und ein Sprungbrett für die Karriere darstellen, denn: Auszubildende haben meist mehr direkte Berufserfahrung als Studenten, was viele Arbeitgeber als positiv empfinden.

Rollenbilder werden langsam aber sicher abgelegt

Manche Schulabgänger fürchten sich auch schlichtweg vor dem Urteil anderer, wenn sie eine Ausbildung wählen, die nicht den klassischen Gender Roles entspricht. Doch trotzdem zeigen sich langsam fortschreitende Veränderungen. Immer mehr Mädchen möchten Fachinformatikerinnen werden, eine Berufsgruppe, die bislang eher von Männern dominiert wird. Gleiches gilt für den Beruf der Kraftfahrzeugmechatronikerin. Beide Berufe stiegen im Ranking der beliebtesten Ausbildungen. Und auch seitens der Jungen zeigt sich eine Veränderung. Die klassischen „weiblichen“ Berufe Zahnmedizinische Assistenz und Friseur gewinnen zunehmend an Beliebtheit.

Vermutlich basieren diese Veränderungen auf Innovativen wie dem Girl’s und Boy’s Day, aber auch auf der wachsenden Aufgeklärtheit der Jugend und auch der Gesellschaft allgemein. Klassische Geschlechterrollen verlieren an Bedeutung und mit Vorurteilen wird aufgeräumt. Zugegeben, noch nicht überall. Doch die positiven, neuen Entwicklungen sind spürbar.

Immer weniger Mädchen entscheiden sich für eine Ausbildung

Eine weitere zunehmende Entwicklung ist, dass weibliche Schulabgänger sich eher für ein Studium entscheiden als für eine Ausbildung. So waren im letzten Jahr 63 Prozent der Auszubildenden männlich, während die Zahl der weiblichen Studierenden steigt. Durch die fehlenden weiblichen Auszubildenden entstehen natürlich Lücken, die von männlichen Auszubildenden wiederum gefüllt werden können – eben auch in den „klassischen Frauenberufen“.

Deutschland fehlt es an Fachkräften. Das ist kein Geheimnis. Umso wichtiger erscheint es da, dass die klassischen Geschlechterrollen bezüglich Berufsbildern sich ändern – um so einen Ausgleich zu schaffen, egal, ob es sich um einen Ausbildungsberuf oder den akademischen Werdegang handelt. Hinzu kommt, dass durch den sich wandelnden Arbeitsmarkt immer wieder neue Berufsfelder geschaffen werden. Auch diese müssen kommuniziert und Schülern erklärt werden, um so der neuen Generation alle Möglichkeiten aufzuzeigen und Potenziale zu nutzen. Es bleibt also zu hoffen, dass der Trend sich weiterhin von den klassischen Gender Roles entfernt und so Platz geschaffen wird, für eine neue Generation von Arbeitskräften – ohne Zwangskorsett der Gesellschaft.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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