Immer mit der Ruhe: Gelassenheit im Büroalltag lernen

Gelassene Menschen sind erfolgreicher und zufriedener. Auch du kannst deine Gelassenheit trainieren.

© Vu Thu Giang - Unsplash

Stress. Es vergeht wohl kein Tag, an dem dieses Wort nicht über unsere Lippen fährt, die Kollegen Unruhe ausstrahlen und eine stressige Atmosphäre entsteht. Die Folgen sind allerdings nicht gut. Von Verspannungen über Frustration bis hin zu psychosomatischen Beschwerden machen Stress und Unruhe uns zu schaffen. Um diesen negativen Gefühlen und Umständen erst gar keinen Platz im Arbeitsalltag zu gewähren, ist es also an der Zeit gelassener zu werden. Doch wie schaffen wir es, bei Problemen nicht mehr aus der Haut zu fahren und ein ruhiges Gemüt an den Tag zu legen?

Gelassenheit bedeutet Handlungsfähigkeit

Ruhe und Ordnung im Kopf sind ein Merkmal von Gelassenheit. Du akzeptierst Dinge, die nicht mehr veränderbar sind. Mit einem ruhigen Geist und Akzeptanz von unveränderlichen Situationen schaffen Menschen es, gelassen zu bleiben, nicht in Panik zu geraten und sich nicht über Kleinigkeiten aufzuregen. Gelassenheit bedeutet in diesem Sinne auch Handlungsfähigkeit, da innere Ruhe Sicherheit mit sich bringt, die dir dabei hilft, zielgerichtet und dennoch gelassen mit Problem umzugehen. Wer gelassen auf Konfrontationen mit Problemen reagieren kann, lässt sich keine Energie durch Wut und Zorn rauben. Dies funktioniert aber nur, wenn du dir bewusst bist, dass du die Situation lösen kannst. Es liegt in deinen Händen. Wenn du ein Problem ohne den negativen Emotionscocktail lösen kannst, befähigst du dich selbst, neutraler und mit einem weiteren Handlungsspielraum die Situation zu entschärfen.

Doch was hindert dich noch daran, gelassen zu sein? Negative äußere Reize rufen in dir direkt eine negative Reaktion hervor. Du bist diesen Umgang mit Hürden gewohnt und so ist auch Wut zu deiner Gewohnheit geworden. Du hast zornige Reaktionen verinnerlicht und reagierst dementsprechend, ohne dir dessen wirklich bewusst zu sein. Wenn du dich nicht zusammen mit deinen Kollegen über die Vorgesetzten aufregst, hast du das Gefühl nicht dazuzugehören. Da wir aber alle nach Zugehörigkeit streben, fällt es dir schwer, bei einem zusammenschweißendem Lästern nicht mitzumachen. Oder du denkst dir, dass Gelassenheit sich in deinem Alltag sowieso nicht praktizieren lässt, da alles unglaublich stressig ist. Keine Zeit und zu viel zu tun. Doch so gibst du gedanklicher Ruhe in deinem Alltag erst gar keine Chance. Außerdem erfordert Gelassenheit auch Kontrolle. Wenn du bei Situationen deine Emotionen hochkochen lässt, sofort auf hundertachtzig bist, dann zeigst du keine Selbstkontrolle. Willst du aber entspannt auf problematische Dinge reagieren, musst du umdenken, dich in Selbstbeherrschung üben und versuchen keine Gefahr in Problemen zu sehen.

Gelassene Personen sind erfolgreicher und zufriedener

Warum aber Gelassenheit lernen, wenn du bisher auch so im Alltag klar kommst? Gelassene Menschen sind gesünder. So grübeln sie weniger, stecken nicht so viel Energie in negative Gefühle und treffen bessere Entscheidungen. Jochen Mai schreibt auf Karrierebibel.de, dass bei ruhigen Menschen der Verstand der Herr der Lage bleibe und so wird negativen Emotionen kein Platz in der Entscheidung eingeräumt. Deshalb sind gelassene Personen auch erfolgreicher. Durch ihrem distanzierten Blick auf die Dinge, werden gute Lösungen gefunden.

Zudem führt Gelassenheit zu weniger Sorgen im Alltag. Wir neigen dazu, uns im beruflichen als auch im privaten Umfeld von einem Problem zum nächsten Zweifeln zu bewegen. Doch dieses Grübeln tut uns nicht gut. Mit einem ruhigen Gemüt schaffst du es allerdings mit einer positiven Einstellungen an die Aufgaben deines Lebens zu wagen. Auch wenn du glaubst, dass dein einziger gelassener Moment am Abend kurz vorm Einschlafen ist, wirst du mit den folgenden Übungen Gelassenheit in deinen Alltag einziehen lassen.

Gelassenheit trainieren: Werde dir bewusst

1. Werde dir deiner subjektiven Realität bewusst. Versuche die Situation einzuordnen. Was genau ist passiert und ist es wirklich so schlimm wie es sich gerade für mich anfühlt? Hinterfrage also deine subjektiv wahrgenommene Realität und prüfe, ob deine Befürchtungen objektiv realistisch sind.

2. Du bestimmst deine Reaktion. Mache dir klar, dass du handlungsfähig bist und über deine Reaktion bestimmst. Auch wenn du derzeit noch dazu neigst, wütend zu reagieren, musst du dir bewusst machen, dass du allein über deine emotionale Lage bestimmst. Du hast die Wahl, ob du aus der Haut fährst oder ruhig bleibst und versuchst neutral die Situation zu betrachten. Auch in den Situationen, in denen du denkst, dass sich die Welt gegen dich verschworen hat und du am liebsten deinen ganzen Frust rausschreien wollen würdest, bedeutet Gelassenheit in diesem Fall, dass du dich für einen Moment sammelst, durchatmest und bewusst über deine Reaktion entscheidest.

3. Kontrolliere deine Wortwahl. Worte prägen unser Denken. Und somit werden unsere Gefühle und unser Handeln beeinflusst. Vermeide also von „dramatischen Problemen“, „mega schlimmen Situationen“ oder „unglaublich schlechten Entwicklungen“ zu sprechen. Denn so neigst du auch dazu, dir die Dinge größer und schlimmer zu denken als sie es wirklich sind. Wenn du Dinge sprachlich großmachst und aufbauschst, fühlt sich auch ihr Angang entgegen der Realität schleppend und frustrierend an.

4. Suche dir Stressbewältigungsstrategien. Wenn du einen stressigen Alltag hast, erfordert die erwünschte Gelassenheit auch einen Stressabbau. Negativ baust du diesen durch Wut, Alkohol oder Medikamente ab. Unternehme stattdessen in deiner Freizeit Dinge, die dir gut tun, mache Sport und genieße Zeit mit deiner Familie und Freunden. Stressbewältigung und Gelassenheit gehen Hand in Hand und bedingen einander. Versuche also Stress und negative Gefühle durch Bewältigungsmethoden abzubauen.

5. Akzeptiere deine Grenzen. Wenn du dich überfordert fühlen solltest, dann ist das okay. Auch wenn die Situation in deinen Händen liegt und du das Problem vielleicht mit mehr Überstunden lösen könntest, ist das nicht die Lösung, die du anstreben solltest, wenn du dir Gelassenheit im Alltag wünschst. Das bedeutet, dass Lösungen nicht immer hundertprozentig zufriedenstellend sein müssen. Wenn etwas nicht machbar ist, dann liegt die Lösung nicht zwangsweise darin Überstunden zu machen. Auch die Akzeptanz, dass du mal etwas nicht schaffst, gehört zu einer gelassenen Einstellung dazu. Wenn eine Aufgabe deine Kapazitäten überschreiten sollte, dann erkläre dies genau so. Mit dieser Umgangsweise kannst du deinem persönlichen Stress nämlich vorbeugen. Mache dir auch bewusst, dass ein Ablehnen einer Aufgabe kein Anzeichen von Schwäche ist, sondern nur beweist, dass du eigenen Grenzen kennst und dein Arbeitspensum einzuschätzen weist. Wenn du derzeit ein Problem damit haben solltest, Dinge abzulehnen, läufst du Gefahr dich ausnutzen zu lassen und so in einer chronischen Überlastung zu münden. Also: Nein sagen gehört dazu und hilft dir dabei, einen gelassenen Arbeitsalltag zu führen.

6. Wenn nichts mehr geht, verlasse den Raum. Im Idealfall durchlebst du so intensive Situationen nicht am Arbeitsplatz. Wenn dir eine Konfrontation jedoch zu viel werden sollte oder eine Auseinandersetzung zu eskalieren droht und du merkst, dass du einem Wutausbruch nahe kommst, dann verlasse den Raum. Die sogenannte „Exit-Strategie“ ist quasi eine Art Notbremse. So schaffst du räumliche und gedankliche Distanz zum Konfliktzentrum und beugst vor, dass du im Affekt mit Worten um dich wirfst, die du im Nachhinein bereust. Dennoch sollte diese Methode im Büro am besten nicht angewendet werden müssen.

Gelassenheit im Alltag üben

Wenn du diese sechs Hinweise für einen gelasseneren Arbeitsalltag beachtest, gehst du schon einen großen Schritt in die richtige Richtung. Dennoch ist es damit nicht getan. Um langfristig gelassen zu werden, musst du versuchen, eine ruhige Einstellung zu verinnerlichen. Erst wenn du dich in stressigen Situationen darin übst, gelassen zu bleiben, wird diese Einstellung zur Normalität. Du sehnst dich nach Gelassenheit? Dann pack’s an!

Über Maja Hansen

Maja Hansen

Seit 2017 unterstützt Maja die Redaktion von OnlineMarketing.de. Dabei widmet sie sich primär dem Karrieremagazin mit den Themenfeldern rund um Jobs und Karriere, schreibt aber auch über digitales Marketinggeschehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.