Geheimformel für Glück: Wieso wir nicht nach Erfolg in Leben und Beruf streben sollten

Lebensweisheiten auf dem OMR Festival: Prof. Dr. Armin Rott erklärt, wie bedeutend die Zufriedenheit im Beruf für das Leben ist – und wie du diese erreicht.

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„Wie werde ich Philipp Westermeyer?“ Mit dieser Frage eröffnete Prof. Dr. Armin Rott von der Hamburg Media School seine Masterclass beim diesjährigen OMR Festival. Übrigens: Der Medienökonom war Lehrmeister von diversen Größen der Branche – so auch vom OMR-Chef. Ziel des Vortrags war es vor allem, Studenten einen Weg in die Online Marketing-Branche aufzuzeigen. Doch dabei gab er den Zuhörern entscheidende Tipps mit auf dem Weg, die sich auch gestandene Berufler zu Herzen nehmen sollten. Sein Verständnis von Glück, Erfolg und Zufriedenheit im Beruf möchten wir deshalb nicht vor dir geheimhalten.

Kennst du dich selbst?

Um im Berufsleben dein Glück zu finden, musst du zunächst verstehen, wer du überhaupt bist. Was sind deine Ziele? Sind diese realistisch? Und noch wichtiger: Welcher Persönlichkeitstyp bist du? Rott folgt in seinen Ausführungen den aus der Psychologie bekannten Persönlichkeitsmerkmalen der Big Five. Das Ganze kannst du dir so vorstellen:

konservativ, vorsichtig

Offenheit 

erfinderisch, mutig

unbekümmert, nachlässig

Gewissenhaftigkeit

effektiv, organisiert

zurückhaltend, reserviert

Extraversion

gesellig, extrovertiert

wettbewerbsorientiert, antagonistisch

Verträglichkeit

kooperativ, freundlich

selbstsicher, ruhig

Neurotizismus

emotional, verletzlich

Wie mit einem Schieberegler kannst du bestimmen, zu welcher Seite du eher tendierst. Rott betont dabei, dass es nicht schlimm ist, ganz links oder ganz rechts zu stehen – alle Eigenschaften haben ihre Vor- und Nachteile. Doch das Big Five-Modell kann sogar erweitert werden. So ist Rott ein Verfechter der sechsten Kategorie (Hexaco-Modell), der „Echtheit/Bescheidenheit“. Dieses Persönlichkeitsmerkmal unterscheidet sich von den anderen. Denn während auf der linken Seite ehrliche, bescheidene Menschen zu verordnen sind, befinden sich rechts unauthentische, unbescheidene Personen. Diese sind, so Rott, von Grund auf schlecht und somit ein noch schlechterer Umgang für dich. Leider begegnet man diesen Persönlichkeitstypen immer wieder, häufig auch auf der Führungsebene. Um das eigene Glück und die Zufriedenheit im Job zu wahren, empfiehlt der Professor daher, sich von dieser Art Mensch fernzuhalten.

Was ist überhaupt Erfolg?

Rott hat seine ganz eigene Definition von Erfolg. Für ihn besteht dieser aus vier Komponenten: Wissen, Erfahrung, Netzwerk und Persönlichkeit. Diese müssen nicht zu gleichen Teilen ausgeprägt sein. So kann jemand mit wenig Wissen erfolgreich sein, weil derjenige viel Personality hat. Folgendes beinhalten die Komponenten jeweils:

  • Wissen: lernt man on the Job, bei der Arbeit an Projekten und im Studium. Laut Rott reicht es übrigens, Wirtschaft im Master zu studieren – der Bachelor kann ein reines Interessenstudium sein. Zudem darf Digitalwissen nicht fehlen, vor allem auch im B2B-Bereich.
  • Erfahrung: braucht Zeit. Auslandserfahrung ist immer empfehlenswert. Jedoch sollte man nicht ein Praktikum oder eine Weiterbildung nach der anderen machen, um schnellstmöglich voran zu kommen. Ansonsten kann es passieren, dass man etwas im Leben verpasst und bestimmte Erfahrungen gar nicht erst macht – auch wenn sie nicht karriereorientiert sind.
  • Netzwerk: baut sich nicht von selbst auf. Man muss selbst aktiv werden und Kontakte pflegen. Wer viele Menschen kennt, hat mehr Erfolg, laut Statistik. Jedoch sollte man nicht Unmengen von Menschen auf Xing und LinkedIn adden, mit denen man nie gesprochen hat – auf die aktiven Kontakte kommt es an.
  • Persönlichkeit: lässt sich kaum ändern. Die Hälfte davon bekommt man vererbt, der Rest wird durch Umwelt und Beziehungen geprägt.

Und trotz dieses Versuchs einer Definition von Erfolg, erklärt Rott, dass es immer noch Unklarheiten und Unstimmigkeiten gibt. Wir wissen nicht genau, worum es sich bei Erfolg eigentlich handelt. Und genau deshalb ist es gefährlich, danach zu streben. So empfiehlt der Medienökonom: Mache Glück und Zufriedenheit zum Ziel in Leben und Beruf.

Daraus setzt sich dein Glück zusammen

Rotts Formel für Glück setzt sich zusammen aus den Punkten Achievements und Engagement, Relationships sowie Meaning und positive Emotionen. Um aber im Leben allgemein glücklich zu sein, musst du auch Zufriedenheit im Job empfinden. Doch wie kannst du das erreichen? Ganz grob gesagt, rät Rott dazu etwas zu tun, in dem du auch gut bist und für das du eine Leidenschaft hast. Was bringt es dir beispielsweise, dich im Finanzsektor herumzuschlagen, obwohl die Arbeit mit Zahlen ein Graus für dich ist? Außerdem kommt es auf die folgenden Aspekte an:

Flow

Mit „Flow“ ist eine Arbeit gemeint, die dich mitnimmt und für die du dich gerne engagierst. Ein Job, der Handlungsfreiraum lässt. Dazu gehören außerdem klare Aufgabenstellungen, damit du verstehst, für was du überhaupt arbeitest, ein abwechslungsreiches Aufgabenfeld sowie eine offene, respektvolle Feedbackkultur. Am Ende musst du sagen können: Ich will diesen Job machen.

Hilfsbereitschaft

Arbeit mit einem Mehrwert ist auch für deine Zufriedenheit mehr wert. Dabei ist es egal, ob du mit deinem Job direkt oder indirekt anderen hilfst. Doch bist du zum Beispiel dazu gezwungen, Produkte zu verkaufen, die auf gut deutsch Quatsch sind oder sogar Abzocke, wird dich das auf Dauer unglücklich machen. Zumindest dann, wenn du empathisch bist und selbst nicht hinter dem Produkt stehst.

Arbeitsklima

Ein gesundes Verhältnis zu Chef und Kollegen ist unabdingbar für Zufriedenheit im Job. Und hat man dies gefunden, solltest du daran festhalten. So erklärt Rott, dass viele Menschen nach mehr suchen und Angst davor haben, eine Gelegenheit zu verpassen. Wer weiß? Vielleicht wartet irgendwo ein Kollegenkreis, der noch cooler, entspannter oder freundlicher ist? Doch genau diese Einstellung kann dich um etwas bringen, dass ungemein wertvoll für dein Berufsleben ist – Zugehörigkeit.

Negative Aspekte

Ein Übermaß an „Major Negatives“ stört dein Berufsglück gewaltig. Dazu gehören zum Beispiel unfaire Bezahlungen, Überstunden, für die es weder Wertschätzung noch Entlohnung gibt, und ein toxisches Arbeitsumfeld. Verbanne also die großen, negativen Aspekte aus deinem Arbeitsalltag.

Privatleben

Von manchen wird der Begriff Work-Life-Balance tatsächlich belächelt – eine Ausrede für die faulen New Worker, heißt es da zum Beispiel. Doch Rott betont, dass es ungemein wichtig ist einen Job zu haben, der auch mit dem Privatleben vereinbar ist. Andernfalls muss man auf einer der beiden Seiten eben Abstriche machen. Natürlich liest man immer wieder von Wundergeschichten, in denen ein Gründer neben dem Unternehmen noch eine riesige Familie, zehn Haustiere und einen Bauernhof versorgt sowie zig Hobbys nachgeht. Doch die Realität sieht nicht immer so aus und dessen solltest du dir bewusst sein – und dementsprechend Prioritäten festlegen.

Glücklich werden kann so einfach sein

Zum Schluss noch ein paar Worte Rotts, die sich direkt an Frauen richten, die Karriere und Familie vereinen wollen. Oft genug wird darüber berichtet, dass Frauen unnötige Steine in den Weg gelegt werden. Unter anderem liegt dies daran, so Rott, dass Männer sich zum Teil in einer „besseren“ Verhandlungsposition befinden. Wenn der Mann vor der Geburt eines Kindes bereits der Mehrverdiener der Familie ist, ist es oft selbstverständlich, dass die Frau eben Elternzeit nimmt und nicht er selbst. Zum Teil liegt dies daran, dass Menschen gewissen Idealen folgen und so beispielsweise versuchen, dass Leben der eigenen Eltern nachzuspielen. Dabei ist das Vereinen von Karriere und Familie ein Problem, dass sowohl Männer als auch Frauen betrifft, wie Rott klar macht.

Schließlich gäbe es heutzutage genügend Lösungsmöglichkeiten, damit beide Elternteile Karriere machen können. Er selbst und seine Frau haben sich beispielsweise die Elternzeit geteilt. Als Frau solltest du dich von deinem Partner also nicht klein halten lassen. Um deine Zufriedenheit im Beruf und damit auch das Glück im Leben zu wahren, solltest du dir „also einen Kerl suchen“, der auch auf deine Bedürfnisse eingeht. Derjenige sollte bereit dazu sein, auch deine Karriere zu unterstützen und Kompromisse eingehen können. Verlasst euch auf euch selbst und nicht nur auf die Männer, rät Rott. Denn Zufriedenheit verdient jeder. Wenn du dich also nach den genannten Aspekten richtest, muss Glück in Leben und Beruf kein unerreichbares Ziel sein. Manchmal musst du Mut beweisen und toxische Umfelder hinter dir lassen, umso dein volles Potential auszuschöpfen können.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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