Gehaltstransparenz: Wirst du fair bezahlt?

Seit dem 6. Juli gilt ein Gesetz, dass für gerechtere Löhne durch verpflichtende Gehaltstransparenz sorgen soll. Wir haben Zahlen und Fakten zusammengefasst und verraten, welche neue Möglichkeiten den Arbeitnehmern nun offen stehen.

Echte Helden kämpfen für mehr Lohngerechtigkeit, © Pixabay - aitoff, CC0

Findest du, dass du gerecht bezahlt wirst?

Gut möglich, dass vor dem Bildschirm jetzt ein empörtes Kopfschütteln losbricht. Viele Leute würden hier wohl zunächst impulsiv verneinen. Wird jedoch weiter über die Frage nachgedacht, ist sie aber vielleicht gar nicht so leicht zu beantworten. Denn was bedeutet es überhaupt, “gerecht” bezahlt zu werden? Um zu entscheiden, was gerecht ist, braucht es immer eine Vergleichsgröße – in diesem Fall sollte dir also das Gehalt von einer Person im selben Unternehmen, die am besten noch ähnliche Tätigkeiten übernimmt, bekannt sein. Natürlich steckt genau hier das Problem.

Unter Kollegen ist das Gehalt oft ein Tabu

Während laut einer Befragung des Karrierenetzwerks XING 77 Prozent der Deutschen Gehaltstransparenz prinzipiell befürworten, wird in der Realität kaum ein Gesprächsthema im Büro so gemieden, wie die monatliche Lohnabrechnung. Lediglich 24 Prozent der Befragten gaben an, diese Informationen offen mit anderen Angestellten zu teilen. Doch mit der Geheimniskrämerei könnte nun bald Schluss sein. Seit dem 6. Juli gilt in Deutschland ein Gesetz, dass Blicke in die Taschen der Kollegen gewährt.

Frauen verdienen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer

Zunächst noch einmal zur Frage der Gerechtigkeit: Auch wenn dir dein Büronachbar vielleicht nichts über seinen Lohn verraten will, gibt es immer noch Stellen außerhalb des Unternehmens, die darüber Bescheid wissen. Das statistische Bundesamt erfasst die Gehälter aller Bundesbürger und zumindest eine Diskrepanz fällt dabei regelmäßig ins Auge: Das sogenannte Gender Pay Gap liegt seit 2002 mehr oder minder konstant bei 21 Prozent. Das heißt, dass Frauen im Schnitt etwa ein Fünftel weniger verdienen, als ihre männlichen Kollegen. Wird das Berufsfeld in den Vergleich mit einbezogen – also nur Arbeitnehmer in ähnlichen Positionen miteinander vergleichen – so weist die Differenz immerhin noch 6 Prozent auf. Ist das gerecht?

Im März hat das Bundeskabinett entschieden: Nein, das ist es nicht. Das Gesetz mit dem langen Namen “Entgeltgleichheitsgesetz” soll Abhilfe schaffen, damit endlich gilt: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit.

Das neue Gesetz schafft mehr Gehaltstransparenz…

Dieses Gesetz räumt nun Angestellten in Unternehmen mit einer Größe von über 200 Mitarbeitern die Möglichkeit ein, beim Betriebsrat das durchschnittliche Gehalt von Kollegen in vergleichbaren Positionen zu erfragen. Firmen werden überdies verpflichtet, bei Stellenausschreibungen in Zukunft Angaben über ein Mindestgehalt zu veröffentlichen. Darüber hinaus müssen Unternehmen mit über 500 Beschäftigten in Zukunft regelmäßig Berichte zum Thema Lohngleichheit vorlegen.

Doch wer jetzt hofft, ab sofort garantiert so viel zu verdienen wie der beharrlich schweigende Kollege, ist leider auf dem Holzweg.

…für gerechtere Löhne müssen aber die Mitarbeiter selbst sorgen

Mehr Transparenz ist keinesfalls mit der Garantie für gleiche Bezahlung gleichzusetzen; schließt doch die Kenntnis von unfairer Entlohnung nicht die Konsequenz einer Gehaltserhöhung mit ein. Zum Umsetzen gerechterer Löhne sind die Vorgesetzten gleichermaßen wie schlechter bezahlte Angestellte (die natürlich auch Männer sein können) gefordert. Auf hoher Ebene muss die Bereitwilligkeit bestehen, gegen unfaire Löhne im Unternehmen vorzugehen und zeitgleich, das ist noch wichtiger, dürfen Arbeitnehmer sich nicht fürchten, von ihrem Recht Gebrauch zu machen und mit diesem Wissen die Debatte um Gehaltserhöhungen anzunehmen.

Meine Meinung: Dieses Gesetz wird wohl kaum dazu beitragen, das Gender Gap zu schließen, da es in dieser Form nicht konsequent genug ist. Unternehmen sollten nicht nur zur Gehaltstransparenz, sondern auch zur Lohngerechtigkeit verpflichtet werden. Was meinst du? Wird das neue Gesetz den gewünschten Erfolg bringen? 

Quellen: Statistisches BundesamtBerliner ZeitungHandelsblattSpiegel, Xing

Über Finn Johansson

Finn Johansson

Finn Johansson studiert seit 2011 Business Administration, Cultural Sciences und E-Business an der Leuphana Universität Lüneburg und Hong Kong Baptist University. Im Rahmen mehrerer medial ausgerichteter Praktika war er unter anderem für den Online-Reiseveranstalter Easyvoyage SAS mit Sitz in Paris tätig. Hier sammelte er Praxiserfahrung im Content Management und Social Media Marketing, die er in seinem Studium um theoretisches Wissen über weitere Sektoren der Online-Branche bereichern konnte.

3 Gedanken zu „Gehaltstransparenz: Wirst du fair bezahlt?

  1. Blebs

    Warum seh ich im Titelbild Batman und Superman. Liegt es daran dass Superman mehr bekommt als Batman? Bitte um Aufklärung.

    Antworten
    1. Anton PriebeAnton Priebe

      Hallo Blebs,

      die Erklärung findest du in der Bildunterschrift: “Echte Helden kämpfen für mehr Lohngerechtigkeit”. Außerdem werden Superhelden oft mit Fairness assoziiert :-)

      Beste Grüße
      Anton

      Antworten

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