Gehalt für Fachkräfte steigt bis 2030 um 13.800 Euro – doch wer ist wirklich betroffen?

Der demografische Wandel führt zu einem weltweiten Fachkräftemangel. Doch besonders in Deutschland werden qualifizierte Arbeitskräfte profitieren, trotz höherer Kosten für die Wirtschaft.

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Korn Ferry, eine internationale Beratungsgesellschaft, erwartet bis 2030 steigende Löhne für Fachkräfte. Im Klartext spricht das Unternehmen von einem Anstieg von 13.800 Euro. Doch was zunächst erfreulich klingt, wird nicht jeden Arbeitnehmer betreffen.

Deutschlands Demographie begünstigt den Lohnanstieg

Unser Land wird immer älter. Die Lebenserwartung steigt stetig und schon lange können die sinkenden Geburtenraten kein Gleichgewicht mehr zwischen Jung und Alt schaffen. Dementsprechend wird Deutschland schon vor 2030 einen erheblichen Fachkräftemangel zu spüren bekommen. Arbeitnehmer mit den richtigen Qualifikationen werden von dieser Situation allerdings profitieren können: Arbeitgeber werden versuchen alles zu geben, um einen qualifizierten Bewerber für ihr Unternehmen zu gewinnen. Das kann in den Lohnverhandlungen zum Vorteil genutzt werden.

Vorteil besteht nur für bestimmte Fachkräfte

Besonders gesucht werden Kandidaten mit naturwissenschaftlichen oder technischen Abschlüssen. Aber auch ein souveräner Umgang mit der Digitalisierung ist gefragt. Und so kann theoretisch jede Art von Uni-Absolvent auf höheren Lohn hoffen. Wichtig sei es, praktische Kenntnisse zu sammeln und sich stetig weiterzubilden. Insgesamt könnten 11 Millionen Arbeitskräfte profitieren, was bei Weitem nicht alle sind. „Eine große Menge Menschen steht zur Verfügung, allerdings nicht mit den benötigten Qualifikationen“, schreibt Korn Ferry im Bericht. Das Gehalt von Arbeitnehmern ohne höhere Qualifikationen wird höchstens mit der Inflationsrate steigen. Zudem werden sich auch Unternehmen dem Wandel anpassen müssen, denn der Fachkräftemangel wird eine völlig neue Lohnpolitik für die betroffenen Gruppen bedeuten.

Deutschland im internationalen Vergleich vorn mit dabei

Weltweit gibt es nur vier Länder, in denen das Einkommen für Fachkräfte noch stärker steigen wird. In den aufstrebenden Stadtstaaten Hongkong und Singapur sind qualifizierte Kandidaten noch gefragter als hier und es stehen noch weniger zur Verfügung. In Australien liegt es hingegen an der Situation am Arbeitsmarkt selbst. Nur Japan hat mit dem gleichen demografischen Problem zu tun wie Deutschland.

Wie die vorangehende Grafik zeigt, werden die Löhne in anderen Nationen weniger ansteigen. Grund hierfür ist die Annahme einer großen Arbeitsmigration. So waren England und die USA schon immer attraktive Arbeitsländer für Fachkräfte aus dem Ausland. Ähnliches gilt für die Niederlande. Der Fachkräftemangel wird dort nicht so stark bemerkbar sein wie in Deutschland. Über Brasilien und Saudi-Arabien sagt Korn Ferry: „Die Arbeitsmärkte dieser Länder verfügen über ein größeres Potenzial an geeigneten Kandidaten.“ Die intensive Ausbildung und Förderung der dort lebenden Menschen wird einen Mangel an qualifizierten Arbeitnehmern verhindern. Das einzige Land mit einem Überschuss an Fachkräften wird Indien bleiben.

Die Folgen für die Wirtschaft

Staaten wie Hongkong, Singapur und Deutschland wird langfristig nur die Beziehung von Arbeitskräften aus dem Ausland übrig bleiben. Dies bedeutet gleichzeitig auch höhere Kosten für die deutsche Wirtschaft, welche sich 2030 bereits im dreistelligen Milliardenbereich befinden werden. Dieser Trend setzt sich in ganz Europa fort und wird auch nicht vor Amerika oder Asien halt machen. Betrachtet man die Summe aller Gehälter weltweit im Jahr 2030, so könnte die Zahl 2,5 Billionen Dollar über dem heutigen Wert liegen.

Um sich dem Wandel anzupassen, empfiehlt Korn Ferry, dass Unternehmen in die Talentförderung investieren. „Dazu bedarf es einer Bildungsoffensive innerhalb der Unternehmen und einem Neudenken von Weiterbildung“, so die Beratungsgesellschaft. Jedoch sollten die Prognosen mit Vorsicht genossen werden. Aussagen über den demografischen Wandel in vielen Ländern sind nicht zu widerlegen. Aber aktuelle Entwicklungen können die Vorhersagen von Korn Ferry zunichtemachen – seien es Brexit, internationale Konflikte oder ein erneutes unsinniges und unüberlegtes Dekret des US-amerikanischen Präsidenten Trump.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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