Geeignete Berufswahl: Leidenschaft ist wichtiger als Persönlichkeitsmerkmale

Fragende Blicke bei Verkündung deiner Berufswahl: „Das passt doch gar nicht zur dir!“ Doch Persönlichkeit ist nicht alles. Wir erklären, wieso Leidenschaft im Beruf wichtiger ist.

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Sie beginnen oft schon in frühester Kindheit: Die gutgemeinten Ratschläge von Verwandten oder Freunden zu unserer zukünftigen, beruflichen Laufbahn. Doch nicht nur Vorschläge werden gemacht, auch unsere eigens geäußerten Berufswünsche kommentiert und je nach Meinung befürwortet oder abgelehnt. Da fallen Aussagen wie: „Als Arzt bist du doch viel zu schüchtern!“ oder „Ein Programmierer sitzt den ganzen Tag im Büro, dazu bist du zu aktiv!“ Sätze, die schnell verunsichern und an dem beruflichen Traum zweifeln lassen. Passt der eigene Charakter wirklich zu dem ausgewählten Berufsbild?

John Boitnott warnt auf Inc.com davor, sich allzu schnell von solchen Einschätzungen verunsichern zu lassen. „Unsere Persönlichkeit ändert sich im Laufe unseres Lebens und die Anforderungen in einem Job können je nach Stelle ganz unterschiedlich sein. Wichtiger als die Persönlichkeit, ist die Leidenschaft für das, was man tut.

Leidenschaft als Motor für die Karriere

Natürlich ist es auch für die Karriere nicht unerheblich, ob man nun introvertiert oder extrovertiert ist, ein Fels in der Brandung oder jemand, der schnell einmal in die Luft geht. Dennoch bestimmt unsere Persönlichkeit alleine nicht darüber, in welcher Branche wir erfolgreich sind und in welcher wir scheitern, so Boitnott. Wenn wir uns für einen Beruf entschließen und diesen nicht nur als Mittel zum Geld verdienen, sondern als Berufung wahrnehmen, haben wir einen deutlich gewichtigeren Antrieb als eine wie ein Puzzlestück passende Persönlichkeit. Wir haben Leidenschaft. Sie lässt uns Ziele im Blick behalten und härter dafür kämpfen. Außerdem macht sie es uns leichter, über uns hinauszuwachsen. So bewältigen wir im Lauf unserer Karriere schließlich auch Aufgaben, die uns früher aufgrund unseres Charakters schwer gefallen sind. Der introvertierte Programmierer kann zum extrovertierten Verkäufer seines Programms werden, wenn er mit Leidenschaft dahinter steht. Und die unorganisierte Chaotin entwickelt Perfektionismus, wenn das neue Projekt besonders erfolgsversprechend ist.

Seine Nische finden

Auch wenn Leidenschaft einiges überbrücken kann, niemand sollte von sich selbst verlangen, sich für einen Job vollkommen zu verbiegen. Das bedeutet aber nicht, dass man den Traumberuf sofort aufgeben muss. Boitnott empfiehlt hier das Erstellen einer Pro- und Contra-Liste, die alle Vor- und Nachteile des Berufs aufzählt. Ist man auch danach noch immer entschlossen, die angestrebte Karriere zu verfolgen, gilt es als nächstes, eine geeignete Nische zu finden. Der introvertierte Arzt ist vielleicht gerade aufgrund seiner Charaktereigenschaft ein guter Beobachter und daher vor allem für Patienten prädestiniert, die sich nicht so gut äußern können. Kinderärzte dürfen durchaus introvertiert sein, denn ihre ruhige Art trägt oft zu einer höheren Feinfühligkeit bei. Und auch der extrovertierte und aktive Programmierer findet sein berufliches Glück, wenn er mit einem energiegeladenen und innovativen Team zusammenarbeitet, das kein Problem damit hat, dass der Kollege seine Inspiration bei aktiven Hobbies findet und nicht in einem Büro, brütend über der zehnten Tasse Kaffee.

Keine Angst vor Steinen

Zugegeben, ganz leugnen können auch wir nicht, dass passende Charaktereigenschaften und der richtige Beruf zusammen gewisse Vorteile haben. Statistiken zufolge sind Menschen, bei denen Persönlichkeit und Berufswahl günstig zusammenfallen, schneller erfolgreich im Beruf. Wer sich also für eine Karriere entscheidet, die nicht perfekt auf die eigenen Charaktermerkmale zugeschnitten ist, darf keine Angst vor Steinen haben, die ihm in den Weg gelegt werden. Hier gilt es schlichtweg, mehr Herzblut zu investieren.

Arbeitest du in einem Beruf, von dem dir andere aufgrund deiner Persönlichkeit abgeraten haben? Wir sind gespannt auf deine Erfahrungen.

Quelle: Inc

Über Linda Ewaldt

Linda Ewaldt

Linda Ewaldt hat in Hamburg Germanistik und Psychologie studiert und danach Redaktionsluft in kleinen Startups und großen Unternehmen geschnuppert. Seither ist sie freiberuflich tätig und ihre Spezialgebiete sind Karriere und Gesundheit. Am liebsten schreibt sie für OnlineMarketing.de Artikel, die beides miteinander verbinden.

Ein Gedanke zu „Geeignete Berufswahl: Leidenschaft ist wichtiger als Persönlichkeitsmerkmale

  1. drachenkind

    ich habe eine Leidenschaft, die seit Jahren in mir brennt und mein Blick auf das Leben komplett verändert hat und immer noch verändert. Es ist das fotografieren. Ich habe es nicht lernen können, weil meine eltern der Meinung waren, das hat keine Zukunft. Nein, ich musste koch lernen. Dabei habe ich komplett versagt. Logisch…kochen hat mich früher null interessiert…Später habe ich eine Ausbildung zur Floristin gemacht. Das war und ist kreativ und ich kann mit Kopf und Händen arbeiten. Doch im Laden stehen, schlecht bezahlt, mit Öffnungszeiten wie Feiertage, Samstage bis 18, 20 Uhr…womöglich noch Sonntage…wofür eigentlich? Mit den Jahren habe ich mich neben der Fotografie, dem Mediendesign zugewandt und in letzerem einiges an Erfahrung gesammelt. Leider nicht genug, aber jetzt habe die Chance eine Ausbildung in Sachen Mediendesign zu machen. Doch es hapert an der Finanzierung…..Jetzt bekomme ich ständig Angebote einen Floristikjob an zu nehmen, obwohl ich das 13 Jahre nicht mehr gemacht habe und ich es nicht aus tiefstem Herzen machen würde…Blumen lasse ich lieber stehen und den ganzen giftigen Kram, aus Afrika und sonst woher, wo von vornherein schon so viel Leid steckt anzufassen…nein, ich möchte etwas Gutes tun, etwas was weiter leben kann…eine kleine heile Welt schaffen mit meinen Bildern und Wörtern…Ich kämpfe gerade um meine Ausbildung, die im September losgehen soll und deren Einstellungstest ich ganz gut bestanden habe….Ich will nicht „in Arbeit sein“, ich will leben mit Herz und Hand und Verstand und etwas Schaffen, was die Welt ein kleines Stück besser macht…

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