Fluchen im Job – Das bringt es dir bei der Arbeit

Wer flucht und Kraftausdrücke am Arbeitsplatz verwendet, dem werden schnell eine schlechte Erziehung oder keine Manieren unterstellt. Doch fluchen im Job kann laut Wissenschaft durchaus seine Vorteile haben.

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Ein Arbeitstag bietet oft mehrere Möglichkeiten, um sich zu ärgern. Für gewöhnlich tendieren wir dazu, unseren Frust hinunterzuschlucken und einfach nichts zu sagen. Es gibt nur den ein oder anderen Kollegen, der seinem Ärger regelmäßig Luft macht. Dieser wird dann schnell „liebevoll“ als Choleriker bezeichnet. Doch es gibt Studien, die besagen, dass Fluchen im Job so seine Vorteile hat.

Warum fluchen Menschen überhaupt?

Verbal ausfällig zu werden, hat eine lange Geschichte. Bereits die Ägypter haben vor mehr als 3000 Jahren ihre Kraftausdrücke in ihre Steinwände gemeißelt. Und auch heute findet man sie in jeder Kultur. Menschen tun dies, um ihren Frust und Ärger abzubauen und um sich Luft zu machen. Dabei werden negative Emotionen abgebaut und die Gedanken sind wieder freier. Es hat also psychisch gesehen eine entlastende Wirkung

Fluchen im Job und seine Vorteile

Die Wissenschaft hat herausgefunden, dass jemand, der flucht, bei seinen Kollegen authentischer, ehrlicher und überzeugender wirkt. Das Fluchen im Job soll aber noch mehr positive Auswirkungen haben. Auch auf das gesamte Arbeitsumfeld soll es sich positiv auswirken. Dabei ist es jedoch wichtig, wem gegenüber man welche Worte verwendet. Drucker und Papier sind sicher geduldiger als Kollegen oder gar Vorgesetzte. Dort wirkt wohl doch eher ein klärendes Gespräch.

Fluchen im Job stärkt den Teamgeist

Eine britische Studie hat herausgefunden, dass es den Teamgeist fördert, wenn dem Ärger ab und an Luft gemacht wird. Der Grund liegt darin, dass Kraftausdrücke zwischen den Mitarbeitern als eine Art Bindeglied wirken. Frei nach dem Motto „Gewitter reinigen die Sicht“. Dadurch soll sowohl die Motivation als auch die Solidarität gefördert werden. Im Sinne von „Wir sitzen all im selben Boot.“ Jeder von uns ärgert sich manchmal, wobei oft auch starke Gefühle entstehen. Diese von Zeit zu Zeit rauszulassen, ohne jemanden zu beleidigen, kann sich förderlich auswirken.

Schmerzlinderung durch Schimpfen

Seine Emotionen zu äußern kann auch schmerzlindernde Wirkung haben. Dies zeigte sich bei einer britischen Studie. Inhalt der Untersuchung war folgender: Die Versuchsteilnehmer mussten ihre Hand in eiskaltes Wasser stecken. Dabei durften Teilnehmer ein vorher vereinbartes Fluchen ausdrücken oder ein neutrales Wort äußern. Das Ergebnis sprach eine eindeutige Sprache: Umso mehr geflucht wurde, desto höher war die Toleranz gegenüber Schmerzen.

Emotionen besser vermitteln durch Fluchen im Job

Wer flucht, der transportiert seine Botschaft mit Emotionen. Somit kommt der Inhalt bei seinem Gegenüber klarer an. Kraftausdrücke steigern die Intensität des Gesagten und man wirkt dabei authentisch, da es ehrlich gemeint ist. Vom Gehirn werden Kraftausdrücke dort abgespeichert, wo auch Emotionen gesichert werden. Diese liegen also nicht im selben Gehirnareal wie auch gewöhnliche Wörter.

Fluchen stärkt den Körper

Laut einer weiteren Studie soll Schimpfen auch den Körper stärken. Wenn Probanden vor Kraft- und Ausdauerübungen Flüche ausstießen, traten sie um beinahe fünf Prozent schneller in die Pedale. Sie fassten auch stärker zu: Ihr Handgriff überstieg jenen der Nicht-Flucher um etwa zwei Kilogramm. Woran das liegen könnte? Fluchen lässt einen Menschen in der Situation weniger nachdenken. Er denkt also in dem Moment weder an die Anstrengung noch an die Folgen von Überanstrengung.

Fluchen im Job: Warum wir es selten tun

In der Gesellschaft gibt es gewisse Umgangsformen, an die wir uns halten. Denn stell dir vor, jeder von uns würde seinen Emotionen permanent und augenblicklich Luft machen. Dabei käme nicht nur Chaos heraus. Es würde auch Beziehungen zerstören, jeglicher Respekt ginge verloren und Höflichkeit wäre nur noch ein Wort, das im Duden steht. Deshalb ist man gut beraten, seine Emotionen dennoch gut im Griff zu haben und sein Umfeld respektvoll zu behandeln.

Kommt es dennoch vor, dass dir Mal ein Schimpfwort über die Lippen kommt, dann versuche es, als normales Wort zu beenden, oder als neutrales zu formulieren:

  • Sch…eibenkleister
  • Sack…Zement
  • Sch…eibe

Auch wenn Studien besagen, dass Fluchen im Job sich positiv auswirken kann, hat es definitiv auch seine Schattenseiten. Wer viel schimpft, lenkt negative Aufmerksamkeit auf sich. Schimpfwörter wirken verstörend auf sein Gegenüber und sind nicht konstruktiv. Sie bringen die eigentliche Message nicht rüber. Wer sich regelmäßig daneben benimmt, kann auch schon seinen Job verlieren.

Wer sich zum Beispiel über jede Kleinigkeit aufregt, wird bald nicht mehr ernst genommen. Chronische Flucher können also auch vereinsamen und mitunter sogar depressiv werden. Das hat eine amerikanische Forscherin bei ihrer Studie herausgefunden. Deshalb gibt es auch andere Möglichkeiten, um mit Wut Menschen gegenüber umzugehen.

Fluchen im Job: Weitere Möglichkeiten

Wir sind nicht gefeit davor, uns aufzuregen. Der nächste nervige Kunde, anstrengende Chef, demotivierte Kollege oder kaputte Drucker kommt bestimmt. Doch wie können wir sonst reagieren, außer mit Kraftausdrücken? Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Tief durchatmen: Klingt simpel, hat aber enorm beruhigende Auswirkung auf Körper und Geist.
  • Schritt zurücktreten und erst Mal beruhigen: Wer in Rage ist, kann nicht fair und klar kommunizieren.
  • Situation verlassen: Manchmal bringt es nichts, in dem Moment zu verharren. „Der Klügere gibt nach.“
  • Erst einmal nichts sagen: Wer reagiert, agiert selten bewusst. Er lässt sich von seinen Emotionen steuern.
  • Geschehnisse analysieren und erst dann handeln: Was ist überhaupt passiert? Was hat dich so verärgert?
  • Ignoranz: Nicht alles und jeder hat deine Aufmerksamkeit verdient.

Fluchen im Job mag zwar die ein oder andere positive Komponente haben. Dennoch ist der langfristige Nutzen wahrscheinlich nicht so groß. Ein Drucker oder PC hat keine Gefühle – ein Mensch jedoch schon.

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