Floskeln oder kreative Werbefehltritte – Recruiting als Herausforderung

Wie sind Floskeln wie „attraktives Gehalt“ oder „ein dynamisches Team“ zu deuten und was für peinliche Recrutingmaßnahmen haben Firmen schon absolviert?

© Clem Onojeghuo - Unsplash

Stellenausschreibungen klingen in den meisten Fällen vielversprechend. Doch hinter gut klingenden Floskeln wie „Wir bieten Ihnen ein branchenübliches Gehalt mit wertvollen Benefits“ verbirgt sich nicht immer nur Positives. Neben aufgesetzten Phrasen im Recruiting finden sich auch Werbeplakate oder Videos im Rahmen der Personalsuche, die alles andere als eine Bewerbung nach sich ziehen werden. „Wir haben die dicksten Hupen, die längsten Schläuche und wollen mehr als nur ein kurzes Abenteuer!“ Ja, dieser Werbeslogan für eine Feuerwehr hat es tatsächlich auf Plakate geschafft. Unschöne Floskeln in Stellenanzeigen und die peinlichsten Recruiter-Werbeideen – eine Auswahl.

Floskeln – nichts als Euphemismen und leere Versprechungen?

Floskeln machen auch vor Stellenausschreibungen keinen Halt. Verschlüsselte Botschaften, die euphemistischen Charakter aufweisen, müssen den darin enthaltenen Versprechen im Arbeitsalltag nicht gerecht werden. Klar, dass Unternehmen sich in ihren Anzeigen als die einzig wahre Firma der Branche betiteln, das beste Team an der dortigen Adresse zu finden und die Bezahlung attraktiv oder überdurchschnittlich ist. Jobausschreibungen klingen immer toll. Aber genau das müssen sie schließlich auch, denn nur wenn Interessenten begeistert sind, bewerben sie sich und ausschließlich unter dieser Begebenheit ist der Zweck einer Stellenausschreibung erfüllt. Aber wie viel Wahrheit darf ein Bewerber den Floskeln einer Stellenausschreibung beimessen?

Die Gehaltsfrage – von angemessen bis überdurchschnittlich

In der WELT erklärt Karriereexpertin Claudia Bibo, dass Bewerbern oft nichts anderes übrig bleibe als zwischen den Zeilen zu lesen. Gerade auf Nuancen käme es an. Bei Gehaltsfragen ist die Formulierung eines „attraktiven“ oder „angemessenen Gehalts“ relativ leer und subjektiv deutbar. Im Gegensatz dazu stehe aber die Angabe, dass den Bewerber ein überdurchschnittliches Gehalt erwarte. Diese Formulierung ist konkret und stellt einen höheren Lohn in Aussicht.

Auch die Formulierung „Dich erwartet ein branchenübliches Gehalt mit tollen Benefits“ klingt zunächst positiv. Benefits wie gratis Obst und Kaffee auf der Arbeit sind schließlich ein großes Plus, eine Auszeit am Kicker oder an der Dartscheibe kann entspannend sein. Dennoch könnte man diese Aussage zynisch auch übersetzen mit „schlechte Bezahlung, aber dafür gibt es ab und an einen Apfel extra“.

Flache Hierachien in einem dynamischen Unternehmen – heißt was?

Flache Hierachien können gerade für junge Bewerber ein wichtiges Kriterium sein und Arbeitgeber wissen, dass dieser Faktor attraktiv auf Neulinge wirkt. Ob diese Aussage der Arbeitsalltagsrealität entspricht, kann nicht nachgeprüft werden. Wenn diese Angabe an die Wahrheit anknüpft, bedeutet das aber auch, dass alle Angestellten ein ähnliches Pensum an Verantwortung tragen und regelmäßig Entscheidungen treffen müssen.

Im Zusatz lässt sich oft die Floskel finden, dass das Unternehmen ein dynamisches sei. Was aber macht eine dynamische Firma aus? Sie wächst in einem schnelleren Tempo, bietet dadurch eventuelle Aufstiegschancen. Die Angestellten sind agil, fit, schnell und passen sich an. Aber beim zweiten Blick schwingt bei der  Beschreibung „dynamisch“ auch ein chaotischer Beigeschmack mit. Diese Floskel kann vieles bedeuten, letztendlich klingt sie im ersten Moment einfach gut und zeitgemäß. Und das ist schließlich das Ziel von Stellenausschreibungen – gut zu klingen und Interesse zu wecken.

Bewerbungsgespräch nutzen, um persönlichen Eindruck zu gewinnen

Generell gilt, dass man Angaben in Stellenausschreibungen zwar deuten, aber nicht überinterpretieren sollte. Wenn die potentiellen Aufgaben der Firma dich als Interessenten ansprechen, lohnt es sich im Rahmen eines Bewerbungsgesprächs die Personen hinter dem Unternehmen näher kennenzulernen und mögliche unklare Aspekte, die nicht aus der Anzeige hervorgehen, zu klären. Denn die Angaben in den Stellenanzeigen müssen keineswegs alles leere Versprechungen und euphemistische Formulierungen sein.

Recruiting, das keinen Erfolg nach sich zieht

Neben typischen Stellenausschreibungen müssen Firmen immer kreativer werden. Denn Personal- und Fachkräftemangel bereiten nicht nur den jeweiligen Branchen, sondern auch Werbern Kopfzerbrechen. So wurden in der Vergangenheit schon einige Jobs nachhaltig beworben, wobei sich diese Nachhaltigkeit in einem negativen Eindruck bewährte. Der SPIEGEL hat einige Werbefehltritte gesammelt, in denen die Recruitingmaßnahmen besonders glänzen.

In den vergangenen Jahren wurde sogar der Preis Die Goldene Runkelrübe für die herausragend schlechteste Werbekommunikation verliehen. An dieser Adresse lassen sich jede Menge misslungene Social Media-Auftritte, haarsträubende Werbevideos und komische Stellenanzeigen finden.

Eineinhalb Stunden Brainstorming und die Werbekampagne der Feuerwehr Dormagen stand fest.

Besonders wenn Unternehmen das Bewerben für freie Jobs selbst in die Hand nehmen, kann die Professionalität leicht entgleisen, wie das obige Werbeplakat der Feuerwehr in Dormagen zeigt. 2014 suchte die Feuerwehr nach neuen Mitgliedern in ihrem Team. Mit der Anmerkung, dass sie die „dicksten Hupen“ und die „längsten Schläuche“ hätten, versuchten sie bei interessierten Bewerbern zu punkten. Die Feuerwehrchefin bestätigte, dass die Kampagne kostengünstig innerhalb eines Brainstormings zustande gekommen sei. Festgefahrene Rollenbilder und sexistische Entgleisungen – vielleicht nicht die beste Idee, um nach neuen Mitarbeitern zu werben.

Auch die rappenden Auszubildenden der Sparda-Bank erlangten 2012 große Aufmerksamkeit mit ihrem Video, in dem sie verdeutlichten wie lässig die Arbeit als Bankangestellter sei. Der mitreißende Text und der Flow der raperfahrenen Darstellerinnen bleibt auf jeden Fall im Ohr.

Nobody’s perfect – auch Recruiter nicht

In Stellenausschreibungen zwischen den Zeilen lesen oder den Anblick schlimmer Werbefehltritte ertragen müssen. Sowohl Jobsuchende als auch nach Verstärkung suchende Arbeitgeber haben es bei Bewerbungen und Recruiting nicht leicht.

Bei Jobanzeigen gilt es für Interessenten auf Nuancen zu achten und sich bei Interesse ein näheres Bild im Bewerbungsgespräch zu verschaffen. Und die Missgeschicke der Unternehmen beim Recruiting halten nervösen Bewerbern vielleicht vor Augen, dass auch der Gegenseite Fehler unterlaufen können.

Über Maja Hansen

Maja Hansen

Seit 2017 unterstützt Maja die Redaktion von OnlineMarketing.de. Dabei widmet sie sich primär dem Karrieremagazin mit den Themenfeldern rund um Jobs und Karriere, schreibt aber auch über digitales Marketinggeschehen.

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