Feudalherren und Hipster: 7 lustige Kununu-Bewertungen zu New Work

New Work klingt schön, an der Umsetzung hapert es jedoch. Auch auf Kununu haben Mitarbeiter Meinungen zur Arbeit 4.0. Doch nicht alles Neue ist automatisch schlecht.

© Kununu

New Work – wir alle kennen das Thema inzwischen. Man kann sich ihm auch gar nicht entziehen, zumindest nicht, wenn man sich regelmäßig mit unserer Arbeitswelt beschäftigt. Diese befindet sich im stetigen Wandel, neue Konzepte und neue Arbeitsweisen werden täglich vorgestellt. Wir selbst haben auch schon häufig New Work-Themen aufgegriffen und erläutert. Doch wie sieht es nun in der Praxis aus? Wird New Work gut umgesetzt und noch viel wichtiger – von den Arbeitnehmern auch gut aufgenommen? Oder ergeben sich aus ihr mehr Ärgernisse als Vorteile aus ihr? Die folgenden Kununu-Bewertungen hinsichtlich New Work am Arbeitsplatz geben einen kleinen Einblick in die Realität:

1. Benefits sind nicht zu unterschätzen

Man hat die Möglichkeit, auf einem bequemen Sofa einen Mittagsschlaf zu halten.

Zugegeben, eigentlich ein schöner Gedanke, oder? Wer von uns träumt nicht ab und zu davon, ein verdientes Mittagsschläfchen auf der Arbeit zu halten? Doch so schön wie Benefits und die Sorge des Arbeitgebers um das Entspannungslevel der Angestellten auch sind: Wenn ein Schlafsofa das einzig Erwähnenswerte an einem Unternehmen ist, läuft wohl doch etwas falsch. Zumal ein Sofa für alle Mitarbeiter dann doch etwas wenig erscheint.

Unser Tipp: Dafür sorgen, dass die Mitarbeiter ihr Mittagstief anders überwinden, beispielsweise durch ein gesundes, energiereiches Lunch-Angebot. Und wenn das nicht geht, dann bitte mehr Schlafsofas besorgen.

2. An der Umsetzung hapert es oft

Hätte man so in Silicon Valley gehandelt, würde man dort heute nur Wüste vorfinden.

Aus dieser Bewertung wird eines klar: So schön New Work Konzepte auch klingen, sie sind nicht immer einfach umzusetzen. Und nicht alle Trends, die aus dem Silicon Valley kommen, lassen sich in jedem Unternehmen anwenden. Nun erfahren wir leider nicht genau, woran es in den Augen dieses Arbeitnehmers gehapert hat. Vorstellbar wären Fehler im Entscheidungsmanagement, zu denen es schnell kommen kann, wenn alle Seiten mitbestimmen können, daraus jedoch kein Konsens entsteht. Oder das Delegieren von Aufgaben falsch verstanden wurde und sich plötzlich niemand für ein bestimmtes Problem verantwortlich fühlt.

Unser Tipp: Eine 180 Grad Wende der Unternehmenskultur und -struktur ist nicht von jetzt auf gleich möglich. Alle Änderungen sollen nach und nach eingeführt und vor allem auch evaluiert werden – Andernfalls wird aus Silicon-Valley-Atmosphäre schnell Sahara-Dürre.

3. Einstein oder Höhlenmensch? Es ist ein schmaler Grat

Wenn man die Toiletten sieht, wundert man sich, dass man hier die moderne Elite sein will.

Ein nicht ganz unbegründeter Einwand dieses Bewerters. Wer sich modern, weltoffen und hoch qualifiziert darstellt, dem sollten die Gepflogenheiten unserer Gesellschaft bekannt sein. Und dazu gehört auch, sich auf dem Pott nicht wie ein Dreckspatz zu benehmen. Ein anderer Blick auf diesen Sachverhalt könnte wie folgt gedeutet werden: Viele Arbeitgeber wissen gar nicht, was modern ist – und was schon lange out. Tatsächlich gibt es Unternehmen, die sich dem Fortschritt stellen wollen aber trotzdem noch Windows Vista als Betriebssystem nutzen und Flyer in Comic Sans drucken. Oder Personaler, die denken, gute MS Office-Kenntnisse wären heute immer noch ein herausragendes Merkmal für Bewerber. Den meisten von uns dürfte bewusst sein, das dem nicht so ist.

Und wer beim Lesen gerade aus allen Wolken gefallen ist – hier unser Tipp: Weiterbildungen, Weiterbildungen und noch mehr Weiterbildungen. Sowohl für die Chefetage als auch die Mitarbeiter. Vergesst außerdem nicht, euch stetig über die Veränderungen eurer Branche zu informieren und festzustellen, an welchen Stellen es Handlungsbedarf gibt. Heißt im Klartext: Schreibmaschinen haben in euren Büros nichts zu suchen – außer das Unternehmen besteht zu 90 Prozent aus Hipstern.

4. Was du heute kannst besorgen, das verschiebe stets auf morgen

Langweilig wird es nicht. Jeden Tag wird etwas getestet, verworfen und die Weltherrschaft angestrebt.

Zugegeben, diese Bewertung ist gar nicht so kritisch. Im Gegenteil, ein Arbeitsplatz, an dem es niemals langweilig wird, ist durchaus wünschenswert. Und auch das Streben nach der Weltherrschaft muss ja nicht zwingend negativ sein – Pinky und Brain lassen grüßen. Und auch das hier beschriebene Vorgehen gehört zur New Work und kreativen Prozessen im Allgemeinen. Um ein Projekt zum Erfolg zu machen, muss man meist herumprobieren und den ursprünglichen Plan über den Haufen werfen. Ähnlich ist es auch bei der Einführung von New Work-Konzepten. Passiert dies jedoch ständig, kann es die Nerven der Mitarbeiter erheblich strapazieren. Besonders dann, wenn das Projekt schon weiter fortgeschritten ist.

Unser Tipp: Verschiedene Ideen zunächst abwägen und dann für einen Weg entscheiden, anstatt wild drauf los zu experimentieren. Und immer dran denken: Jeder Rückschlag macht euch stärker und bringt euch einen Schritt näher an die Weltherrschaft heran.

5. Mitarbeiter sind unser größtes Gut… glaube ich

Buch 1: Wie baue ich trotz steigendem Umsatz effektiv Personal ab.

Und auch diese Bewertung spricht Bände. Hierbei geht es vermutlich um ein Problem, das oft mit New Work verbunden ist. Eigentlich soll die ausgewogene Work-Life-Balance der Mitarbeiter im Fokus stehen, doch in der Realität führt die falsche Einführung von Arbeit 4.0 dazu, dass die Arbeitnehmer mehr Überstunden machen und ständiger Erreichbarkeit ausgesetzt sind. Hinzu kommt oft noch ein erhöhter Performance-Druck, wodurch viele Mitarbeiter in ihrer Freizeit nicht richtig abschalten können. Das Resultat sind physische und psychische Probleme und oftmals auch die Kündigung. Und das, obwohl es dem Unternehmen wirtschaftlich gut geht.

Unser Tipp: Ohne Mitarbeiter ist ein Unternehmen nichts wert, egal, wie gut die Idee ist. Setze als Arbeitgeber also das Wohl deiner Angestellten also an erste Stelle – andernfalls lautet der Titel von Buch 2 „So melde ich Insolvenz an“.

6. Delegieren will gelernt sein

Alle Prozesse sind nach dem Feudalherrenprinzip aufgebaut.

Diese Bewertung überrascht die meisten von uns wohl am wenigsten. Viele Arbeitgeber versuchen New Work in ihr Unternehmen einzubringen, vergessen darüber hinaus aber, dass dazu auch New Management gehört. Flache Hierarchien, Transparenz, kurze Entscheidungswege und das Abgeben von Verantwortungen gehören schlichtweg dazu. Doch besonders letzteres fällt vielen Chefs schwer. Sie fürchten sich davor ihre Machtposition zu verlieren und behindern dadurch Mitarbeiter und Unternehmen an der Weiterentwicklung.

Unser Tipp: Versucht es. Gebt euren Angestellten mehr Verantwortung und die Chance sich zu beweisen. Ihr werdet feststellen, dass euch damit eine Last von den Schultern genommen wird und sich gleichzeitig das Arbeitsklima verbessert. Wer jedoch weiterhin am Feudalismus festhält, sollte sich auf eine Revolution der Leibeigenen vorbereiten.

7. Festivals am Arbeitsplatz

Man sollte keine Hipster einstellen, die gerade von einem Housefestival kommen.

Müssen wir denn immer auf den armen Hipstern rumhacken? Und mal Hand aufs Herz, einige von euch saßen mit Sicherheit auch schon verkatert am Arbeitsplatz. Aber zugegeben, manchmal prallen Typen von Mitarbeitern aufeinander, die so gegensätzlich erscheinen, dass sie unmöglich zusammen arbeiten können. Oder? Eigentlich ist Diversität etwas Gutes und sie beinhaltet auch unterschiedliche Wertevorstellungen und Lebenseinstellungen. Um nun also die verschiedenen Gruppierungen zusammenzubringen, erfordert es verschiedene Faktoren. Zum einen ist natürlich gegenseitiger Respekt unter den Mitarbeitern das A und O. Gleichzeitig kann der Arbeitgeber den Prozess aber auch unterstützen. Am wichtigsten dabei ist es, ein gemeinsames Ziel zu formulieren, dass allen Mitarbeitern bekannt ist und nach welchem sie streben.

Unser Tipp: Zeigt euren Angestellten auf, wieso ihre Arbeit wichtig ist, was sie zum Gesamtprojekt beitragen und wie die Zusammenarbeit mit anderen dabei ebenfalls hilft. Und wenn das nicht klappt, versucht es doch mal mit einem gemeinsamen Festivalbesuch als Teambuilding-Maßnahme.

New Work verdient trotz dessen eine Chance

Wie man sieht, ist New Work kein Konzept, dass sich von jetzt auf gleich anwenden lässt. Zunächst bedarf es ein Umdenken – nicht nur aufseiten der Arbeitgeber, sondern auch der Arbeitnehmer. Denn auch diese müssen an das neue Arbeiten herangeführt werden, die Vorteile erkennen und verstehen, worum es eigentlich geht. New Work soll kein Aushängeschild fürs Unternehmen sein – man sei ja ach so hipp und modern. Nein, sie soll dabei helfen, ein angenehmes Arbeitsklima zu schaffen, in dem produktiv gearbeitet wird und gleichzeitig die Bedürfnisse der Arbeitnehmer respektiert werden. Und dieses Ziel ist doch trotz aller Kritik wünschenswert. Oder?

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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