Expats in Deutschland: Arbeitsleben Top, Eingewöhnung Flop

Der Expat Insider Report zeigt, dass das deutsche Arbeitsleben attraktiv ist, das Einleben jedoch nicht. Arbeitende aus dem Ausland fühlen sich nicht willkommen.

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Erneut hat InterNations in einer aufwendigen Studie mit über 20.000 Expats aus 187 Nationen untersucht, in welchen Ländern es sich am besten arbeiten (und leben) lässt. In verschiedenen Kategorien mussten die Teilnehmer das Land, in dem sie derzeit arbeiten, auf einer Skala von eins bis sieben bewerten. Insgesamt werden in dem Ranking 64 Länder betrachtet. Natürlich wurde dabei auch Deutschland nicht außen vor gelassen. Während bei uns das „Arbeiten im Ausland“ äußerst positiv bewertet wird, werden Eingewöhnung und Digitale Infrastruktur als wahrer Reinfall gesehen.

Positive Aspekte für Expats in Deutschland

Im Gesamtranking liegt Deutschland mit Platz 33 im Mittelfeld. Betrachtet man jedoch nur den Gesichtspunkt „Arbeiten im Ausland“ kann hier sogar der vierte Platz erreicht werden. Geschlagen wird Deutschland nur von Vietnam, Tschechien und Luxemburg. Expats schätzen vor allem die deutsche Wirtschaftslage und die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes. Letzteres bewerten 72 Prozent der Befragten als gut, während der globale Durchschnitt gerade einmal bei 59 Prozent liegt. Eine Studienteilnehmerin aus Portugal sagt:

Ich liebe die großartige Wirtschaftslage, das Bildungsniveau und wie leicht es ist, hier Arbeit zu finden.

In der Unterkategorie Karrierechancen und Arbeitszufriedenheit verpasst Deutschland mit Platz 11 nur knapp die Top Ten. Zufrieden sind insgesamt 69 Prozent der Befragten und gelobt werden besonders die „korrekte Arbeitskultur“ und die Chancenvielfalt. Was „Arbeit und Freizeit“ angeht, ergattert Deutschland einen mäßigen Platz 17, liegt aber dennoch über dem globalen Durchschnitt. Und so schlecht sehen die Bewertungen auch nicht aus. 72 Prozent bewerten ihre Arbeitszeiten positiv. Mit ca. 41 Stunden pro Woche liegt diese zwei Stunden unter dem weltweiten Durchschnitt.

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Negative Aspekte für Expats in Deutschland

Doch natürlich gibt es auch Schattenseiten in Deutschland. Besonders die digitale Infrastruktur lassen Expats glatt durchfallen. Kein Wunder: In vielen Ländern der Welt gibt es selbst an den abgelegensten Orten Highspeed Internet und Hotspots, während Deutschland es nicht einmal schafft, für Netz auf den Autobahnen und WLAN in den Öffis zu sorgen. Die Verkehrsinfrastruktur hingegen gilt tatsächlich als gut, auch wenn Expats schnell festgestellt haben dürften, dass die (laut Klischee) deutsche Pünktlichkeit nicht auf die Bahn zutrifft.

Und wie bereits in den Rankings der letzten Jahre floppt Deutschland auch beim Thema Eingewöhnung. Hier belegt es nur Platz 60. Vielen Expats fällt es schwer, sich in Deutschland zuhause zu fühlen. Sie finden nur schwer Freunde und kritisieren auch mangelnde Freundlichkeit. Diese Bewertung überrascht nicht, betrachtet man die ausländerfeindlichen Tendenzen, die in weiten Teilen des Landes zunehmen und durch jüngste Wahlergebnisse noch einmal bestätigt wurden. Dabei ist es dann den meisten auch egal, ob es ein Flüchtling oder eine Fachkraft ist – die Ablehnung des Anderen bleibt omnipräsent. Gleichzeitig muss dazu gesagt werden, dass diese Tendenzen nicht auf alle Menschen in Deutschland zutreffen und ein Großteil der Bevölkerung durchaus weltoffen und divers ist. Doch oft ist es das Negative, was den Menschen im Gedächtnis bleibt.

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Wo arbeitet es sich nun am besten?

Der Expat Insider Report ist eine gute Möglichkeit für künftige Expats, sich zu orientieren und für die passende Destination zu entscheiden. Besonders gute Karrierechancen gibt es zum Beispiel in Vietnam, Taiwan und Tschechien, ebenso wie in den USA und Australien. Gleichzeitig bietet der Report deutschen Arbeitgebern die Möglichkeit zur Reflexion: Was könnten sie verbessern, um beispielsweise Expats bei der Eingewöhnung zu unterstützen? Insgesamt lässt sich sagen, dass Deutschland in den letzten Jahren im Ranking immer weiter aufstieg. Dennoch bleibt die Kategorie Eingewöhnung traditionell schlecht. Um den deutschen Arbeitsmarkt also auch für Expats attraktiv zu gestalten, was beim vorherrschenden Fachkräftemangel von Vorteil wäre, muss an der Mentalität der Deutschen gearbeitet werden. Gleichzeitig könnten kleine Welcome Incentives und Buddy-Programme für Expats das Einleben und Ankommen erleichtern. An dieser Stelle sollten Arbeitgeber sich für den Mehraufwand entscheiden.


Wer an weiteren interessanten Ergebnissen von InterNations interessiert ist oder noch eine Entscheidungshilfe braucht, sollte einen Blick auf unsere anderen Artikel zu dem Thema werfen:

Teil 1Hohe Mieten, schwere Eingewöhnung – Deutsche Städte sind bei Expats unbeliebt

Teil 2Bessere Chancen im Ausland: Die 10 beliebtesten Länder bei weiblichen Expats

Teil 3Estland rockt die Digitalisierung – Deutschland geht gnadenlos unter

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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