eSports als Beruf in China akzeptiert – Welche Chancen haben Gamer in Deutschland?

In China sind gerade zwei Berufsbezeichnungen für eSports anerkannt worden. Doch wie sieht die Branche in Deutschland aus? Eignet sich dieser Job für Viele?

eSports wird zum Berufsbild, © Team North

Mit Gaming hunderttausende Euro verdienen, das Hobby zum Beruf machen: davon träumen Viele. Während eSports zusehends als Sport und nach und nach auch als Berufsbild anerkannt wird, bleibt die Erkenntnis, dass es eine hart umkämpfte Branche ist, die einen komplizierten Einstieg bietet. Allerdings wird der Markt weiter wachsen.

eSports bietet in China nun zwei Berufsgruppen

In China, wo das Gaming einen hohen Stellenwert genießt, wurden Anfang 2019 zwei neue Berufsgruppen vom Ministry of Human Resources and Social Security anerkannt. Beide beziehen sich auf eSports. Zum einen werden aktive Spieler als professionelle Arbeitnehmer anerkannt, zum anderen auch die Operatoren, die Veranstaltungen der Sportart organisieren. The Esports Observer berichtet, dass China seine eSports-Industrie auf diese Weise weiter stärken möchte. Allerdings könnte es zwischen dem Ministerium und dieser Industrie zu einem Missverständnis gekommen sein. Denn Account Boosting, das eigentlich streng verboten ist in der Szene, wird als einer der Hauptbestandteile dieser Berufsgruppen dargestellt. Große Games wie Playerunknown’s Battlegrounds (PUBG) planen in China weitere Engagements. PUBG beispielsweise wird dort gleich drei Ligen anbieten.

Doch während das Phänomen – das schon lange Bestand hat und nun immer gesellschaftsfähiger wird – insbesondere in Asien und Nordamerika immer mehr zu einer auch wirtschaftlichen Größe anwächst, stockt die Entwicklung in Europa und Deutschland noch. Können Gamer auch hierzulande vermehrt mit der Chance rechnen, sich als eSport-Profi den Lebensunterhalt zu verdienen?

Nur wenige Spieler verdienen viel Geld – und es ist unklar für wie lange

Guillaume Patry, der 1999 StarCraft-Weltmeister wurde, erklärt bei Sport1, dass nur 0,1 Prozent der Gamer ihrem Traum vom Beruf in der eSports-Branche nahekommen.

Es ist nichts, wofür man seine Ausbildung oder Beruf aufgeben sollte. Wenn es passiert, passiert es einfach,

so sein Fazit. Auch die Website Studycheck stuft die Möglichkeiten als schwierig ein. Immerhin gibt es bislang wenige Ausbildungswege, die Menschen zu eSports-Profis machen. Darüber hinaus fehlt einerseits eine finanzielle Sicherheit, wenn es keinen Arbeitgeber gibt, der ein klar definiertes Gehalt zahlt. Andererseits wird die Dauer einer Karriere in diesem Bereich nur auf wenige Jahre beziffert. Dazu kommt, dass der Beruf sicher nicht jedem liegt – selbst wenn er für sein Leben gern zockt. Denn Disziplin ist dabei extrem wichtig. Stundenlanges Training ist nur eine Komponente, es geht um taktische Schulungen und Durchhaltevermögen.

Die Aussicht von Patry könnte aber etwas zu pessimistisch sein, auch wenn der Weg zum Profi im eSports sehr kompliziert ist. Immerhin bietet die ad hoc gaming GmbH seit 2018 Duales Gaming an, was wie ein Duales Studium die Ausbildung zum Gamer und zum Dienstleister umfasst.

Die Spieler arbeiten täglich 4 Stunden in einem Arbeitsbereich der ad hoc Gruppe. Um berufliche Interessen zu wecken und zu vertiefen, unterstützen sie verschiedene Dienstleistungsprozesse der Energiewirtschaft, soweit möglich an ihre Interessen und Fähigkeiten angelehnt. Die zweite Tageshälfte verbringen sie im Leistungszentrum der adhoc Gaming, um ihre sportlichen Leistungen weiter zu trainieren. Neben den notwendigen Fähigkeiten als Spieler liegt großes Augenmerk auf der persönlichen Entwicklung jedes Einzelnen.

Zwar mag dieses Projekt bislang recht allein dastehen – doch es wird nicht das letzte seiner Art sein.

eSports zieht die Massen an – die deutsche Politik ist aber zögerlich

Welche Faszination eSports als Sport- und Entertainment-Branche bereits hat, zeigen zum Beispiel Besucherzahlen. Zehntausende sahen sich im Herbst 2018 in Hamburgs Barclaycard Arena das ESL One-Turnier an. Dort gab es, wie gerade bei der Version in Katowice, 125.000 US-Dollar Preisgeld für die Sieger bei DOTA 2 – in diesem Fall Team Secret, das aus China kommt. Neben den Fans vor Ort schauen hunderttausende solche Turniere. Doch auch das Tagesgeschäft der Spieler und Profis wird über Twitch, YouTube Gaming und Co. vielfach verfolgt. Und längst monetarisiert.

Bis 2021 rechnet man damit, dass der Markt 1,65 Milliarden US-Dollar Wert sein wird; wobei sich diese Schätzung wohl schon bald nach oben korrigieren lassen muss. Goldman Sachs geht bereits von drei Milliarden aus.

Der Umsatz im eSports-Markt von 2015 bis 2021, © Statista

Die Optionen für Spieler sind vielfältig, denn DOTA 2 und League of Legends sind neben EAs FIFA nur einige Spiele, die für die immer breitere Massen an Fans und Interessierten von Belang sind. Wie sehr eSports in die Monetarisierung und die Wirtschaft eingebunden werden kann, zeigt etwa das Beispiel des Team North. Entstanden aus einer Kooperation zwischen dem Fußballverein FC Kopenhagen und Nordisk Film, Skandinaviens größtem Medienunternehmen, hat das Team nicht nur zahlreiche Sponsoren für seine Spieler, sondern eine groß angelegte Akademie erstellt. Die Dokumentation ROAR gibt mehr über das Leben der Mitarbeiter und Spieler preis.

eSports ist also in der Mitte der Gesellschaft angekommen und etabliert sich Stück für Stück auch als Beruf.

Dennoch hatten in Deutschland zuletzt der Deutsche Olympische Sportbund sowie nun auch CDU und SPD der Sportart die Anerkennung als solche verweigert. Das kann aber nur eine Intoleranz von kurzer Dauer sein, denn eSports wird sich langfristig als Entertainment festsetzen – und als Sport. Daher werden einige Menschen hier auch ihren Beruf finden. Vor allem jene, die schon früh in entsprechenden Akademien aufgenommen werden. Der Fußballclub Hertha BSC hat bereits eine solche eSports-Akademie.

Doch bei diesem zugegebenermaßen prekären Berufsbild gilt, dass eine mehrgleisige oder zukunftsgerichtete Ausbildung vonnöten ist, um langfristig abgesichert zu sein. Es sei denn, ihr gehört zu den besten der Welt oder könnt euch derart gut vermarkten, dass ihr über Werbeeinnahmen zu Geld kommt. Doch auch solche Höhenflüge können von kurzer Dauer sein. Für Viele wird der Beruf eSports also ein Traum bleiben. Allerdings kein völlig ungreifbarer. Die entsprechende Unterstützung muss jedoch schon früh erfolgen.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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