Von Chef und Kollegen übergangen? So verschaffst du dir Anerkennung

Deine Ideen werden nicht gehört und bei Beförderungen wirst du nicht berücksichtigt? Das muss nicht sein. Durch diese Schritte wirst du endlich gehört.

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Hattest du je das Gefühl, dass du von Chef und Kollegen nicht ernst genommen wirst? Deine Vorschläge finden kein Gehör? Du wirst bei Entscheidungen oder Gehaltsverhandlungen übergangen? Damit bist du nicht allein. Übergangen zu werden ist nicht nur ein Problem von eher introvertierten Persönlichkeiten, sondern kann selbst die motiviertesten und kompetentesten Mitarbeiter betreffen. Und einmal in diesem Teufelskreis gefangen, kommst du nur schwer wieder hinaus. Deshalb möchten wir dir Wege zeigen, um endlich wahrgenommen zu werden und die Anerkennung zu erhalten, die du verdienst. Dafür haben wir uns zwei typische Szenarien des Übergehens ausgesucht und genauer beleuchtet.

Szenario 1: Du wirst im Arbeitsalltag unterschätzt

Manche Arbeitnehmer kämpfen damit, dass sie sich nicht ernst genommen fühlen. Sie arbeiten wie verrückt und sind die fleißigen Arbeiterbienen, die den Laden am Laufen halten. Und trotzdem werden sie in Meetings und Gesprächen nicht für voll genommen und übergangen. Die erste Reaktion darauf ist entweder a) der Betroffene versucht seine Leistung immer weiter zu erhöhen und setzt sich Stress und Leistungsdruck aus, oder b) gibt auf und verlässt das für ihn ungerechte Arbeitsumfeld. Beide Lösungen sind nicht zwingend gut, denn übergangen zu werden hat nicht immer mit böser Absicht zu tun. Ein neues Team-Mitglied muss sich beispielsweise oft erst den Respekt der anderen Kollegen erarbeiten und verdienen.

Versuche mit deinem Können zu überzeugen

Klingt banal, bringt aber viel. Zeige bei der Arbeit, was du auf dem Kasten hast. Wenn du dich in deinem Themengebiet regelmäßig weiterbildest und auf dem neusten Stand bleibst, kannst du ein wertvoller Experte für die Firma werden. So kannst du mit deinem Wissen beispielsweise deine Kollegen unterstützen und ein genereller Ansprechpartner werden, wodurch du nicht nur Respekt, sondern auch Vertrauen bekommst. Und übrigens gilt ähnliches für Meetings: Sei aufmerksam dabei, frage bei Unverständnis nach und sprich Zweifel oder Zustimmung zu Ideen aus. Proaktives Vorgehen bringt dir mehr, als unsicher ins stottern zu geraten, wenn du doch einmal direkt angesprochen wirst.

Gib dich selbstbewusst und kenne den Wert deiner Arbeit

Du weißt, was du kannst? Bist von deinem Können und Wissen überzeugt? Dann zeige dies auch nach außen. Selbstbewusst auftreten ist nicht für jeden einfach, doch ein paar kleine Tricks können dir dabei helfen. Wie so oft gilt hierbei: der Ton macht die Musik. Um selbstbewusster zu wirken, sollte deine Ausdrucksweise klar und frei von relativierenden Aussagen sein. Mach aus „Vielleicht könnten wir versuchen…“, lieber, „Wir sollten ab sofort …“. Und achte dabei ebenso auf deine Intonation. Lasse deine Sätze auch wirklich mit einem Punkt enden und gehe mit deiner Stimme nicht höher, denn so wird aus deiner Aussage schnell eine Frage. Abgesehen davon kannst du auch versuchen dich aktiv sichtbar zu machen. Sitze in Meetings relativ mittig und halte immer Blickkontakt, wenn du mit jemandem sprichst. Durch eine offene Körperhaltung nimmst du außerdem Raum ein.

Vertrauen braucht Zeit

Gehörst du zu denen, die das Gefühl haben in ihrem neuen Team unterzugehen, gib deinen Kollegen Zeit. Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit wollen sie dich nicht absichtlich ausschließen. Sie kennen dich schlichtweg noch nicht. Vertrauen kommt mit der Zeit, also sei offen, zeige ehrliches Interesse an deinen Kollegen, beteilige dich an Gesprächen und sei vor allem hilfsbereit. Irgendwann wird dein Team bemerken, dass du ebenfalls ein verlässlicher Kollege bist und ehe du dich versiehst, gehörst du dazu. Dass ein Zusammengehörigkeitsgefühl nicht immer und mit jedem entwickelt werden kann, sollte dir dennoch bewusst sein.

Szenario 2: Du wirst bei Beförderungen übergangen

Eine andere Situation, in der sich viele Arbeitnehmer befinden: Es geht im Unternehmen darum, Rollen neu zu verteilen und beispielsweise einen neuen Abteilungsleiter zu bestimmen. Du bist fleißig, zeigst viel Einsatz und deine Kollegen können immer auf dich zählen. Doch am Ende wirst du bei der Auswahl der neuen Führungskraft nicht einmal beachtet. Das Ganze kann frustrierend auf dich wirken und Selbstzweifel auslösen. Doch keine Sorge – auch aus dieser Misere führt ein Weg hinaus.

Das Problem ist dein Ehrgeiz

Es klingt verrückt, doch die Ursache für diese Art des Übergehens ist häufig, dass du zu wertvoll bist. Doch was ist damit gemeint? Nun, dein Chef ist sich sehr wohl bewusst, was du leistest und wie viel du zu den Erfolgen deines Teams beiträgst. Vermutlich denkt dein Arbeitgeber auch zunächst daran, dich für eine Beförderung in Betracht zu ziehen. Doch bekommst du eine neue Rolle und damit verbunden neue Aufgabenbereiche, muss er einen Ersatz für dich in deinem alten Team finden. Jemanden, der genauso viel gibt wie du und genauso effektiv Ziele erreicht. Du kannst es dir also denken: Anstatt quasi zwei Rollen neu besetzen zu müssen, verwehrt dein Vorgesetzter dir die Beförderung und entscheidet sich für jemand anderes.

Wege aus dem Teufelskreis

Was kannst du also tun? Weniger Leistung erbringen? Nein, das ist definitiv keine Option. Stattdessen solltest du mit offenen Karten spielen und deinem Chef direkt aufzeigen, wo deine beruflichen Ziele liegen. Erwähne im selben Satz, dass, wenn dir die Chance auf einen Karriereaufstieg nicht möglich gemacht wird, du dich auch nach anderen Arbeitgebern umsehen musst, die dein Potential zu schätzen wissen. Deinem Vorgesetzten etwas Druck zu machen, kann tatsächlich hilfreich sein. Und die Option den Arbeitgeber zu wechseln ist eine legitime Überlegung, solltest du weiterhin auf taube Ohren stoßen. Übrigens: Wenn dein Chef nicht mit sich reden lässt, wende dich an seinen Chef. So schreibt Autor Nils Warkentin:

Die höhere Hierarchieebene ist oft eher dazu bereit, besonders talentierte Mitarbeiter und Leistungsträger zu fördern – schon um diese im eigenen Unternehmen zu halten und nicht an die Konkurrenz zu verlieren. Meetings sind dabei gute Gelegenheiten, um nicht nur vor dem eigenen Chef, sondern auch vor höheren Positionen zu glänzen und von den eigenen Erfolgen zu berichten.

Mach dich sichtbar und kämpfe für deine Anerkennung

Diese beiden Szenarien zeigen, dass übergangen zu werden nicht immer auf bösen Absichten beruht. Eher sind Bequemlichkeit des Vorgesetzten und eingefahrene Arbeitsabläufe der Grund dafür, dass deine Ideen nicht gehört werden oder du nicht befördert wirst. Trotzdem bleibt zu sagen, dass es durchaus toxische Arbeitsplätze gibt, in denen Personen systematisch versuchen ihre Kollegen auszustechen und kleinzuhalten, um so selbst Erfolg und eine Machtposition zu erreichen. Hast du die nötigen Nerven, kannst du versuchen dich in solchen Kämpfen ebenso durchzubeißen. Doch vermutlich ist es das nicht wert, denn Machtspielchen und Konkurrenzkampf enden oft schmutzig und mit psychischen Erkrankungen. Hier ist Rückzug manchmal die bessere Lösung. Und, wie bereits oben geschrieben, hast du das Gefühl, in deiner Karriere nicht voranzukommen, ist der Wechsel zu einem neuen Arbeitgeber völlig legitim.

Lass dich nicht kleinhalten, egal ob von einem toxischen Arbeitsumfeld, unflexiblen Arbeitsabläufen oder einem bequemen Vorgesetzten. Es ist dein Potential und deine Karriere, also verschaffe dir Gehör, sei präsent und gehe dorthin, wo du die Anerkennung bekommst, die du auch verdienst.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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