Chef 2.0: Können Vorgesetzte und Angestellte befreundet sein?

Mit dem Chef befreundet sein. Dies hört sich im ersten Moment gut an. Doch ist eine Freundschaft zwischen Vorgesetzten und Angestellten tatsächlich möglich?

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Bist du als Angestellter mit deinem Chef befreundet, kannst du von dem einen oder anderen Vorteil profitieren. Die Freundschaft kann den Alltag erleichtern und der Karriere auf die Sprünge helfen. Dennoch gibt es bei einer solchen Freundschaft oft Grenzen und Probleme. Schließlich handelt es sich bei deinem Vorgesetzten um die Person, die deine Gehaltschecks zahlt und dich auch mal kritisieren muss. Welche Probleme hier auftreten können, verrät Alison Green auf Slate.com.

Die unangenehmen Probleme einer Chef-Angestellten-Freundschaft

Freundschaften zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten können hin und wieder vorkommen. Zum Beispiel kann es passieren, dass dein Kollege, mit dem du zahlreiche Krisen bewältigt hast, befördert und zu deinem Chef wird. Vielleicht verstehst du dich aber auch von vornherein ganz gut mit deinem Vorgesetzten. Wenn du mit deinem Chef befreundet bist, werden du und dein Freund mit großer Wahrscheinlichkeit mit dem einen oder anderen Problem konfrontiert werden.

Negatives Feedback, Kritik & Abmahnungen

Ein Chef muss seine Mitarbeiter ehrlich kritisieren können. Pflegst du eine freundschaftliche Beziehung zu deinem Chef, kann negatives Feedback unangenehm werden – und zwar für beide Seiten. Als Chef ist es notwendig, negative Aspekte ansprechen und ehrliche Kritik äußern zu können. Doch wer möchte schon seinem besten Freund mitteilen, dass sein vorgestelltes Projekt nicht gelungen ist oder dass seine Leistungen in der letzten Zeit nicht ausreichend waren? Kritik auszusprechen, fällt vielen Leuten schwerer, wenn es sich um eine befreundete Person oder um einen Verwandten handelt. Ebenso hart ist es, sofern schwere Entscheidungen getroffen werden müssen. Manchmal halten Chefs sich sogar mit Kritik oder solchen Entscheidungen bewusst zurück, wenn es um eine befreundete Person geht.

Dies wird dir als Mitarbeiter aber nicht helfen. Nur, wenn du konstruktiv und ehrlich auf deine Fehler hingewiesen und mit deinen Schwächen konfrontiert wirst, kannst du deine Leistungen steigern, dich weiterentwickeln und deine Fähigkeiten ausbauen. Auf der anderen Seite kann es für dich schwieriger sein, wenn du Kritik von einem Chef hörst, der zugleich dein Freund ist. Schließlich sollten Freunde hinter einem stehen. Somit kann es passieren, dass du die Kritik kränkender aufnimmst als käme sie von einem Chef, mit dem du nicht befreundet bist.

Neid und Eifersucht im Team

Bist du mit deinem Chef befreundet, werden deine Kollegen dies früher oder später erfahren. Dadurch kann es zu Neid beziehungsweise Eifersucht im Team kommen. Viele deiner Kollegen könnten die Freundschaft zwischen dir und deinem Vorgesetzten misstrauisch betrachten. Dies kann selbst eine Beförderung unangenehm werden lassen.

Denn auch, wenn du in letzter Zeit hervorragende Arbeit geleistet und dich in die Arbeit enorm reingehängt hast, könnten deine Kollegen skeptisch werden, sofern du eine Gehaltserhöhung erhältst. Doch auch in anderen Situationen könnten deine Kollegen neidisch reagieren und dir hinter deinem Rücken Vorwürfe machen.

Die Kündigung des Jobs

Eine Kündigung ist in den wenigsten Fällen leicht. Bist du mit deinem Vorgesetzten befreundet, wird sie jedoch noch schwieriger. Je nachdem wie dein Chef reagiert, kann eure Freundschaft darunter leiden. Auf der andere Seite ist es genauso gut möglich, dass die Kündigung und die damit einhergehende berufliche Trennung eurer Freundschaft guttun.

Die Freundschaft mit dem Vorgesetzten beenden

Manchmal kommt es vor, dass ein Freund aus deinem Leben verschwindet. Obwohl ihr euch gut verstanden habt, kann es passieren, dass einer von euch die Freundschaft beendet und sich eure Wege trennen. Möchtest du die Freundschaft zwischen dir und deinem Chef beenden, ist dies äußerst schwierig. Schließlich ist dein Chef für deinen Gehaltscheck verantwortlich. Somit kann es sein, dass du dir, nachdem du einen Schlussstrich gesetzt hast, schlimmstenfalls sogar einen neuen Job suchen musst.

Kann ich mit meinem Chef befreundet sein?

Trotz aller Probleme, können Vorgesetzte und Angestellte befreundet sein. Ob beziehungsweise wie gut dies funktioniert, richtet sich nach mehreren Aspekten:

  • Die Atmosphäre im Büro: Zunächst solltest du überprüfen, welche Atmosphäre auf der Arbeit herrscht. Gehen alle locker miteinander um, ist es meist einfacher, eine Chef-Angestellten-Freundschaft zu führen. Dennoch solltest du als Mitarbeiter deinen Chef respektvoll behandeln. Dabei gilt es zu überlegen, wie deine Kollegen auf den Umstand, dass du mit deinem Vorgesetzten eine freundschaftliche Beziehung pflegst, reagieren könnten.
  • Die Trennung vom Privaten und Beruflichen: Es ist wichtig, das Private und das Berufliche zu trennen. Bist du zum Beispiel am Sonntagabend mit deinem Chef freundschaftlich zum Essen verabredet, heißt dies dennoch, dass du denselben Menschen unter Umständen am nächsten Tag mit Herr oder Frau ansprechen musst. Oftmals ist es leicht, die Arbeit von der privaten Freundschaft auseinanderzuhalten. Schwierig kann es insbesondere an stressigen Tagen werden. Hattet ihr zum Beispiel einen privaten Streit, kann sich dies auf das Berufliche auswirken.
  • Die Länge eurer Freundschaft: Ob die Freundschaft zwischen dir und deinem Chef klappt, hängt auch davon ab, wie gut und wie lange ihr euch kennt. Seid ihr nur flüchtige Bekannte, bedeutet dies nicht, dass daraus eine Freundschaft entsteht. Selbst wenn ihr verwandt seid, heißt dies nicht automatisch, dass ihr euch gut kennt. Falls ihr hingegen viel miteinander erlebt habt und zahlreiche Geheimnisse des anderen kennt, kann es unangenehm sein, wenn einer von euch der neue Chef ist. Grundsätzlich kann eure Freundschaft dies überstehen. Kennt ihr euch schon lange, stehen die Chancen, dass die Freundschaft dennoch funktioniert, sehr gut.

Der Unterschied zwischen Freundlichkeit und Freundschaft

Die Beziehung zwischen einem Vorgesetzten und einem Angestellten kann kompliziert sein. Du solltest verstehen, dass es einen Unterschied zwischen Freundlichkeit und Freundschaft gibt. Um gut zusammenzuarbeiten, ist es wichtig, freundlich miteinander umzugehen. Eine Freundschaft ist nicht notwendig. Viele Angestellte möchten auch gar nicht mit ihrem Vorgesetzten befreundet sein. Zwar kann dich eine solche Freundschaft in so manche vorteilhafte Situation befördern, dennoch kann es passieren, dass du den Chef nicht magst oder nicht mit ihm befreundet sein möchtest. Deshalb sollten Vorgesetzte angemessene Grenzen setzen. Dadurch wirken sie unparteiischer und können den Mitarbeitern helfen. Schließlich kann es unangenehm sein, dem Chef zu sagen, dass du keine Freundschaft mit ihm möchtest oder ihn nicht leiden kannst. Manche Chefs kennen allerdings den Unterschied zwischen Freundlichkeit und Freundschaft scheinbar nicht. Wird es dir zu persönlich, solltest du zum Beispiel versuchen, einfach das Thema zu wechseln.

Hast du Erfahrungen mit einer Chef-Angestellten-Freundschaft gemacht? Oder könntest du dir vorstellen, selbst mit deinem Chef befreundet zu sein? Wie würdest du das Thema bei einer Beförderung deinerseits handhaben? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!

Über Mirijam Franke

Mirijam Franke

Mirijam Franke hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich als freiberufliche Texterin. Im Rahmen ihres Studiums der Medienwirtschaft kam sie erstmalig mit dem Thema Online Marketing in Berührung und konnte sich seither mit viel eigener Erfahrung, Mut zum Klartext und einem Augenzwinkern in den Bereichen Marketing, Arbeit, Startups, HR und Work-Life-Balance deutschlandweit einen Namen machen. Seit Mai 2016 ist sie Redakteurin bei OnlineMarketing.de.

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