Bewerbung der Zukunft: Das verändert Künstliche Intelligenz für Bewerber und Unternehmen

Das Personalmanagement wird entlassen und durch einen Computer ersetzt. Sieht so unsere Zukunft aus? Nein, denn KI stellt eine nützliche Hilfe dar, keinen Ersatz.

© Clem Onojeghuo | Unsplash, CC0

Künstliche Intelligenz ist schon lange kein Traum aus der Science-Fiction Welt mehr. Sowohl im Privatleben als auch am Arbeitsplatz kommt sie zum Einsatz. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass im Bewerbungsverfahren auf KI zurückgegriffen wird. Natürlich soll sie nicht die menschlichen Arbeitskräfte aus dem HR-Bereich vertreiben, sondern vielmehr als eine Hilfe dienen. Auch für Arbeitssuchende.

Infografik: Künstliche Intelligenz - Fluch oder Segen? | Statista

Große Datenmengen werden sortiert

Die digitale Informationsflut ist größer denn je. Den Durchblick verliert man ziemlich schnell, selbst bei der Jobsuche. Tausende Stellenangebote werden auf diversen Plattformen gepostet und du als Bewerber weißt gar nicht mehr, welche nun für dich relevant sind. KI kann Abhilfe schaffen. So können bestimmte Algorithmen dafür sorgen, dass dir Jobs vorgeschlagen werden, die auf deinen persönlichen Präferenzen oder vorherigen Bewerbungen basieren.

Außerdem kann die KI helfen, lückenhafte Anzeigen durch Angaben wie Durchschnittsgehälter der Branche zu ergänzen. Spezielle Jobbezeichungen, wie Digital Overlord, können zusätzlich decodiert und zugeordnet werden. Eine weitere effiziente Hilfe kann es sein, deinen Lebenslauf durch KI analysieren zu lassen, woraufhin du anhand der dort angegebenen Fähigkeiten passende Jobangebote angezeigt bekommst.

Infografik: Künstliche Intelligenz - die Antwort auf all unsere Probleme? | Statista

Objektive Assessments werden ermöglicht

Als Mensch ist es so gut wie unmöglich, die eigene Subjektivität abzuschalten. Doch gerade dies ist beim Einstellen von Personal von Nöten. So trifft es sich, dass die emotionslose KI Bewerbungstests durchführen kann und dazu noch ein objektives Feedback gibt. Werden zum Beispiel für einen Job hohe Fremdsprachenkenntnisse gefordert, kann der Bewerber ein Telefonat mit einem KI-basierten Programm führen. Am Ende gibt dieses dann Einschätzungen über Wortschatz und Sprachniveau ab, ohne dabei von einem besonders charismatischen Auftreten abgelenkt zu werden.

Außerdem übersteigen die Fähigkeiten von KI das simple analysieren von Lebensläufen. Einige Recruiter gehen bereits weiter und lassen sie Tests durchführen, die zeigen sollen, wie der Bewerber auf bestimmte Aufgaben aus dem Arbeitsalltag reagiert. Auch hier werden im Anschluss wieder objektive Betrachtungen der Fähigkeiten reflektiert.

Eine Arbeitserleichterung wird geschaffen

Bei umfangreicheren Projekten, zu denen man das Einstellen neuer Mitarbeiter durchaus zählen kann, können gerade kleinere Aufgaben den Prozess verlangsamen. Künstliche Intelligenz kann jedoch aushelfen, indem die Terminplanung von Bewerbungsgesprächen und Co. automatisiert wird. Zudem können Rankings der Kandidaten anhand der Bewerbungsunterlagen erstellt werden. Im Endeffekt soll dies dazu führen, dass Personaler sich mehr auf den Entscheidungsprozess selbst konzentrieren können.

Infografik: Deutsche geben künstlicher Intelligenz eine Chance | Statista

Daten können wiederverwertet werden

Bei Bewerbungsprozessen entstehen Unmengen an Daten auf beiden Seiten, die jedoch nicht gespeichert werden, sondern wieder verloren gehen. So muss bei jeder neuen Stellenanzeige ganz von vorne begonnen werden. Ein unnötiger Zeitaufwand. Programme, wie das US-Amerikanische Wade & Wendy, können dies vermeiden. Relevante Informationen werden gesammelt, gespeichert und wiederverwertet.

So kann das Programm dir als Bewerber helfen, in Zukunft direkt ähnliche Jobangebote zu finden oder sogar Stellen vorschlagen, die dir einen Sprung auf der Karriereleiter ermöglichen. Auf Unternehmensseite können Anforderungen und Firmenpolitik und -bedürfnisse gespeichert werden, um bei künftigen Bewerbungsverfahren darauf zurückzugreifen. So werden beispielsweise passende Kandidaten direkt vorgeschlagen. Zudem kann KI auch Postings verbessern und diese zielgerichteter an die Arbeitssuchenden vermitteln.

Das gilt im Umgang mit KI zu beachten

Nützlich wirkende Assistenten wie Chatbots mögen eine Erleichterung darstellen, jedoch können sie nicht über den Tellerrand hinausblicken. Werden diese von Firmen bei einem Bewerbungsprozess verwendet, sollte sichergestellt sein, dass sie nicht nur die Antworten selbst betrachten, sondern auch weitergehende Informationen. Zudem hat die Vergangenheit gezeigt, wie einfach lernfähige Chatbots zu manipulieren sind.

Infografik: So viele Jobs könnte die Automatisierung kosten | Statista

Ihre Handlungen können unberechenbar sein, wie man am Beispiel von Googles „Tay“, welche sich innerhalb von Stunden in ein rassistisches Schandmaul verwandelte, beobachten konnte. So kann es also vorkommen, dass Chatbots persönliche Fragen an den Bewerber richten, die Gesetzes wegen verboten sind, wie zum Beispiel nach Schwangerschaft und Herkunft. Rechtliche Konsequenzen wären in solchen Fällen zu erwarten.

Der Datenschutz muss ernst genommen werden

Datenschutz spielt für Bewerber heutzutage eine wichtige Rolle. KI kann im vornherein dafür Sorgen, dass unseriöse Bewerbungsportale direkt aussortiert und gar nicht erst angezeigt werden. Unternehmen müssen selbstverständlich auch die Datenschutzrichtlinien der EU beachten, schließlich sind es sensible Informationen, die bei einer Bewerbung analysiert werden.

Dies führt unweigerlich zur Frage, in wie weit KI sich in den Entscheidungsprozess einmischen darf. Die Antwort lautet glücklicherweise: Künstliche Intelligenz darf bei einem Bewerbungsverfahren nicht die volle Entscheidungskraft haben. Es gibt zwar gewisse Ausnahmeregelungen, die in der Realität aber kaum umsetzbar sind. Und somit liegt die endgültige Entscheidung immer noch beim Menschen.

Infografik: Was ist künstliche Intelligenz? | Statista

Künstliche Intelligenz kann viele Felder des Arbeitslebens erleichtern und effizienter gestalten. Daher sollten auch die Skeptiker ihr eine Chance geben, solange die menschlichen Arbeitskräfte selbst nicht bedroht werden. Denn schließlich stellt sie eine Hilfe dar, keinen Ersatz.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Michelle Winner studiert Anglistik und Germanistik an der Uni Hamburg. Nachdem sie in einer Lokalzeitung und im Eventbereich Erfahrungen gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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