Ist eine Berufsausbildung finanziell so wertvoll wie ein Studium?

Nach einer deutschen Studie verdienen Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung genauso viel wie Hochschulabsolventen – mit Einschränkungen.

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Können eine Berufsausbildung und ein Bachelorabschluss finanziell gleichwertig sein? Aktuelle Zahlen bestätigen diese Frage mit einem eingeschränkten Ja. Denn in gewissen Branchen verdienen Nichtakademiker in ihrem Berufseinstieg gleich gut wie Hochschulabsolventen, die ihren ersten Job antreten.

Nicht der Abschluss, sondern die Branche bestimmt das Einstiegsgehalt

Dass Nichtakademiker nach ihrer abgeschlossenen Ausbildung genauso viel oder sogar mehr verdienen als Personen, die mit ihrem abgeschlossenem Studium in die Berufswelt starten wollen, mag zunächst erstaunen, war das Studium zuvor doch oft der Weg in die Spitzenpositionen. Aber, so zeigt eine Auswertung der Hamburger Vergütungsberatung Gehalt.de, diese Art der Realisierung des Einstiegsgehalts ist in vielen Branchen und Berufen tatsächlich normal. Dafür wertete das norddeutsche Unternehmen Daten von mehr als 17.000 Berufseinsteigern aus. Bei der Analyse der Datensätze wurden die ersten drei Jahre im Job der Neulinge zum Gegenstand der Auswertung gemacht und verglichen.

So stellten die Initiatoren der Studie fest, dass Key Account Manager (Großkundenbetreuer) mit einem durchschnittlichen Jahresbruttogehalt von 39.500 Euro am meisten verdienen. Neben Bankkaufleuten und Außendienstmitarbeitern bewegen sich auch Sachbearbeiter bei Versicherungen in dieser Gehaltsklasse. Diese Personen verdienen dann nicht wesentlich geringer als Hochschulabsolventen, die nach ihrem abgeschlossenen Bachelorstudium ein Jahresgehalt von im Schnitt 39.600 Euro erwartet. Das würde im ersten Moment bedeuten, dass eine abgeschlossene Berufsausbildung finanziell mit einem beendeten Studium gleichzusetzen ist. Aber bleibt die Entlohnung mittels Gehalt langfristig äquivalent?

Die höchsten und niedrigsten Gehälter nach der Ausbildung

Doch, so berichtet auch die Süddeutsche Zeitung, fällt die Höhe des Gehalts nach der Ausbildung bei Weitem nicht in allen Brachen so aus. Demnach verdienen Personen, die in der Kosmetik- oder Gastronomiebrache arbeiten, nur halb so viel. Aber auch viele Berufseinsteiger mit Studienabschluss dürften unterhalb des Durchschnitts liegen.

Der Geschäftsführer von Gehalt.de Philip Bierbach rät deshalb dazu, dass junge Menschen vor ihrer Ausbildung auf die Auswahl der Branche achten sollten, da diese eine starke Auswirkung auf das Gehalt habe. Mit dieser Aussage mag Bierbach Recht haben, doch sie ist auch eher kapitalistisch orientiert und nicht sozial gedacht. Denn dieser Ratschlag ist eine Hilfestellung für Personen, die offen für andere Branchen sind, nicht aber für Menschen, die ihre Berufung im Handwerk des Friseurs – in einem der am schlechtesten bezahlten Berufe – sehen. Diese Personen werden vor die Frage gestellt, wie wichtig Leidenschaft trotz schlechter Bezahlung sein kann.

Im Zuge der Studie erfasste Gehalt.de die fünf höchsten und niedrigsten Gehälter in den ersten drei Jahren nach der Ausbildung in Deutschland. Es wird deutlich: Handwerksberufe sind am schlechtesten bezahlt.

Ein Studium ist nicht der einzige Weg zu einem guten Gehalt

Auch Nichtakademiker können auf ein angemessenes Gehalt hoffen, wenn sie nach ihrer Ausbildung noch weitere Fortbildungen anstreben. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) kam vergangenes Jahr zu dem Schluss, dass ein Studium nicht zwangsweise notwendig sei, um ein lukratives Gehalt zu erhalten. Denn die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass die durchschnittlichen Einstiegsgehälter von 25-jährigen Hochschulabsolventen ungefähr genauso hoch seien wie die von Personen im gleichen Alter, die nach ihrer Ausbildung noch eine Fortbildung, also etwa einen Meister oder eine Ausbildung zum Techniker, absolvierten.

Doch auch wenn Key Account Manager mit abgeschlossener Berufsausbildung und Hochschulabsolventen in den ersten drei Jahren in ihrem Job zunächst gehaltstechnisch ähnlich aufgestellt sind, wird diese Parallelität mit der fortschreitenden Zeit weichen müssen. Denn auf längere Sicht wird sich ein Studium finanziell doch auszahlen, so meint es immerhin die Journalistin Jutta Pilgram. Unabhängig von der Art der Ausbildung ist aber eine individuelle Weiterbildung immer vonnöten, um gut bezahlte Jobs zu erhalten.


In unserem Artikel „Studieren – aber was und wofür? Trends, Potentiale und Verdienstmöglichkeiten“ findet ihr weiterhin die bestbezahlten und beliebtesten Studiengänge in Deutschland. Wie steht es um die Berufschancen und sollte man sich bei der Studienauswahl wirklich am Gehalt orientieren?

Über Maja Hansen

Maja Hansen

Seit 2017 unterstützt Maja die Redaktion von OnlineMarketing.de. Dabei widmet sie sich primär dem Karrieremagazin mit den Themenfeldern rund um Jobs und Karriere, schreibt aber auch über digitales Marketinggeschehen.

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