Arbeiten, wo du willst – Mit diesen Jobs kannst du zum Digitalen Nomaden werden

Stellenanzeigen für ortsunabhängige Jobs bleiben selten lange offen. Allerdings profitieren bislang nur wenige Branchen von der Idee des Digitalen Nomaden.

© Avi Richards | Unsplash

Der Traum, seiner Arbeit an variablen Orten nachzugehen, schlummert sicher in vielen von uns. Häufiger liest man von Digitalen Nomaden, die ihre Arbeit an keinem bestimmten Ort verrichten. Dieses Phänomen, das noch recht jung ist, eignet sich jedoch bislang nur für einige Jobs. Wir zeigen welche und warum.

Digitale Nomaden sind in der kreativen Branche zuhause

Flexibiliät spielt auf dem heutigen Arbeitsmarkt eine entscheidende Rolle. Dabei wünschen sich auch Arbeitnehmer oft die Möglichkeit, ihre Aufgaben nicht nur im Büro zu erledigen, sondern zuweilen auch an anderen Orten. Das zeigt zum Beispiel der Anstieg der Suchanfragen für die Phrase „work remotely“ bei Google in den letzten zehn Jahren.

Google Anfragen nach „work remotely“ 2007-2017, Quelle: Blog Bynder

Doch auch ein Diagramm aus der Studie „Wertewelten Arbeiten 4.0“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales scheint diesen Trend zu bestätigen. Demnach sehen 93 Prozent der Befragten in der Selbstbestimmung von Arbeitszeit und -ort bis 2030 den größten Wunsch der Arbeitsgestaltung.

Angestrebte Ziele der Arbeitnehmer deuten auch auf örtliche Unabhängigkeit hin (mit einem Klick aufs Bild gelangt ihr zur größeren Ansicht), © Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Nun liefert die Metasuchmaschine für Jobs, Joblift, einige Erkenntnisse zum Digitalen Nomadentum. Dort hat man knapp 1.400 Online-Stellenanzeigen aus den vergangenen zwei Jahren, die Arbeiten aus der Ferne anbieten, analysiert. Dabei zeigte sich zum einen, dass derlei Anzeigen nur durchschnittlich 17 Tage online waren, während Anzeigen ohne diese Prämisse im Schnitt 27 Tage im Netz blieben. Zum anderen wurde aber auch deutlich, dass Angebote für Digitale Nomaden nur 0,01 Prozent aller Stellen in diesem Zeitraum ausmachten. Und nur ein Prozent der Anzeigen bot zumindest gelegentliche Arbeit von Zuhause an.

An dieser Stelle kann man sich natürlich fragen, ob eine Ausschreibung diesem Aspekt der ortsunabhängigen Arbeit gerecht wird, kann sie doch mitunter auch im Arbeitsverhältnis noch eingeführt werden. Dennoch zeigt die Studie eines deutlich: Vor allem Kreative sind in der Welt der Digitalen Nomaden zuhause. Die untersuchten Anzeigen richteten sich zu 39 Prozent an Programmierer und zu acht Prozent an Texter. Auch Marketer oder Datenanalysten wurden in diesem Bereich gesucht.

Top 5 Jobs für Digitale Nomaden, © Joblift

An dieser Auflistung zeigt sich, für welche Berufe das Leben als Digitaler Nomade gemacht zu sein scheint. Und für welche eher nicht.

Digitale Daten als Schwerpunkt: Darum lohnt sich das Nomadentum

Schon Marshall McLuhan hat in den 1960er Jahren in seiner Medientheorie geschrieben, auch der Mensch im elektronischen Zeitalter sei genauso ein Nomade wie der Steinzeitmensch. Bloß sammle er Informationen. Für Menschen, die heute mit digitalen Daten und der Produktion und Distribution von Inhalten über digitale Kanäle beschäftigt sind, scheint ortsungebundenes Arbeiten einige Vorteile zu bieten. Arbeiten in einem Café ist möglich, per Laptop lassen sich auch Wartezeiten am Flughafen produktiv überbrücken. Die Kommunikation verläuft ohnehin viel über mobile Chats und Social Media. Darüber hinaus können wahre Digitale Nomaden auch an Orten leben, die ihre Kreativität und Produktivität fördern. Zumal ihre Selbstständigkeit auf einem hohen Level gehalten wird.

Die Freelancerin als Texterin und virtuelle Assistentin Nadine Mandrella führt auf Bali ein solches Leben und beantwortete uns einige spannende Fragen zum Thema. Doch auch sie betont, dass nicht jeder Typ für diesen Lifestyle gemacht ist. Disziplin und Struktur sind das A und O; vor allem, wenn man seine Arbeitszeit frei einteilt. Dabei sei gesagt, dass viele Branchen, die etwa von der Produktion an einem Standort oder von ortsbezogenen Dienstleistungen leben, keine Möglichkeiten für Digitale Nomaden bieten. Das Reisen oder den Ort wechseln ist bei diesen Nomaden ein Aspekt, der die Arbeit durchaus beleben kann. Andere Standorte oder auch Kulturen bieten häufig neue Perspektiven auf Arbeitsabläufe oder schlicht und einfach einen erweiterten Zugriff auf anderes Material oder Daten. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass diese Form des Lebens trotz allem der Arbeit verhaftet ist und nicht einfach ein Road Trip mit kreativem Output.

Home Office als erster Schritt der Entwicklung

Während die Digitalen Nomaden sich also noch in einem eng abgesteckten, dank fortschreitender Digitalisierung der Arbeitsstrukturen allerdings zusehends größer werdenden Feld befinden, ist die Arbeit von Zuhause schon etablierter. Laut einer Bitkom-Umfrage von 2016 arbeiten 30 Prozent der Arbeitnehmer bei deutschen Unternehmen zumindest teilweise im Home Office.

Arbeit im Home Office nimmt zu, © Bitkom

Doch auch hier zeigt sich, dass nicht jeder diese Form gleich wertschätzt. Eine Grafik bei Statista zeigt, dass zwar 20 Prozent einer Umfrage gern täglich von Zuhause aus arbeiten würden, dass aber auch 30 Prozent am liebsten jeden Tag ins Büro kommen.

Home Office Umfrage, © Statista

Das Home Office wird sicher künftig noch an Gewicht gewinnen. Bei vielen Unternehmen, so etwa bei der Otto Group in Hamburg, finden sich mehr und mehr flexible Arbeitsstrukturen. Das berichtet Hamburg News. Bei diesem Unternehmen erhalten Mitarbeiter zu Beginn des Engagements ein Notebook mit standortunabhängigem Zugriff auf das unternehmenseigene Netzwerk. Neben der Option des Home Office gibt es inzwischen auch mehrfach sogenannte Co-Working-Spaces.

Für Arbeitnehmer wird um ihrer Motivation willen wichtig sein, dass sie selbst Einfluss auf die Wahl ihres Arbeitsortes behalten.

Ungebundenes Arbeiten als Ansporn auch für Unternehmen

Das Leben als Digitaler Nomade stellt einige Anforderungen an dich. Vor allem scheint es zunächst nur einigen wenigen Branchen vorbehalten zu sein. Dennoch dürfte sich der Arbeitsmarkt in Zukunft zu mehr Flexibilität in Sachen Arbeitsstandort entwickeln. Diese Ungebundenheit kann für Unternehmen und Arbeitnehmer gleichermaßen gehaltvoll sein. Das glaubt auch Nadine Mandrella:

Unternehmen die dies [ortsunabhängiges Arbeiten, Anmerkung d. Red.] ermöglichen, werden meiner Meinung nach langfristig von dem Drive dieser Generation stark profitieren. Glückliche und engagierte Mitarbeiter leisten weit mehr, als Mitarbeiter, die morgens ins Büro gehen und dann acht Stunden auf die Uhr schauen und dabei versuchen, beschäftigt auszusehen.

Für viele Unternehmen aber auch Kreative des digitalen Zeitalters eine Alternative, über die sich nachzudenken lohnt. Und wenn es für manche nur dazu dient, den eigenen Arbeitsplatz wieder schätzen zu lernen. Zumindest liefert vielseitiges Arbeiten an verschiedenen Orten vielseitige Ergebnisse. Ein Anreiz, der alle Parteien glücklich machen kann.

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