35 Grad im Büro? Und Tschüss!

Arbeitnehmer müssen sich auch in puncto Raumklima nicht alles gefallen lassen. Wird es in den Büroräumen zu heiß, hast du ein Recht auf Homeoffice oder Hitzefrei.

© Alesia Kazantceva - unsplash

Auf Deutschland rollt eine Hitzewelle zu. Der deutsche Wetterdienst warnt; in vielen Orten könnte in den nächsten Tagen die 40 Grad-Marke geknackt werden. Vor allem in Nordrhein-Westfalen werden Mitte der Woche tropische Temperaturen erreicht. Wohl dem, der da in klimatisierten Büroräumen tätig ist. Denn gerade moderne Bürogebäude mit großen Fensterfronten können sich schnell aufheizen.

Es wird immer wieder geraten, nur früh morgens zu lüften und danach die Fenster geschlossen zu halten, damit es drinnen schön kühl bleibt. Ein Rat, der nicht immer umsetzbar ist: Denn oft gibt es gar keine Belüftungsanlage, die Angestellte mit Frischluft versorgt, wenn die Fenster geschlossen bleiben. Und mit oft vier oder mehr Personen im Raum geht irgendwann der Sauerstoff aus. Dann bleibt einem nur die Wahl zwischen sehr stickiger Luft oder ein paar Grad mehr im Büro. Dann doch lieber schwitzen als fast ersticken.

Was viele nicht wissen: Es gibt Vorschriften, die klar regeln, welche Temperaturen für einen Angestellten zumutbar sind, und ab wann man total legitim Hitzefrei bekommt. In der Arbeitsstättenregelung der BAuA (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin) ist alles exakt festgelegt.

So schützt der Gesetzgeber Arbeitnehmer

Zwar gibt es keinen direkten Anspruch auf klimatisierte Büroräume oder Freistellung, trotzdem muss niemand den ganzen Tag bei Sauna-Temperaturen am Schreibtisch ausharren. Entscheidend ist für die Zumutbarkeit auch gar nicht die Außentemperatur, sondern einzig die Temperatur am Arbeitsplatz. Es darf also keiner frei nehmen, weil es im Freibad heute so viel schöner wäre. Aber Angestellte haben einen Anspruch auf eine erträgliche Temperatur in den Arbeitsräumen. Dabei soll das Thermometer nicht über 26 Grad Celsius steigen. Kommt das vor, soll der Arbeitgeber Gegenmaßnahmen treffen, zum Beispiel Jalousien schließen, Ventilatoren oder mobile Kühlgeräte aufstellen, gegebenenfalls vorhandene Kleidungsvorschriften lockern.

Ab 35 Grad ist Arbeiten tabu

Steigt die Innenraumtemperatur über 30 Grad, muss der Arbeitgeber reagieren. So könnte er Arbeitszeiten verändern, zum Beispiel in die kühleren Morgenstunden verlegen und die Arbeitszeit verkürzen.

Ab einer Temperatur von 35 Grad ist der Arbeitsplatz Sperrzone. Ergreift der Arbeitgeber keine sofortige, wirksame Gegenmaßnahme, darf die Arbeit offiziell verweigert werden. Solange in dem Raum eine solche Hitze herrscht, ist er als Arbeitsplatz ungeeignet. Bevor man den Bleistift fallen lässt, muss man seinen Chef aber informieren. Der Arbeitgeber hat dann das Recht, einen angemesseneren Arbeitsplatz zuzuweisen, Angestellte könnten zum Beispiel auch im Homeoffice ihre Aufgaben erledigen.

Auch Arbeiten im Kühlhaus ist eine Zumutung

Aber auch wer im klimatisierten Büro arbeitet, hat häufig Grund zur Klage. Klimaanlagen sind häufig viel zu kalt eingestellt, nach dem Motto: Viel hilft viel. Aber natürlich ist auch die Garderobe an die draußen herrschende Witterung angepasst. Und wenn die Mitarbeiter im Sommer dann im Kleid und offenen Schuhen zur Arbeit kommen und es sind 18 Grad im Büro, frieren sie und ziehen sich womöglich noch eine Erkältung zu. Ideal sei es, den Kontrast zwischen Innen- und Außentemperatur nicht größer als 6 Grad werden zu lassen. Ist es draußen also 30 Grad heiß, sollte die künstlich geschaffene Innentemperatur nicht unter 24 Grad liegen.

Sommerarbeitszeit wie in Spanien könnte die Lösung sein

Vielleicht müssen wir uns insgesamt auf extremere Wetterphänomene wie heftige Hitzewellen einstellen. Klimawandel hautnah sozusagen. So wurde Anfang Juni im amerikanischen Westen ein neuer Hitzerekord aufgestellt. Im Touristenziel Death Valley nahe Las Vegas wurden ganze 52 Grad gemessen. Um bei solchen lebensgefährlichen Temperaturen überhaupt zu existieren, müssen die Menschen ihre Gewohnheiten drastisch umstellen.

Dabei können wir Nordeuropäer viel von den südlicheren Ländern lernen. In Spanien und Italien sind Sommertemperaturen von 37 Grad plus keine Seltenheit. Die Gesellschaft hat sich darauf eingestellt: In der größten Mittagshitze, zwischen 14 und 17 Uhr, schließen die Geschäfte, und auch viele Büroarbeiter machen Pause. Die Menschen bleiben in ihren abgedunkelten vier Wänden, nutzen die Zeit zuweilen, um Schlaf nachzuholen, denn das Dinner und soziale Aktivität findet in den kühleren Stunden am späten Abend statt. Die Nachmittags-Arbeitszeit verschiebt sich dabei auf 17.30 – 21 Uhr.

Noch wegweisender erscheint die sogenannte Sommerarbeitszeit in Spanien. Viele Unternehmen verkürzen die Wochenarbeitszeit ihrer Mitarbeiter dabei leicht und lassen sie täglich nur von 8 bis 15 Uhr im Büro sitzen, wenn die Temperaturen noch erträglich sind. Die Mittagspause wird dabei ausgelassen, es bleibt ja nach dem frühen Feierabend noch reichlich Zeit. Das kommt dem Wunsch vieler Spanier entgegen, die sich teils gegen die auferlegte Siesta-Zwangspause wehren. Ein solch nach vorne verlagerter Tagesablauf mit einem frühen Feierabend könnte auch in Deutschland eine gute Lösung sein, um künftige Hitzewellen so produktiv und gesund wie möglich zu überstehen. Dann bleibt am Nachmittag auch noch genug Zeit fürs Freibad, um ein paar Bahnen im kühlen Nass zu ziehen. 

Über Johanna Hoffmann

Johanna Hoffmann

Johanna Hoffmann ist Soziologin und untersuchte viele Jahre als Marktforscherin in einer internationalen Medienagentur den Erfolg von Werbekampagnen. Sie interessiert sich insbesondere für das, was Menschen antreibt und schreibt seit März als Autorin für OnlineMarketing.de.

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