IG Metall setzt 28-Stunden-Woche als Teil des Tarifvertrages durch

Flexible Arbeitszeiten und selbstbestimmtes Arbeiten – die Mitglieder der IG Metall in Baden-Württemberg sind diesem Ziel jetzt deutlich näher gekommen.

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Die Gewerkschaft IG Metall hat mit den Arbeitgebern einen neuen Tarifabschluss ausgehandelt. Dabei ging es diesmal nicht nur um Geld und Zusatzleistungen, sondern auch um eine reduzierte Arbeitszeit.

Mehr Lohn und flexiblere Arbeitszeiten

Seit April bekommen die Angestellten 4,3 Prozent mehr Lohn plus eine Sonderzahlung. So weit alles wie von vorherigen Abschlüssen bekannt.

Das Besondere an diesem Verhandlungsergebnis ist die Reduzierung der Arbeitszeit von 35 auf 28 Stunden pro Woche für einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren. Diese Möglichkeit gilt allerdings nicht für jeden. Ziel der IG Metall war es, Angestellten mehr Zeit für die Familie und eine Entlastung bei Schichtarbeit zu ermöglichen. Deshalb haben auch nur Personen Anspruch auf eine Reduzierung der Arbeitszeit, die Kinder großziehen, Familienangehörige pflegen oder in Schichten arbeiten.

Die geringere Arbeitszeit ist allerdings mit einer Reduzierung des Gehalts verknüpft. Ihre Forderung, 28 Stunden bei gleichem Lohn zu arbeiten, konnte die IG Metall nicht durchsetzen. Durch die generelle Lohnerhöhung wird dieser Verlust aber gedämpft.

Auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmer angepasst

Mit diesem Abschluss geht die Metallbranche einen deutlichen Schritt in eine Arbeitswelt, in der flexible Arbeitsmodelle immer häufiger werden. „Immer mehr Menschen haben Abschnitte in ihrem Leben, in denen sie weniger arbeiten möchten, um sich um ältere Angehörige zu kümmern, ein Sabbatical oder unbezahlten Urlaub zu nehmen“, sagte Hanna Schwander, Professorin an der Hertie School of Governance, der Financial Times.

Dieses Bedürfnis nach einer Auszeit bleibt somit nicht auf Familien begrenzt. Auch alleinstehende Personen haben den Wunsch eine Auszeit vom Job zu nehmen. Das klappt zwangsläufig nicht bei allen Berufen gleich gut.

Schritt in die Zukunft

Die Flexibilisierung der Arbeitszeit in Berufen, die eine persönliche Anwesenheit erfordern, ist seit Jahren ein Streitthema auf dem Arbeitsmarkt. Auch wenn die Technik weit fortgeschritten ist, gibt es immer noch Berufe, bei denen eine persönliche Anwesenheit unumgänglich ist. Neben dem Handwerk gilt dies auch für den Bereich der Metallindustrie. Mit dem neuen Verhandlungsergebnis zeigt die IG Metall daher, wie die Zukunft aussehen kann.

„Der Tarifabschluss ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einer modernen, selbstbestimmten Arbeitswelt“, sagte Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, in der hauseigenen Pressemitteilung.

Weitere Branchen könnten folgen

Der aktuelle Tarifabschluss gilt für circa eine Million Angestellte in Baden-Württemberg. Er könnte sich aber auf bis zu 3,9 Millionen Menschen in der ganzen Bundesrepublik ausweiten, wenn die IG Metall mit den weiteren Landesgruppen in Verhandlungen eintritt. Ebenfalls könnte der Abschluss Auswirkungen auf die Branchen Bau, Telekommunikation und Chemie haben, die auch schon seit längerer Zeit auf flexiblere Arbeitszeiten drängen.

Über Stephan Hütter

Stephan Hütter

Stephan Hütter ist ein Kind des Ruhrgebiets. Als gelernter Sportökonom schreibt er viel über Sport. Dabei hat es ihm vor allem das Sportsponsoring und dessen Einbindung in den Sales Funnel angetan. Seit seiner Selbstständigkeit beschäftigt er sich zudem mit dem Thema digitaler Lifestyle und den damit verbundenen neuen Karrieremöglichkeiten. Seit 2018 schreibt er für OnlineMarketing.de

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