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Eine der teuersten Domains aller Zeiten: Was wurde nach dem Millionendeal aus Whisky.com?

Der neue Besitzer von Whisky.com äußert sich zu seinem Projekt, das ihn 2014 3,1 Millionen US-Dollar kostete. Wie ist der Stand und wie soll es jetzt weitergehen? Außerdem erklärt der Unternehmer, wieso er für Whiskey.com nur ein Zehntel des Kaufpreises zahlen würde.

© donfiore - Fotolia.com

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Anderthalb Jahre nach dem spektakulären Verkauf von Whisky.com durch Michael Castello äußert sich der jetzige Besitzer der Domain im Interview zu den Plänen, die er mit dem Millionenprojekt verfolgt.

Umsonst registriert und für 3,1 Millionen verkauft

Die Domain Whisky.com sorgte vergangenes Jahr für Schlagzeilen, als Michael Castello, CEO von Castello Cities Internet Network, die URL für 3,1 Millionen US-Dollar verkaufte. Damit steht Whisky.com auf Platz 11 der teuersten Domains aller Zeiten. Dies ist besonders unter dem Aspekt interessant, dass der frühere Eigentümer 1995 keinen Cent für die Registrierung aufbringen musste. Zusammen mit seinem Bruder David kann Castello auf ein stattliches Portfolio blicken, dass unter anderem Cost.com, Rate.com oder Acapulco.com umfasst.

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Der Domaininvestor und Autor James Iles führte für namePros ein Interview mit dem neuen Eigentümer der URL Dr. Horst Luening, um herauszufinden, ob sich der Handel im vergangenen Jahr gelohnt hat.

Generierung von Traffic ist vorerst Hauptziel

Im Interview spricht der neue Besitzer von seiner Whisky.com Media GmbH & Co. KG, die im Grunde genommen nun das tut, was er mit Whisky.de – einer der größten Whiskyhändler weltweit – aus bürokratischen Gründen nicht tun darf: die Spirituose international liefern. Noch allerdings befindet sich die Website in der Aufbauphase und versucht in erster Linie Traffic zu generieren. Dafür wird rund um das Thema Whisky bzw. Whiskey mithilfe eines Video Blogs und Forums, einer Datenbank und Tastings eine Community aufgebaut. Lediglich drei Mitarbeiter arbeiten daran, 10 Millionen monatliche Pageviews wie die deutsche Entsprechung zu sammeln. Fünf bis zehn Jahre wird das wohl jedoch noch dauern.

Auf die Frage, warum er vergangenes Jahr bereit war, dermaßen viel Geld zu investieren, antwortet Dr. Horst Luening wie folgt:

If you look at the raw figures and the estimates Google gives for advertisement revenues, then such generic domains have a maximum value of a few hundred thousand US Dollars. But Fortune 100 companies pay a lot more for their names. There is an ideal value in these domains. But only for those companies, which are firstly able to afford them and secondly able to unleash their hidden value.

Whiskey ist nur ein Zehntel soviel wert wie Whisky

Auch die Domain Whiskey.com wurde dem Unternehmer oftmals angeboten, doch mehr als 310.000 Dollar möchte er dafür nicht zahlen – auch wenn die URL aus Google-Sicht besser bewertet ist als die eigene. Der Grund dafür liegt darin, dass die meisten Kenner die schottische Schreibweise ohne das „E“ bevorzugen und weniger am irischen Whiskey oder amerikanischen Bourbon interessiert sind. Ein guter Scotch Single Malt Whisky sei eben seinen Preis wert. Und was hält die Zukunft für Whisky.com bereit?

Whisky.com lay nearly silent over the last few years. The page rank at Google wasn’t really good. In the past few months we moved whisky.com to [Google’s] first page and today, we are quite often already above the fold. In Germany we were able to beat Wikipedia and have a stable Number 1 position for the major whisky searches. It will take some years and if we are Number 1 in whisky worldwide we will find out what the future holds for us. We are thinking long term. Whisky is nothing to rush – whisky has so be savoured slowly.

Wir müssen uns also noch einige Jahre in Geduld üben, um zu erfahren, wie es mit der Domain weitergeht. Wikipedia ist in Deutschland laut eigener Aussage in den SERPs schon überholt – bleiben wir gespannt, ob es Luening schafft, die URL letztlich erfolgreich zu monetarisieren, um den Kaufpreis zu rechtfertigen. In ein paar Jahren haken wir nochmals nach.

Quelle: namePros

9 Gedanken zu „Eine der teuersten Domains aller Zeiten: Was wurde nach dem Millionendeal aus Whisky.com?

  1. Jo Hasenau

    Es geht nicht um das Suchvolumen, sondern um die „Qualität“ der Suchenden. Diejenigen, die bereit sind, Top-Preise für Top-Whisky hinzublättern, haben zuallererst Scotch im Visier – ggf. noch die jeweiligen Top-Platzierten aus den Whisky-Rankings, was aktuell z.B. die Japaner sind. Irischer Whiskey und Amerikanischer Bourbon Whiskey mögen häufiger gesucht werden, bringen aber meist nur einen Bruchteil des Gewinns bei gleichem Umsatz.

    Whisky.de hat man im übrigen nicht „vor der Nase“ sondern im selben Haus. (Lüning ist der Mann, der in sämtlichen Tasting-Videos der deutschen Ausgabe zu sehen ist.) Von daher macht das Sinn, für eine weltweite Ausweitung des Vermarktungs-Konzepts auch großzügig in eine .com Ausgabe der Domain zu investieren. Es geht dabei auch nicht um Anzeigenverwertung sondern um Platzierung der eigenen Anzeigen, denn beide Websites – die Deutsche und die Englische – fahren komplett ohne(!) Fremdwerbung.

    Jemand der zu Zeiten des schottischen Referendums und den daraus resultierenden Hamsterkäufen nach eigenem Bekunden teilweise 5-stellige Beträge pro Käufer umgesetzt hat, kann sich das vermutlich auch erlauben, weil in dem Fall eben wirklich das Produkt das Geschäft macht und nicht der Anzeigenwust auf der Site.

    Was mich als TYPO3-Spezialist übrigens besonders freut ist, dass der komplette Auftritt mit dem von uns präferierten CMS umgesetzt wurde. :-)

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  2. P. Fischer

    Ich glaube als Whisky-Experte ist er da nicht unvoreingenommen genug. Die Aussage dass Whiskey mit E deutlich weniger genutzt wird stimmt zumindest laut Google´s Suchvolumen nicht. Es sind eher knapp die Hälfte der Suchenden die auch nach Whiskey suchen.
    Dann auch noch die Whisky.de vor der Nase – ich weiß nicht genau, aber ich tippe die Investition war nicht ganz so gut, zumindest wird sich die Domain in den nächsten paar Jahren nicht amortisieren, außer er schafft es tatsächlich auch international damit erfolgreich zu sein.

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  3. Niels Dettenbach

    Interessant naive Herangehensweise, bei der Kalkulation eines Domainwertes primär zu erwartende Anzeigenplatzierungseinnahmen heranzuziehen – diese zeigt, wie weit sich ein Gutteil der Internetmarketing Szene/Branche inzwischen von klassischen unternehmerischen Werten entfernt hat.

    „Alles ist Google“ und es scheint, als sähe eine ganze Branche zuweilen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr… ß)

    Eine Domain ist das wert, was ein Interessent bereit ist dafür auf den Tisch zu legen – aus welchen Gründen und mit welchen (unternehmerischen/persönlichen) Zielen auch immer. Wird sie tatsächlich zur Anzeigenverwertung eingekauft, signalisiert dies das herannahende Ende der Verwertungskette – ganz am Ende der Futterkette. D.h. mit der Domain weiß aktuell niemand etwas „gescheites“ anzufangen und entsprechend wenig ist sie wert…

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