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Dein Messe-Kit: Survival Guide für die DMEXCO

Ralf Scharnhorst hat Erfahrung im Messegetümmel der DMEXCO, der größten Online Marketing Messekonferenz, und gibt Insider-Überlebenstipps.

© dmexco, Köln

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Das Motto der größten Messe im digitalen Marketing “Bridging Worlds” heißt auf Deutsch: kauft mehr Werbung! Über 32.000 Besucher werden von den mehr als 800 Ausstellern am 16. und 17. September in Köln erwartet. Ralf Scharnhorst schafft etwas Orientierung.

Programm und Vorträge

Messe und Konferenz in einem? Ja, dafür stehen die Buchstaben EX und CO. Wer fünf- bis sechsstellige Beträge in einen Messestand investiert, möchte auch auf der Konferenz-Bühne einen Vortrag halten. Genau richtig im Publikum ist hier, wer sich zum Berufseinstieg oder -wechsel einen Überblick über die Themen und Köpfe der Branche verschaffen will.

Terence Kawaja auf der dmexco 2014

Terence Kawaja auf der dmexco 2014 © dmexco, Köln

Geheimtipps für Fortgeschrittene sind eher die Vorträge von Referenten, die keinen Messestand haben: Terence Kawaja beispielsweise ist nicht nur Silicon-Valley-Investor und Erfinder des Luma-Charts, sondern ein großartiger Entertainer: Mittwoch, 16.09.2015 um 14:45 Uhr in der Debate Hall mit dem gleichen Thema wie 2014:“State of the State of Digital Marketing“.

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In den vergangenen Jahren ist es immer wieder vorgekommen, dass je nach Prominenz der Vortragenden der Saal wegen Überfüllung geschlossen wurde. Auch das ist im Sinne der Veranstalter, schließlich klingt es nach Erfolg und treibt die Besucher auf die Messestände. Wer daher ein Thema wirklich hören will: am besten schon beim vorherigen Vortrag einen Stuhl ergattern – teilweise wurden auch die am Rand Stehenden schon geräumt. Beteiligung des Publikums ist selten erwünscht. Wer daher seine Meinung nicht unterdrücken kann, nutzt Twitter mit dem Hashtag #dmexco – und findet so Gleichgesinnte.

Übersicht behalten – das gut versteckte Programm

Vor Ort sind sicher Übersichtspläne und Konferenzprogramme erhältlich. Als PDF-Download ist das Programm dieses Jahr unter diesem Link versteckt:  http://dmexco.de/Downloads/dmexco2015_Conference_Program.pdf – Vorsicht, 22 eng bedruckte Seiten.

Dafür gibt es eine leicht zu bedienende App. Mit einem Klick auf das Sternchen kann man sich Vorträge merken und bekommt dann seine gewählte Agenda angezeigt.

Das Konferenz-Programm auf der DMEXCO-Website hat eine ähnliche „my schedule“-Funktion. Weil sie ohne Login arbeitet, sollte man sich seine Agenda hier aber auf dem selben Gerät (Smartphone) zusammenstellen, auf dem man es dann später nutzen will.

dmexco-Neuheiten

Bei den “Messeneuheiten” ist die spannende Aufgabe, sie in eine der drei Kategorien einzuteilen:

  1. Gibt es schon lange, heißt jetzt nur anders (Content Marketing hieß früher Advertorial).
  2. Lohnt sich nicht zu merken, ist nächstes Jahr wieder weg.
  3. Wirklich neu, aber selten zu finden – dann unbedingt auf Twitter posten mit den Hashtags #dmexco #sensation.

Kastenwesen

© dmexco, Köln

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Für die Menschen auf der Messe galt ursprünglich die Einteilung in zwei Kasten: Kaste eins will Banner und Werbeflächen verkaufen, trägt Krawatte, ist durch eine unsichtbare Fußfessel an seinen Messestand gebunden und empfängt Kunden im Viertelstunden-Takt.

Kaste zwei kauft Banner ein – als Werbungtreibender oder Agentur. Sie hat kein Zuhause, muss von Messestand zu Messestand rennen, trägt keine Krawatte – manchmal hängt ihr an der Stelle nur die Zunge aus dem Hals – und verpasst die Termine oft, weil sie die Viertelstunde schon für den Fußgängerstau von der einen in die andere Halle braucht. Kaste eins darf nicht aufs Klo. Kaste zwei geht oft aufs Klo, sieht dann die Warteschlangen und dreht wieder um.

In den vergangenen Jahren sind viele weitere Kasten hinzugekommen. Technik-Dienstleister suchen nach Kunden, Werber nach Inspiration, Branchenfremde nach Orientierung. Viele Agenturen werden nicht nur zum Vermarkter, sondern empfangen die Werbungtreibenden auch an eigenen Ständen und in der Agency Lounge. Nicht zu vergessen: all die Spezialisten auf den kleineren Ständen – sei es für Tracking, Suchmaschinen, Affiliate-Marketing, Real-Time-Advertising oder Social Media Marketing.

Immer stärker richtet sich die Messe auch auf die Zielgruppe Online-Händler aus – und das nicht nur, wenn es um deren Werbegelder geht. Unter anderem der Kartonagen-Zulieferer Rajapack, DHL Paket und Packshot-Dienstleister sind vertreten. Ob es dieses Jahr auch wieder den Stand des Nahrungsmittel-Ergänzungs-Herstellers gibt, der nach Dienstleistern sucht, die auf eigenes Risiko einen Franchise-Shop für seine Pillen aufbauen?

Konnektivität

Es gibt ein kostenloses W-LAN. Wie bei allen Naturkatastrophen darf man sich aber nicht darauf verlassen. Auch die Mobilfunk-Netze sind mit über 32.000 Smartphones sicher überlastet.

Am sichersten ist: Feste Treffen mit Ort und Zeit ausmachen (“wenn wir nichts voneinander hören, dann 11 Uhr am Food Court an der Ecke zu C-039”). Zusätzlich das alte Mobiltelefon mitnehmen mit einer Prepaid-SIM aus einem anderen Netz, Ersatzakkus und Ladekabel einpacken.

Essen

Messen sind nicht zum Essen da, sondern zum reden. Gelegentlich sieht man Häppchen an Ständen. Mit der Ausnahme einiger Äpfel ist es ein Muster für ungesunde Ernährung. Wer nicht zu den typischen Stoßzeiten kommt, kann es in der Messe-Kantine “dmexco diner” am Boulevard zwischen den Hallen 7 und 8 versuchen, weitere Stände sind von dort aus im Gang und auf dem Außengelände erreichbar.

Abendessen

Zunächst: die Stadt heißt Köln, nicht Essen. Südlich vom Messegelände gegenüber dem Bahnhof Deutz gibt es einige Restaurants in der Constantinstrasse. Falls es jemandem auf der Messe zu leise und zu leer war: unbedingt zum Selbstbedienungs-Italiener Vapiano. Im Zweifel hilft der Fußweg  über die Rheinbrücke. Das kulinarische Angebot in der Kölner Altstadt ist etwas einseitig, dafür bieten die Essens-Stände unten im renovierten Bahnhof Vielfalt. So freundlich der echte Kölner ist, so unfreundlich ist der echte Kölner Kellner – das hat beim “Köbes” einfach Tradition. Nicht vergessen: der “halve Hahn” ist ein belegtes Brötchen und das Bier heißt hier Kölsch und nicht Alt.

Parties

© dmexco, Köln

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Am ersten Messetag ab 17 Uhr beginnen die ersten Stand-Parties, bis 20 Uhr dürften sich die Messe-Hallen jedoch geleert haben – wir sind ja nicht auf der CeBIT. Denn die eigentlichen Parties sind weiter weg und teilen sich noch etwas in die Ursprünge der Szene auf: die Banner-Vermarkter, die Affiliates, die Suchmaschinen-Dienstleister: jeder findet die angesagte Pre- oder Afterparty, die zu seinem Marktsegment passt – muss aber damit rechnen, dass die Party teuer und/oder ausverkauft ist.

Schlafen – Vier Tipps zur Übernachtung

Das Hotel für die dmexco 2016 noch im September 2015 reservieren. Kölner Hotels sind schnell ausgebucht, daher muss man Kompromisse machen.

Wer jung ist und auch nach einem anstrengenden Socializing-Tag noch reden kann, versucht am besten auf Airbnb und 9flats.com sein Glück.

Wer ein Auto mitbringt: Schaue, was sich per Autobahn östlich des Rheins erreichen lässt – wie Leverkusen oder Düsseldorf.

Wer mit der Bahn kommt, kann ebenso mehr nach Geschwindigkeit als nach Entfernung entscheiden – Düsseldorf, Essen und Dortmund haben viele mittelmäßige Hotels in Bahnhofsnähe. Viele Züge halten direkt am Messe-Bahnhof Deutz.

Fazit

Wie viele Leser haben gemerkt, dass ich den gleichen Artikel schon 2014 veröffentlicht habe? Ich habe nur ein paar Details aktualisiert – es gibt einfach zu wenig Neues. Ob die Messe daran Schuld ist? Ob wir das wenige Neue im Marketing-Getöse entdecken werden? Ich werde berichten – bleiben Sie dran oder sprechen mich darauf an.

Wir sehen uns in Köln und  auf Twitter unter dem Hashtag #dmexco. Und nicht vergessen: kauft mehr Werbung!

Über Ralf Scharnhorst

Ralf Scharnhorst

Scharnhorst Media entwickelt Marketing-Strategien und setzt sie um. Schwerpunkt ist die datengetriebene Mediaplanung. Seit 1996 hat Ralf Scharnhorst fast jeden Fehler miterlebt, den man im Online-Marketing machen kann - und hilft seinen Kunden dagegen. Er lehrt an der Macromedia Hochschule. Mit dem neuen Online-Marketing-Check erfährt jeder Werbungtreibende sofort, wo sein Optimierungspotential liegt.

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