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Studie: Ein Like bleibt selten allein

Gibt es tatsächlich einen Herdentrieb bei der Vergabe von Likes? Eine Studie scheint dies zu belegen.

Facebook-Like-Button

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Auf alltagsforschung.de haben wir einen interessanten Artikel zum Thema Likes gefunden. Der Artikel von Daniel Rettig bezieht sich auf eine Studie von Sinan Aral, der als außerordentlicher Professor am Massachusetts Institite of Technology tätig ist. Dieser wollte folgender Frage nachgehen: Beeinflussen die Kommentare des Kollektivs die Entscheidung des Einzelnen? Oder konkret: Wie wirkt sich ein Haufen von Likes auf das Verhalten des einzelnen Nutzers aus?

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Für seine Studie kooperierte Aral mit einer Nachrichten-Webseite. Die Betreiber dieser Seite ließen sich Anonymität zusichern. Auf der Seite haben Nutzer die Möglichkeit, Artikel zu kommentieren und zu bewerten: Daumen hoch für „Gefällt mir“, Daumen runter für „Gefällt mir nicht“. Die Differenz zwischen den Urteilen wird berechnet und so erhalten die Macher für jeden Beitrag eine Durchschnittsnote.

Für die Studie wurde das System manipuliert. Im Zeitraum von Dezember 2010 bis Mai 2011 wurden demnach rund 4.000 Kommentare per Zufallsprinzip mit einer positiven Wertung versehen (+1). Rund 2.000 Kommentarte bekamen eine negative Note (-1). Der Rest blieb ohne Punkt, diente zudem als Kontrollgruppe.

Positive Kommentare werden bestätigt

In dieser Zeitspanne klickten die User alle Kommentare mehr als zehn Millionen Mal an, es gab mehr als 300.000 Bewertungen. Und das Ergebnis?

Die automatisch positiv bewerteten Kommentare wurden von den Nutzern meistens bestätigt. Sie vergaben ebenfalls eine gute Note – und zwar um 32 Prozent häufiger als in der Kontrollgruppe. Insgesamt hat die Manipulation laut Rettig die Zahl der positiven Kommentare um 25 Prozent gesteigert.

Bei den negativen Kommentaren war das Ergebnis noch überraschender. Die betreffenden Kommentare erhielten von den Nutzern ebenfalls vor allem positive Bewertungen. Die Frage ist: Warum? Wollten die Nutzer helfen, eine schlechte Note zu korrigieren?

Sinan Aral spricht in seiner Erklärung vom „Social Influence Bias“: „Positive Meinungen häufen sich an und schaffen eine Art Bewertungsblase. Negative Meinungen werden vom Schwarm eher korrigiert und neutralisiert.”

Was bedeutet das für Marketer? Die Freude über einen großen Haufen Likes für ihre Brand könnte somit getrübt werden. Haben die meisten User einfach nur deswegen auf „Like“ geklickt, weil so viele vorher das auch getan haben? Dann wäre so ein Like ja kaum noch etwas wert. Was denkt Ihr?

2 Gedanken zu „Studie: Ein Like bleibt selten allein

  1. Timo AppellesTimo Appelles Artikelautor

    Danke für Deinen Kommentar, Thomas! Und das ist ein einleuchtendes Beispiel.

    Antworten
  2. Thomas Brasch

    18 FB Likes und kein Kommentar ist ja schon mal eine erste Antwort auf die Frage. Ich finde das Ergebnis nachvollziehbar. In der realen Welt findet man dieses Phänomen z.B. in der Gastronomie. Ein leeres Lokal ist schwer zu füllen. Ist es erst mal voll, dann finden sich sogar noch welche, die freiwillig anstehen, besonders dann, wenn das Lokal daneben nur spärlich besucht ist. Und ich bin mir sicher, wenn man einen Test machen würde, in dem in beiden lokalen die selbe Küche geboten wird, wird bei einer Befragung die Bewertung der Küche im vollen Lokal besser sein.

    P.S. Das FB kommentieren funktioniert hier nicht.

    Antworten

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