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Rollout der Facebook „Instant Articles“: Bild und Spiegel als Pioniere dabei

Mit dem Ausrollen des neuen Features soll in erster Linie die UX verbessert werden. Für Publisher kommt dies einem Angriff auf die Unabhängigkeit gleich.

© Facebook

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Vor einiger Zeit kündigte Facebook an, Kooperationen mit großen Medienhäusern eingehen zu wollen, damit diese im Zuge des neuen Features „Instant Articles“ Inhalte direkt auf dem sozialen Netzwerk publizieren und nicht mehr auf ihren eigenen Portalen. Mit dem offiziellen Start des Rollouts am heutigen Tage, könnte eine neue Zeitrechnung beginnen.

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User sollen auf dem Netzwerk bleiben

Facebook hat heute auf seinem Medienblog bekannt gegeben, mit dem offiziellen Rollout, vorerst nur für iOS, begonnen zu haben. Auf internationaler Ebene sind Medien wie The New York Times, National Geographic sowie The Atlantic mit von der Partie. Bild und Der Spiegel folgen in einigen Wochen und stellen damit die deutschen Pioniere des neuen Features. Damit User Facebook aufgrund externer Links nicht mehr verlassen müssen, sollen Publisher ihren Content direkt auf Facebook veröffentlichen und die Nutzer so auf dem Netzwerk halten. Was dies für den Traffic der eigenen Webseiten bedeutet, hängt vom Erfolg der Instant Articles ab und bleibt daher abzuwarten – Publisher fürchten allerdings um Einbußen großer Anteile. Verlage kämpfen seit geraumer Zeit um ihr Überleben, weshalb aktuell vielerorts über Bezahlmethoden für Online-Artikel debattiert wird. Publisher strecken ihre Fühler nach Alternativen aus, um sich auch in Zukunft finanzieren zu können und sehen vielleicht einen Weg im neuen Format auf Facebook.

Features sorgen für eine noch bessere UX

Laut dem Social Giganten bilden die mobilen Ladezeiten für externen Content mit acht Sekunden das Schlusslicht, was für einen mobilen User in der Tat eine lange Zeit sein kann. Um die User Experience weiterhin zu verbessern, soll die neue Funktion Artikel um ein zehnfaches schneller abrufbar machen.

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Neben einer schnelleren Ladezeit verspricht Facebook zusätzlich interaktive Features, die „Stories zum Leben erwecken“, indem hochauflösende Fotos sowie eine Zoomfunktion Verwendung finden, Videos mit Autoplay, interaktive Karten, und Audiomaterial integriert werden. Zudem können User einzelne Artikel-Elemente liken und teilen. Aus Usersicht ist die Implementierung der Instant Articles sicher ein Fortschritt, beginnt das soziale Netzwerk doch insbesondere bei älteren Geräten schnell schlechter zu performen. Da wird es die Nutzer sicher erfreuen, dass die User Experience immer weiter optimiert wird.

Volle Kontrolle über Content und Daten

Doch auch Publisher profitieren von den Neuerungen. Sie sollen weiterhin die gesamte Kontrolle über ihren Content behalten, gleiches gilt für Umsätze aus Anzeigen, die weiterhin autark in Artikeln geschaltet werden können. Sie haben aber auch die Möglichkeit, sich für die Nutzung der Audience Network entscheiden, um nicht verkauftes Inventar monetarisieren zu können. Auch werden den Verlagen Analysetools zur Datenaufbereitung und zum Tracken zur Verfügung gestellt.

Facebook als Gatekeeper und die Gefahr der Abhängigkeit

Ob Facebook mit seinen Instant Articles Erfolg haben wird, bleibt fragwürdig. Die Facebook App, für die das Feature vorrangig erschaffen wurde, befindet sich auf einem absteigenden Ast. Die User ziehen es inzwischen vor, über die facebookeigenen Messenger oder Instagram zu kommunizieren. Dass Facebook seit einiger Zeit den Anschein macht, auf dem Weg eines Gatekeepers zu sein (Stichwort: Projekt Internet.org), bereitet Publishern aber eher Bauchschmerzen. Nicht nur das erst kürzlich vorgenommene Algorithmus-Update des Newsfeeds, das die organische Reichweite von Medienseiten beschränkt, stößt ihnen dabei sauer auf. Dass Publisher ihre Reichweite durch die Bereitstellung von Artikeln in den Instant Articles erhöhen können, benachteiligt die Medienhäuser in ihrer Unabhängigkeit und versetzt sie im Kampf um Traffic in Zugzwang. Viele Verlage hadern daher zurecht mit der Entscheidung, einen Pakt mit Facebook einzugehen und dem Zuckerberg-Netzwerk die Fäden (oder: Reichweite) in die Hand zu geben.

Beginnt das Rollout auch in Europa und in einigen Wochen in Deutschland, werden sich die Auswirkungen recht schnell zeigen.

Über Tina Bauer

Tina Bauer

Studierte Sozialwissenschaftlerin mit Hang zu Online und Marketing. Seit Ende 2014 als Redakteurin & Content Managerin bei OnlineMarketing.de.

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