Interviews

Experteninterview: Prof. Dr. Christoph Bauer

Datenschutzexperte Prof. Dr. Christoph Bauer spricht vor allem über den aktuellen Stand der EU-Datenschutz-Problematik.

Prof. Dr. Christoph Bauer

Prof. Dr. Christoph Bauer

Christoph Bauer ist Professor für Entrepreneurship, Medien und Leadership an der HSBA, Hamburg School of Business Adminsitration. Er hat in Münster Betriebswirtschaftslehre studiert und anschließend am dortigen Lehrstuhl für Finanzierung promoviert. Prof. Bauer hat 20 Jahre in der Medienindustrie im Bereich Finance/Controlling und als CFO und COO in namhaften Unternehmen wie Bertelsmann und AOL gearbeitet, zuletzt beim Targeting-Unternehmen wunderloop, das erfolgreich an AudienceScience verkauft wurde. Neben seiner Hochschultätigkeit hat Prof. Bauer die Firma ePrivacyconsult gegründet, die Datenschutz-Siegel vermarktet. Prof. Bauer ist als Unternehmensberater im Bereich M&A, Finance & eBusiness tätig. Zudem hat er als Herausgeber an einem der ersten deutschsprachigen Bücher über Online Targeting mitgewirkt und ist Aufsichtsrat der d3media AG.

Anzeige:

Als Datenschutzexperte und ehemaliger CFO von Wunderloop bist du sehr nah dran am Thema Profiling und den damit zusammen hängenden rechtlichen Fragen. Was darf man eigentlich in Deutschland rechtssicher machen und was könnte gefährlich werden?

Das lässt sich so einfach kaum generell sagen, man muss das i.d.R. im Detail prüfen. Das Eine kann man aber ganz konkret sagen: Wenn man sich im Bereich der Anonymität befindet, dann darf man sehr viel mit den erhobenen Daten machen. Allerdings müssen die Daten von Usern, z.B. auch die IP-Adresse, zunächst anonymisiert werden, was sehr genau und nachprüfbar umzusetzen ist. Befindet man sich nicht im Bereich der anonymen Daten, dann benötigt man die Einwilligung der Nutzer („opt-in“), bevor man die Daten für weitere Zwecke verwenden darf.

Wer oder was kann unsere Branche eigentlich davor schützen, dass die EU-Datenschützer uns die Cookies verbieten und wir den US-Playern das Spielfeld überlassen müssen? Der BVDW oder andere Lobbyisten? Oder irgendeine Selbstkontrollstrategie?

Die EU hat dazu ja kürzlich einen neuen Gesetzesvorschlag vorgelegt, wenn der umgesetzt wird, kann uns keiner davor mehr schützen. Aber viele arbeiten sehr intensiv daran, so auch der BVDW und die internationalen Verbände IAB und EASA, dass der Entwurf so nicht umgesetzt wird. Das bleibt alles sehr spannend. Die EU Datenschützer haben sich schon im Vorfeld des Gesetzesentwurfs auf diese harte und m.E. viel zu harte Linie verständigt und unterstützen den Gesetzesentwurf. Auch hier greifen viele Verbände ein, aber noch nicht mit durchschlagendem Erfolg.

Nebenbei bist du auch als Professor tätig an der HSBA Hamburg School of Business Administration und sorgst damit für Nachwuchs für unsere Branche. Was sind die Themen im Online Marketing Bereich, die die Studenten heute am meisten interessieren und warum?

Was die Studierenden dort sehr interessiert sind alle Geschäftsmodelle rund um die Werbung, da diese auch gute Zukunftsperspektiven bieten, insb. bei Mobile, Targeting usw. Allerdings darf man in diesen Bereichen nicht so hohe Vergütungen erwarten wir in klassischen Medienhäusern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *