Das Ende der E-Mail: Chat Apps erobern die Business-Welt

Die E-Mail hat als Mittel zur Businesskommunikation wohl bald ausgedient. Denn Chat Apps erfreuen sich nicht nur aufgrund ihrer Übersichtlichkeit immer größerer Beliebtheit.

© anyaberkut | fotolia.de

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Vorbei die Zeiten, in denen interne Kommunikation im Büro auf Rundmails und den Klatsch im Flur beschränkt war. Spätestens seit Skype ist chatten businessfähig geworden. Seitdem steigt die Beliebtheit für Arbeitschats stetig und wird zu einem lukrativen Geschäft für Investoren und Entwickler.

Chat-Apps wie Chatter, Slack und Jammer sind vor allem in den USA beliebt. Ihr Vorteil: Dank mobiler Apps ist eine Kommunikation auch von unterwegs problemlos möglich und ebnet so den Weg für noch mehr räumliche Unabhängigkeit voneinander.

Social Chats für Unternehmen sind eine Goldgrube

Im Jahr 2019 wird der Markt für Social Software etwa Fünf-Milliarden Dollar wert sein, so die Prognosen, die BBC nennt. Grund genug, um auch Internetriesen wie Facebook auf den Plan zu rufen. Facebook at Work, mit der integrierten App Work Chat, wurde Anfang 2015 angekündigt. Seitdem konnte Facebook große Unternehmen wie die Bank of Scotland mit immerhin 100.000 Angestellten für sich gewinnen. Es scheint, als wolle Zuckerberg auch hier einmal mehr den Markt beherrschen.

E-Mail vs. Chats

Warum nun das Ganze? Bietet die bewährte Rundmail nicht genau das Gleiche, was eine Chatkommunikation ebenfalls bietet?

„Nein“, meinen die Befürworter von Work Chat und co. Ein voller E-Mailkasten mit lauter Nachrichten, die oft nur für einen Bruchteil der Empfänger interessant ist, störe den Workflow und koste wertvolle Zeit. Die Unübersichtlichkeit einer solchen Email – gerade in einem Mailkasten – führe außerdem dazu, dass vieles eben nicht gelesen würde und so einige Kollegen sich zu früh aus einer Kommunikation ausklinken.

Das „ausklinken“ geschieht zwar auch bei einem Chat, jedoch kann der Rezipient nach Ansicht der Chat-Befürworter hier deutlich selektiver vorgehen und eben nur an den Chats nicht teilnehmen, die ihn tatsächlich nicht betreffen.

Ein deutlicher Vorteil des Business-Chats sei außerdem, dass es die Gemeinschaft fördert und so das Gruppen-Wissen besser zum Vorschein bringe. Unternehmen profitieren hier vom kollektiven Wissen und Denken. Auch sei kein großes Lernen vom Nutzer zu erwarten, schließlich funktionieren die Chat Apps meistens sehr intuitiv. Nicht zuletzt verbessert das schließlich auch die Loyalität der Mitarbeiter zum Unternehmen.

Die Schattenseite

Auch wenn Chats für Unternehmen eine Goldgrube sind, so ist dennoch nicht alles Gold, was glänzt. Chats haben eine nicht zu verachtende Sicherheitslücke und bieten eine große Angriffsfläche für Hacker. Das Sicherheitsrisiko könnte Unternehmen mit sensiblen Daten, wie zum  Beispiel Banken, in schwerwiegende Probleme stoßen, wenn ein Hackerangriff erfolgreich war.

Da bergen die E-Mails, sicher gelagert auf dem internen Server, ein deutlich geringeres Risiko. Dennoch: das Ende der Mail als Mittel zur internen Kommunikation ist gekommen und sie wird in nächster Zeit wohl ein ähnliches Schicksal ereilen wie das „gute, alte“ Fax. Wer dann den Markt der Business-Chats erobert – wir dürfen gespannt sein.

Quelle: BBC

Über Linda Ewaldt

Linda Ewaldt

Linda Ewaldt hat in Hamburg Germanistik und Psychologie studiert und danach Redaktionsluft in kleinen Startups und großen Unternehmen geschnuppert. Seither ist sie freiberuflich tätig und ihre Spezialgebiete sind Karriere und Gesundheit. Am liebsten schreibt sie für OnlineMarketing.de Artikel, die beides miteinander verbinden.

3 Gedanken zu „Das Ende der E-Mail: Chat Apps erobern die Business-Welt

  1. Andreas Öttl

    Ich glaube, dass hier der Punkt der Mobilität viel wichtiger ist, als ein zu voller Mailkasten.
    Ebenfalls von größerer Bedeutung sind meines Erachtens insbesondere die deutlich interaktivere Echtzeit-Kommunikation im Rahmen von Chats und dass – gerade jüngere Nutzer – diese Kommunikationsform aus ihrem privaten Umfeld gewohnt sind.

    Gerade der Punkt, dass „private Nutzungsgewohnheiten“ zunehmend stark die Akzeptanz von geschäftlichen Anwendungen beeinflussen, zeigt sich stark auch in unseren Projekten.
    Zusammen mit der Agentur Symancis ist contentXXL unterer anderem im Bereich von Social Intranets aktiv….hier zeigt sich ganz deutlich, dass zunehmend Funktionen gewünscht werden, wie man sie aus der privaten Internetnutzung kennt, seien es News- und Activity-Feeds vergleichbar Facebook, Like- und Dislike-Funktionen, Wikis oder eben Chats. Dieser Trend wird von Unternehmen auch zunehmend erkannt, so dass noch viel mehr solcher Kommunikations- und Collaborationsfeatures im Arbeitsalltag Einzug halten werden.

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  2. Günter Weick

    Es tut mir leid, aber ich muss der Aussage des Artikels leider vehement widersprechen.

    SofTrust Consulting gestaltet seit 2001 E-Communication-Kultur in europäischen und amerikanischen Unternehmen und wir können aktuell nicht erkennen, dass die E-Mail im Geschäftsleben in den nächsten fünf Jahren nennenswert an Boden verlieren wird. Praktisch alle Studien gehen sogar von einem weiter wachsenden E-Mail-Volumen aus.

    Bei uns wächst der Anteil von Projekten, bei denen wir alternative Kommunikationsformen in Unternehmen implementieren. Aber diese Tools werden dann überwiegend intern und überwiegend nur für bestimmte Aufgabenstellungen genutzt. Davon abgesehen: Wir würden Tools wie Yammer nicht primär als Chat-Applikation verstehen – das gibt ein vollkommen unzureichendes Bild von deren Möglichkeiten.

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    1. Andreas Öttl

      Hallo Herr Weick,
      vielen Dank für diesen Kommentar…diesen Punkt hatte ich in meinem Kommentar oben ganz vergessen. Ich denke auch, dass
      a) diese Funktionen derzeit vor allem für intern überwiegen
      und vor allem
      b) es sich hier um alternative oder ergänzende Funktionalitäten handelt.

      Dass hiervon die E-Mail – vor allem in der Kommunikation mit Kunden – verdrängt werden könnte, sehe ich auch nicht…ganz im Gegenteil, mit dem zahlreichen Möglichkeiten der Automatisierung und Personalisierung würde ich sogar sagen, dass die E-Mail für das Marketing ein ganz wesentliches Element der Zukunft ist.

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